vergrößernverkleinern
Gerhard Berger, Ex-Motorsportdirektor bei BMW, ist Mitbesitzer von Toro Rosso © getty

Im Interview mit Sport1.de spricht Toro-Rosso-Co-Besitzer Gerhard Berger über das F-1-Talent Sebastian Vettel.

Von Andreas Kloo

München - Nur wenige im Formel1-Zirkus kennen Sebastian Vettel so gut wie Gerhard Berger. Seit über einem Jahr fährt der deutsche Shooting-Star für das Toro-Rosso-Team, dessen Co-Besitzer Gerhard Berger ist.

Auch wenn Sebastian Vettel nächste Saison "nur" in einem Red-Bull-Auto sitzt - Berger traut ihm 2009 den Titel zu. "Er hat alle fahrerischen Anlagen dazu", ist sich der Co-Besitzer des Toro-Rosso-Teams im Gespräch mit Sport1.de sicher.

Außerdem kritisiert er das FIA-Urteil in der Hamilton-Affäre.

Sport1.de: Herr Berger, soeben wurde das Urteil gegen Lewis Hamilton in der Schikanen-Affäre verkündet. Was sagen Sie dazu?

Gerhard Berger: Ich habe noch gar nichts gehört. Wie ist das Urteil denn ausgefallen?

Sport1.de: Die Strafe wurde bestätigt, also negativ für Hamilton. Überrascht?

Berger: Überhaupt nicht. Das war zu erwarten.

Sport1.de: Wie ist denn Ihre Meinung dazu?

Berger: Ich muss sagen, dass ich die Szene nicht ganz im Detail gesehen habe. Während des Rennens ist man ja doch mit seinen eigenen Fahrern beschäftigt. Aber generell muss ich sagen, ist mir diese Vorgehensweise zu scharf. In Fällen von Grauzonen ? und bis vor kurzem war das eine Grauzone ? sollte man nicht so streng reagieren. Die Leute wollen Rennen sehen, wollen die Fahrer kämpfen sehen. Darum geht es doch. Aber letztlich ist das das Problem der FIA.

Sport1.de: Welche Auswirkungen hat das Urteil für den Titelkampf? Könnten das die entscheidenden Punkte sein, die Hamilton am Ende fehlen?

Berger: Das glaube ich nicht. Ich denke, der Lewis wird sich die Punkte auf der Strecke wieder zurückholen.

Sport1.de: Sie tippen also auf Hamilton als Weltmeister?

Berger: Es wird sicherlich eng, aber in den letzten Rennen hat sich Hamilton für mich in die Rolle des Favoriten gefahren.

Sport1.de: Wer vor allem im letzten Rennen überzeugt hat, das war Sebastian Vettel mit seinem Sieg in Monza. Ein Großteil der deutschen Formel1-Fans glauben, dass Vettel in naher Zukunft Weltmeister werden kann. Teilen Sie die Meinung der Fans?

Berger: Ja, mit dem richtigen Auto kann er Weltmeister werden. Er hat alle fahrerischen Anlagen dazu.

Sport1.de: Stellt sich die Frage, ob er bei Red Bull im nächsten Jahr das richtige Auto hat. Michael Schumacher beispielsweise meint, eher nicht und rät Vettel zu einem der Top-Teams zu wechseln.

Berger: Das kann man doch jetzt noch gar nicht sagen, wer im nächsten Jahr die Top-Teams sind. Das Reglement ändert sich sehr stark, da kann vieles anders sein. Man sieht, dass wir zur Zeit ziemlich stark sind. Und Red Bull wird im nächsten Jahr einen weiteren Schritt nach vorne machen und mit Sebastian das Auto weiterentwickeln.

Sport1.de: Kurz gesagt, Sie glauben, dass Sebastian Vettel im nächsten Jahr um den Titel mitfährt?

Berger: Auf alle Fälle.

Sport1.de: Über die fahrerischen Fähigkeiten von Sebastian Vettel ist ja nun schon das Meiste bekannt. Sie haben Sebastian Vettel auch als Mensch näher kennen gelernt? Was ist er denn für ein Typ?

Berger: Er ist unheimlich sympathisch, unbelastet und unverdorben. Er hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen und macht clevere Aussagen. Außerdem ist er immer mit Freude und Engagement bei der Sache.

Sport1.de: Fürchten Sie nicht, dass er diese Lockerheit, die ihn momentan auszeichnet, verlieren wird? Der Druck auf ihn wird zunehmen, da die Erwartungen steigen.

Berger: Ich denke, dass er gut damit fertig werden wird. Das hat er doch beim Sieg in Monza gezeigt, wie abgebrüht er ist.

Sport1.de: Als nächste Aufgabe wartet auf ihn das Rennen in Singapur. Glauben Sie, dass ihm die Strecke liegt?

Berger: Ein guter Rennfahrer kommt auf jeder Strecke zurecht.

Sport1.de: Erstmals findet dort ein Rennen unter Flutlicht statt. Stellt das die Fahrer vor zusätzliche Probleme?

Berger: Überhaupt nicht, Skirennen finden seit Jahren unter Flutlicht statt. Also warum nicht auch ein Formel1-Rennen? Nein, da gibt es keine Probleme.

Sport1.de: Klare Worte. Wie schätzen Sie denn ganz allgemein den neuen Kurs ein?

Berger: So genau habe ich ihn mir noch gar nicht angesehen.

Sport1.de: Einige kritisieren im Vorfeld bereits, der Kurs sei langweilig, und man könne nur schwer überholen, ähnlich wie in Valencia.

Berger: Nein, das können wir vergessen. Das ist Schwachsinn. Lassen wir uns einfach überraschen wie es wird.

Sport1.de: Spannend ist auch, wie es bei Toro Rosso weitergeht.

Berger: Ja, das wüssten wir auch gerne.

Sport1.de: Wer ersetzt denn nun Sebastian Vettel?

Berger: Da haben wir uns schon einige Fahrer angesehen, aber eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Sport1.de: Unter anderem haben Sie Sebastien Buemi und Takuma Sato genauer getestet. Hört sich so an, als hätten Sie die beiden nicht überzeugt?

Berger: Sagen wir mal so, wir können noch bei keinem sagen: Der ist es jetzt.

Sport1.de: Was ist mit Bruno Senna?

Berger: Generell ist einfach das Problem, dass wir alle immer mit Sebastian Vettel vergleichen. Da hat es natürlich jeder mögliche neue Fahrer schwer.

Sport1.de: Wann fällen Sie eine Entscheidung?

Berger: Gegen Ende des Jahres. Wir haben ja Zeit.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel