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Blick stur geradeaus: Felipe Massa und Kimi Räikkönen © getty

Der WM-Zweite Felipe Massa berichtet offen über sein unterkühltes Verhältnis zum Teamkollegen. Gibt es einen roten Rosenkrieg?

Von Marc Ellerich

München - Man ahnte es bereits, doch jetzt hat Felipe Massa die Bestätigung geliefert: Das Verhältnis zu seinem Teamkollegen Kimi Räikkönen, Spitzname: "Iceman", ist mehr als unterkühlt.

Eigentlich, dieser Eindruck drängt sich jedenfalls auf, wenn man Massas Aussagen in einem "Welt"-Interview liest, verbindet den WM-Zweiten aus Brasilien und den finnischen Weltmeister nur ihr gemeinsamer Arbeitsplatz bei Ferrari.

Ansonsten gibt es offenbar wenige bis gar keine Gemeinsamkeiten.

"Sind keine Freunde"

"Kimi ist kein großer Redner", gab Massa in dem Gespräch zu: "Unsere Beziehung ist sehr professionell."

Massa erläuterte seine Aussage. "Wir arbeiten miteinander und wollen, dass Ferrari Weltmeister wird", sagte Massa, der (vorbehaltlich des FIA-Urteils zu Spa am 22. September) derzeit mit 77 Punkten nur einen Zähler hinter dem WM-Führenden Lews Hamilton liegt.

Aber: "Wir sind keine Freunde, haben keine private Beziehung", räumte der Pilot aus Sao Paulo ein.

"Nicht seine Art"

"Wir sitzen bei den technischen Meetings des Teams beieinander und diskutieren unsere technischen Probleme. Wenn die Konferenzen vorbei sind, steht Kimi auf und geht zur Tür raus. Das war es dann, klar und offen."

So sprächen er und sein Kollege auch nicht offen über Räikkönens derzeitige Schwäche im Qualifying. Der Finne habe ihn nicht um Rat gefragt, wie er dieses Problem in den Griff kriegen könne. "Das ist wirklich nicht seine Art."

Massa verspürt Druck

Indirekt räumte Massa ein, dass er daran arbeitet, Räikkönen, der derzeit mit 21 Punkten Rückstand auf Hamilton auf dem vierten Platz liegt, zu demontieren.

Er registriere die hohen Erwartungen seines Arbeitgebers, gab der Brasilianer zu: "Ich spüre diesen Druck, und manchmal habe ich auch meine Probleme damit."

Auf die Frage, ob er als derjenige Fahrer mit den weitaus besseren WM-Chancen die Unterstützung des Kollegen einfordere, blieb Massa unkonkret: "Er ist in einer schwierigen Situation, aber letztes Jahr lag er mit 17 Punkten bei nur zwei Rennen bis zum Ende der Saison zurück und gewann die WM".

Schumi "wie ein Bruder"

Allerdings machte der frühere "Lehrling" des deutschen Rekord-Weltmeisters Michael Schumacher ("Er ist wie ein Bruder für mich") deutlich, dass es für ihn nur ein Saisonziel gibt: "Ich will um die WM fahren".

Teamchef Stefano Domenicali hatte zuletzt öffentlich laut darüber nachgedacht, dass Räikkönen zu Massas Helfer degradiert werden könne.

Dass der "Iceman" Massa, wenn überhaupt, nur zähneknirschend unterstützen wird, war allerdings beim Grand Prix vor eineinhalb Wochen in Spa gut zu besichtigen: Mit einem knallharten Manöver drängelte der von Platz vier gestartete Finne sich an seinem Teamkollegen vorbei.

Im Vorfeld hatte er mehrfach betont, er habe die Titelverteidigung noch nicht abgehakt.

Massa kommentierte den Vorfall seinerzeit nicht öffentlich.

Stille Rivalität

Ob die stille Rivalität der beiden Piloten in der Hitze des WM-Kampfes offen ausbrechen könnte, wie 2007 bei McLaren-Mercedes zwischen Hamilton und Alonso, und dafür gibt es derzeit keine Anzeichen.

Am vergangenen Wochenende beim Heimspiel der Roten in Monza zeigte Räikkönen nach schlechtem Qualifying ein unauffälliges Rennen und wurde am Ende Neunter.

Gegen einen offenen Zwist spricht allerdings, dass die zwei ihr Nicht-Verhältnis auch 2010 weiter pflegen dürfen. In Monza bestätigte Ferrari überraschend das Fahrer-Gespann für die kommenden zwei Jahre.

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