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Norbert Haug arbeitet seit 1990 als Motorsport-Chef für Mercedes © getty

Im Interview spricht Mercedes-Sportchef Haug über den rechtmäßigen Sieger von Spa und die Kritik an Hamiltons Fahrweise.

München - Das Rennen von Spa sorgt weiter für Diskussionen.

Vor allem diese eine Situation, in der McLaren-Pilot Lewis Hamilton durch ein spektakuläres Überholmanöver an Kimi Räikkönen vorbeizog, und sich den Sieg sicherte.

Dachte er zumindest. Dann brummten ihm die Renn-Kommissare wegen unerlaubten Abkürzens einer Schikane eine 25-Sekunden-Zeitstrafe auf, wodurch er wichtige WM-Punkte einbüßte.

McLaren und Mercedes-Sportchef Norbert Haug legten Einspruch gegen die Entscheidung ein. Nun geht es am Montag vor Gericht.

Im Interview spricht Haug über den rechtmäßigen Sieger von Spa, die Kritik an der Fahrweise von Hamilton und die Gerüchte-Küche Formel 1.

Frage: Herr Haug, wieder mal wird vor Gericht über einen Sieg entschieden, der eigentlich auf der Rennstrecke errungen worden ist. Leidet dadurch nicht das Image der Formel 1?

Norbert Haug: Sicher nicht, wenn Lewis Hamilton als rechtmäßiger Sieger von Spa bestätigt wird.

Frage: Wie stehen die Chancen, dass Lewis Hamilton den Sieg von Spa am grünen Tisch zurückbekommt?

Haug: Die Fakten sprechen aus unserer Sicht ganz klar für Lewis Hamilton und sein faires Verhalten in Spa. Wer bei Start und Ziel nach einem Nachteil vom Gas geht, knapp sieben km/h langsamer fährt als sein Widersacher vor ihm und dann keine 300 Meter später sauber und überzeugend überholt, ist einfach schneller.

Frage: Und trotzdem ist er bestraft worden ...

Haug: Sinn und Zweck der Formel 1 ist es, den schnellsten Fahrer im schnellsten Fahrzeug zu ermitteln. Und der hieß in Spa Lewis Hamilton. Dass jetzt einige Fahrer einen Vorteil für Lewis gesehen haben wollen, sollte nicht verwundern. Warum sollten diese sich ausgerechnet für den einsetzen, der seit seinem Karrierestart in der Formel 1 mit einigem Abstand am meisten Punkte geholt hat? Das sind Rivalen, und deshalb tut es besonders gut, dass etliche die Situation so beschreiben wie sie ist: Lewis hatte keinen Vorteil und ist der Sieger des GP Belgien 2008 in Spa.

Frage: Haben Sie etwa neue Beweise? Rennleiter Charlie Whiting soll Ihnen ja während des Grand Prix grünes Licht für das Überholmanöver gegeben haben ...

Haug: Die Details werden am Montag in der Verhandlung besprochen, nicht vorab in den Medien, wir bitten dafür um Verständnis.

Frage: Und genau dieser Whiting hat Hamilton später verpfiffen und eine Untersuchung gefordert. Da ist ja wohl einiges schief gelaufen ...

Haug: Wir haben ein exzellentes Arbeitsverhältnis mit Charlie Whiting, ich pflege ein persönlich sehr gutes zu ihm. Er erledigt den sehr schwierigen Job mit Augenmaß und großer Treffsicherheit. An weiteren Spekulationen wird sich unser Haus und unser Team nicht beteiligen.

Frage: Wird McLaren gegenüber Ferrari benachteiligt?

Haug: Wir urteilen nach Fakten und spekulieren nicht. Eine fixe Aussage machen wir dann, wenn sie durch Tatsachen belegt ist. So wie der aus unserer Sicht klipp und klar reglementskonforme Überholvorgang von Lewis Hamilton in Spa.

Frage: Wie gehen Sie damit um, wenn am Ende die Punkte von Spa zum WM-Titel fehlen sollten?

Haug: Das glaube ich erstens nicht, und zweitens will die überwiegende Mehrzahl der Formel-1-Betrachter nicht, dass die WM 2008 so entschieden wird. Nie erhielten wir eine ähnliche Flut von Schreiben, wo dem totalen Unverständnis für das Urteil von Spa Luft gemacht wurde. Sogar von Ferrari-Fans.

Frage: Immer mehr Fahrerkollegen kritisieren Hamiltons Fahrweise. Sind Sie enttäuscht darüber?

Haug: Nein überhaupt nicht. Seine Konkurrenten werden ihn schwerlich loben, die Formel-1-Fahrerkollegen verhalten sich halt nicht wie die vereinten Pfadfinder. Der nächste, der kritisiert werden wird, ist Sebastian Vettel. Kam, sah und siegte gefällt vielen Fahrerkollegen nicht, die das schon jahrelang versuchen. Und ihr Verhalten ist in diesem Fall auch allemal verständlich. Ich würde mich auch nicht gerne überholen lassen.

Frage: Wird Hamilton in Zukunft seinen Fahrstil ändern?

Haug: Dazu gibt es keinen Grund. Er hat in einer Situation in Monza Timo Glock neben sich nicht gesehen. Wenn es so einen Fall gibt, reicht Lewis gerne die Hand. Michael Schumacher war in seiner Formel-1-Karriere übrigens auch nicht gerade wie beim Blumenkorso unterwegs, wenn ich mich richtig erinnere.

Frage: Gerüchte über eine Verschwörung gegen McLaren und gegen Teamchef Ron Dennis machen die Runde. Was sagen Sie dazu?

Haug: Ich sage nie was zu Gerüchten, ich hätte in der Formel 1 sonst den ganzen Tag über nichts anderes zu tun. Wir konzentrieren uns auf das Geschehen auf der Rennstrecke. Da hat Lewis Hamilton in seinen 31 Grand Prix - mit oder ohne den Spa-Sieg übrigens - für uns deutlich mehr Punkte geholt als jeder andere Fahrer im Feld. Das ist ein Fakt und kein Gerücht.

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