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Michael Schumacher jublet 2006 über seinen Sieg beim Deustchland-GP © getty

Erstmals seit langem startet der Deutschland-GP in Hockenheim ohne den Champion. Was haben seine Nachfolger drauf? Der Sport1-Check.

München - Den deutschen Formel-1-Fans wird sich am Wochendende in Hockenheim ein ungewohntes Bild bieten.

Erstmals seit 17 Jahren startet der Große Preis von Deutschland ohne Michael Schumacher. Dafür hat der Rekord-Weltmeister der Formel 1 zahlreiche Landsleute als Nachfolger hinterlassen.

Für Schumis Erben ist der Auftritt in der Heimat das Highlight der Formel-1-Saison 2008. Sport1.de nimmt die fünf deutschen Piloten vor dem großen Heimspiel unter die Lupe und bilanziert ihre bisherige Saison zur GP-Halbzeit.

Nick Heidfeld (BMW-Sauber): Für den dienstältesten deutschen Formel-1-Piloten endete vor zwei Wochen beim Großen Preis von England eines der finstersten Kapitel seiner Karriere. Nach blendendem Start als Zweiter beim Saison-Auftakt in Melbourne ging bei "Quick Nick" gar nichts mehr: Heidfelds Qualifyings wurden regelmäßig zu Katastrophenritten. Auf dem Höhepunkt der Krise spekulierten die Medien über Heidfelds Ablösung zur Saisonmitte. Anfang Juni in Kanada erste Anzeichen für eine Trendwende: Als Achter gestartet wurde der 31-Jährige Zweiter. Der Durchbruch dann in der Sintflut von Silverstone, wo Heidfeld als Zweiter durchs Ziel raste. "Das war der Befreiungschlag", jubelte BMW-Motorsport-Direktor Mario Theissen. Was der blonde Mönchengladbacher in Hockenheim zu leisten vermag, ist ungewiss: Sicher träumt Heidfeld, derzeit Fünfter in der Fahrer-WM, von seinem ersten Formel-1-Triumph. Dem steht seine bisherige Bilanz in Hockenheim entgegen: ein sechster Platz aus dem Jahr 2002 mit Sauber ist das beste Resultat.

Sebastian Vettel (Toro Rosso): Sein Premieren-Jahr in der Hochgeschwindigkeitsklasse begann für den 21-Jährigen mit einem Fehlstart: In den ersten vier (!) Rennen kam der Youngster nicht ins Ziel Weshalb ihm Rekord-Champion Schumacher das Zeug zum Weltmeister attestierte, machte Vettel im Regenchaos von Monaco deutlich: mit seinem unterlegenen Toro Rosso vom vorletzten Platz gestartet, wurde er sensationell Fünfter. Beim Großen Preis von Deutschland will Vettel sein Talent erneut unter Beweis stellen. "Mein Ziel ist es, immer bester deutscher Fahrer zu sein, aber das wird diesmal ganz schwer." Abheben wird er ohnehin nicht. Seine Devise im ersten Jahr als Formel-1-Pilot: "Lernen, lernen, lernen."

Nico Rosberg (Williams): Ähnlich wie sein deutscher Kollege Heidfeld feierte der Sohn des zweimaligen Weltmeister Keke Rosberg einen glänzenden Saisoneinstand: Platz drei in Australien. Danach lief es nicht mehr für den Williams-Piloten, der vor der Saison mit McLaren-Mercedes in Verbindung gebracht worden war. Der Grund war meist derselbe: sein wenig konkurrenzfähiges Auto. Umso beachtlicher sind die acht WM-Punkte, die Rosberg 2008 eingefahren hat. Hockenheim nennt der Wiesbadener "eine der besseren Strecken für uns. Das wird aber sehr wahrscheinlich nicht für uns ausreichen, um einen großen Schritt nach vorne zu machen". Ein Erfolgserlebnis beim Heim-Grand-Prix täte Rosberg sicher gut, denn nicht nur Experte Marc Surer glaubt: "Im Moment ist Nico stehen geblieben. Seine Karriere stagniert." Rosberg weiß das, er sagt: "Als Talent gilt man nicht ewig."

Timo Glock (Toyota): Der nächste deutsche Debütant in der Formel1 trat bei Toyota in die Fußstapfen eines berühmten Landsmanns. Als Champion der GP-2-Serie löste er Ralf Schumacher ab. Mit einem vierten Platz in Kanada ließ der gelernte Gerüstbauer aufhorchen, ansonsten hat Glock in seiner ersten Saison schwer zu kämpfen: mit dem anfälligen Auto und seinem erfahrenen Kollegen Jarno Trulli. Nach neun Rennen stehen nur fünf Punkte zu Buche, aber Glock zeigt Biss: "Es ist für mich selbstverständlich, dass ich als Formel-1-Fahrer hart arbeiten muss."Hockenheim nennt er, der nur 45 Minuten von der Strecke entfernt aufgewachsen ist "ein schönes Jagdrevier. Ich freue mich wirklich sehr auf dieses Rennen".

Adrian Sutil (Force India): Sicherlich der deutsche F-1-Pilot mit der höchsten Schmerzgrenze. Sitzt in einem völlig unterlegenen Auto, wird er regelmäßig Letzter oder kommt gar nicht erst ins Ziel: 0 Punkte zur Saisonhalbzeit. Den schönsten Moment seiner Karriere zerstörte Kimi Räikkönen. Im Mai, in Monte Carlo, lag Sutil wenige Runden vor Schluss auf Platz vier, als ihm der Ferrari-Weltmeister ins Heck rauschte und alle Podiumsträume zerstörte. Es spricht leider wenig dafür, dass Sutils Saisonbilanz in Hockenheim viel besser werden könnte.

Marc Ellerich

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