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Zeigt sich enttäuscht: WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton © imago

Das FIA-Berufungsgericht zeigte in der Schikanen-Affäre kein Erbarmen. Lewis Hamilton ist den Sieg von Spa endgültig los.

Paris - Lewis Hamilton ist den Sieg beim Formel-1-Rennen in Spa endgültig los.

Das Berufungsgericht des Automobil-Weltverbandes FIA wies am Dienstag nach zweitägiger Verhandlung in Paris den Einspruch von Hamiltons Arbeitgeber McLaren-Mercedes gegen die Zeitstrafe beim Großen Preis von Belgien zurück.

Nach Anhörung Hamiltons, Auswertung der Videobilder und Daten kam das Gremium zu der Ansicht, dass sich der Brite bei dem Rennen am 7. September in Spa durch seine Fahrweise unerlaubt einen Vorteil verschafft hat.

Damit führt Hamilton die WM-Wertung vor dem ersten Nachtrennen der Formel-1-Geschichte am Sonntag in Singapur mit nur einem Punkt Vorsprung vor seinem Erzrivalen Felipe Massa an.

Massa am Grünen Tisch zum Sieger erklärt

Der Ferrari-Pilot aus Brasilien war nachträglich am Grünen Tisch zum Sieger von Spa erklärt worden. Hamilton fiel durch die 25-Sekunden-Zeitstrafe letztlich hinter Massa und BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld (Mönchengladbach) auf Rang drei zurück.

Mercedes-Sportchef Norbert Haug erklärte nach dem Urteil: "Zum Glück bleibt Lewis auch so der WM-Führende, und wir werden weiter versuchen, auf der Strecke so viel zu erreichen, dass die uns in Spa weggenommenen Punkte am Ende nicht die Weltmeisterschaft entscheiden."

"Ex-Fahrer müssen entscheiden"

Auch Formel-1-Experte Jacques Schulz zeigt sich mit dem Urteil unzufrieden. Gegenüber Sport1.de erklärte er: Da muss man sich in der Zukunft überlegen, ob man für diese drei Renn-Kommissare ehemalige Fahrer beschäftigt. Wie zum Beispiel Martin Brundle, David Coulthard, Heinz-Harald Frentzen oder Alexander Wurz. Also Leute, die direkt vom Fach kommen. Die neben der Theorie auch die Praxis mitbringen. Das ist für mich die einzige Lösung, wie man eine solche Komplikation, wie sie in Belgien entstanden ist, von vorne herein verhindern kann."

McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh hatte sich vor Beginn der FIA-Verhandlung noch gelassen gezeigt und seine Überzeugung zum Ausdruck gebracht, dass sein Formel-1-Rennstall im Recht ist.

"Die meisten Leute, die das gesehen haben, sagen, Lewis hat den Sieg verdient und nicht Felipe", sagte Whitmarsh.

Kontroverse Diskussionen

Alles, was man noch tun könne, sei, die Fakten zu präsentieren, sagte Whitmarsh bei seiner Ankunft in Paris: "Wir planen die aberkannten WM-Punkte nicht ein. Wir führen immer noch in der Fahrer-Wertung mit einem Punkt."

Die Strafe gegen Hamilton war kontrovers diskutiert worden. Auch Fachleute hatten ihr Unverständnis zum Ausdruck gebracht. Der dreimalige Weltmeister Niki Lauda hatte die Strafe gar als die "schlimmste Entscheidung in der Geschichte der Formel 1" bezeichnet: "Es ist absolut inakzeptabel, wenn drei Leute die WM in dieser Weise beeinflussen."

Auch der Schweizer Ex-Pilot und heutige Premiere-Experte Marc Surer hatte entsetzt reagiert. "Ich bin schockiert. Die Strafe kam für mich völlig überraschend, denn Lewis hat aus meiner Sicht alles richtig gemacht."

Rosberg hat Verständnis

Konkurrenten aus dem Fahrerlager wie der deutsche Williams-Pilot Nico Rosberg (Wiesbaden) hatten dagegen Verständnis für die Entscheidung gezeigt.

In der Schlussphase des Rennens in Spa hatte sich Hamilton ein packendes Duell mit Weltmeister Kimi Räikkönen (Finnland) geliefert. Dabei hatte Hamilton in einer Kurve zunächst abgekürzt, um so eine Kollision zu vermeiden, ehe er den Ferrari-Piloten Räikkönen wieder passieren ließ.

25-Sekunden-Strafe

In der direkt danach folgenden Kurve setzte Hamilton zu einem erneuten Überholmanöver an und zog an Räikkönen vorbei, der wenig später auf der regennassen Fahrbahn durch einen selbst verschuldeten Unfall ausschied.

Die Rennkommissare hatten Hamilton danach eine 25-Sekunden-Zeitstrafe aufgebrummt mit der Begründung, der Silberpfeil-Pilot habe sich durch das Abkürzen einen Vorteil verschafft.

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