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Sebastian Vettel hat spätestens seit dem 14. Saisonrennen gut Lachen © imago

Drei Jahre hat Vettel Zeit, um Alonso als jüngsten Weltmeister der Geschichte abzulösen. Willi Weber läuft schon heiß.

Monza - Sebastian Vettel feierte den historischen Sieg von Monza nur kurz bei einem Abendessen mit seiner Familie, dann nahm der Nachfolger von Michael Schumacher den WM-Titel ins Visier.

"Ich habe den Ehrgeiz, Weltmeister zu werden. Ob als jüngster oder als ältester Fahrer, das ist mir völlig egal", sagte der 21-Jährige.

Das Super-Talent aus Heppenheim hat die Formel-1-Welt in nur zwei Tagen im Ferrari-Land auf den Kopf gestellt: Erst eroberte Vettel als jüngster Pilot die Pole Position, dann gewann er als jüngster Fahrer aller Zeiten ein Rennen.

Berger glaubt an den Titel

Drei Jahre hat Vettel nun Zeit, um den Spanier Fernando Alonso als jüngsten Weltmeister der Geschichte abzulösen.

Mit dem Triumph auf regennasser Piste im unterlegenen Auto hat er aber schon jetzt bewiesen, dass er ein echter Champion ist. "Wie er die Sache angeht, wird er auch Weltmeisterschaften gewinnen", meinte Gerhard Berger, Mitbesitzer bei Toro Rosso.

Auch der siebenmalige Champion Schumacher hält den "kommenden Weltmeister" Vettel für einen würdigen Nachfolger: "Man sollte nicht über Vergleiche reden, sondern sehen, dass dieser Junge ein unglaublich starker Rennfahrer ist."

Haug: "Ein gutes Signal"

Mit dem ersten deutschen Formel-1-Sieg 714 Tage nach Schumacher hat er schon jetzt für neuen Boom gesorgt - 6,85 Millionen sahen den Triumph von "Super-Vettel" live bei "RTL" - und am Tag danach feierten die Zeitungen auf den Titelseiten den Sieg des "neuen Schumi".

"Das ist ein gutes Signal für die Formel 1 in Deutschland und für die deutschen Fans. Es ist gut, dass es nach Schumacher so schnell wieder einen Sieger gibt", sagte Norbert Haug.

Der Mercedes-Sportchef, der Verhandlungen über eine Verpflichtung Vettels im vergangenen Winter bestätigte, ist wie die anderen Topteams Ferrari und BMW an dem Juwel interessiert. Auch Haug hält den cleveren jungen Mann für einen künftigen Titelkandidaten: "Das ist ein Typ, der Schritt für Schritt geht. Der wird nichts ankündigen, sondern einfach machen."

Keine große Party

Die große Siegerparty am Sonntag fiel erstmal aus, stattdessen ließ Vettel den Abend mit Vater Norbert, Mutter Heike, Schwester Melanie und ein paar Freunden ruhig ausklingen. Am Montag reiste er "zum Kofferpacken" nach Hause, am Dienstag fliegt er zu Testfahrten nach Jerez.

Dort wird "Basti Fantasti" zum ersten Mal im Dienstwagen seines künftigen Arbeitgebers Red Bull sitzen, wo er bis 2010 unter Vertrag steht.

80 SMS in drei Stunden

Am nur mit etwa 1,5 Millionen Euro dotierten Kontrakt wird sich nichts ändern, auch nicht an seinem bisherigen Leben, meint Vettel: "Ich bin genau der Gleiche, der vor diesem Rennen früh aufgestanden ist."

Allerdings bekam er schon in den ersten drei Stunden nach dem Rennen ein Ahnung davon, was ihn erwartet: "Ich habe 80 SMS bekommen. Und mit meiner Freundin Hanna konnte ich nur kurz telefonieren - ich hatte nicht mehr Zeit."

Beatles-Fan mit Abitur

Jeder reißt sich nach der "Vettel-Show in Monza" (Gazzetta dello Sport) um den Ausnahmefahrer, der bei seiner Triumphfahrt beim Großen Preis von Italien sogar die Muße hatte, die Hand beim Fahren aus dem Auto herauszuhalten, um die Intensität des Regens zu testen.

Der Beatles-Fan mit Abitur (Schnitt 2,8) weiß trotz der Glückwünsche aus der ganzen Formel-1-Welt ganz genau, dass sich seine Karriere nicht derart rakentenartig weiterentwickeln wird.

"Fühle mich nichts als Held"

Mein Ziel wird in jedem Rennen der Sieg sein, aber es wird ein harter und steiniger Weg nach oben", sagte Vettel.

Mit Blick auf das erste Nachtrennen der Formel 1 am 28. September in Singapur fügte er hinzu: "Ich werde nicht nach Singapur reisen, mich wie ein Held oder Superstar fühlen und den nächsten Sieg erwarten. Vielleicht kann ich ein paar Punkte mitnehmen, vielleicht mehr."

Frühe Begegnung mit Schumi

Michael Schumacher wird ihm wie in Monza die Daumen drücken, er hat entscheidend bei Vettels Aufstieg mitgeholfen.

Als Sebastian sieben war, überreichte er ihm bei einem Kartrennen einen Preis. Später half Schumis Entdecker Gerhard Noack finanziell.

"Ich kenne Sebastian schon von Klein auf, und wir haben schon viele Stationen miteinander genießen können", sagte der Kerpener: "Wir haben uns immer wieder getroffen, spielen gemeinsam Fußball - und er fährt einfach 1 A."

Willi Weber in der Spur

Vettel hört das gerne, aber die Vergleiche mit dem großen Idol seiner Jugend findet er lächerlich: "Er war einer der besten Fahrer, die es je gab. Ich bin stolz, ihn zu kennen - aber ich bin ein eigener Mensch."

Der ab jetzt Schumachers Rekorde jagt - und das ohne eigenen Manager. Doch das könnte sich nun schon bald ändern.

Willi Weber, der einst Vettels Vorbild Michael Schumacher zum Superstar machte, hat ein Auge auf ihn geworfen. "Ich könnte mir das ganz gut vorstellen. Sebastian ist ein sehr sympathischer Junge, die Zusammenarbeit mit ihm könnte mir Spaß machen", sagte Weber. Besprochen sei aber noch nichts.

"Endlich ein neues Gesicht"

Vettel habe laut Weber ein Riesen-Potenzial zum Geldverdienen. "Endlich ein neues Gesicht, darauf hat Deutschland gewartet", sagt der Schumi-Manager.

Für Vergleiche mit dem siebenmaligen Champion sei es allerdings noch zu früh, meint Weber, der das große Talent Vettels aber längst erkannt hat: "Er hat das Zeug zum Weltmeister, er darf sich jetzt von dem ganzen Rummel bloß nicht erdrücken lassen."

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