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Adrian Sutil konnte in dieser Saison noch keine WM-Punkte einfahren © getty

Adrian Sutil spricht im Sport1.de-Interview über seine Ziele, einen erfolgreichen Kollegen und seinen Kumpel Lewis Hamilton.

Von Marc Ellerich

München - Für Adrian Sutil ist jedes Formel1-Rennen wie ein Kampf gegen Windmühlen. Mit seinem Force-India-Wagen ist er den anderen Fahrern technisch deutlich unterlegen. Trotz beachtlicher Rennen gelang es ihm deshalb bislang nicht, einen WM-Punkt zu ergattern.

Einen Titel hat er allerdings bereits gewonnen. Die Rasierklingen-Firma Gillette erkor den 25-Jährigen zu ihrem "Future Champion". Für das Unternehmen wirbt der Pilot aus Gräfelfing bei München, der ein begabter Pianist ist, künftig deutschlandweit.

Im Sport1.de-Interview spricht Sutil über die Erfolge seines Landsmanns Sebastian Vettel, über seine eigenen Ziele und über seinen besten Freund im Fahrerlager: Lewis Hamilton.

Sport1.de: Herr Sutil, sind Sie neidisch auf den Kollegen Vettel?

Adrian Sutil: Neidisch eigentlich nicht. Er hat in Monza ein super Rennwochenende gehabt. Das muss man ihm zugestehen.

Sport1.de: War das ein Glückwunsch?

Sutil: Ein Glückwunsch, auf jeden Fall.

Sport1.de: Was hat er, was Sie nicht haben?

Sutil: Das weiß ich nicht. Gut, Toro Rosso hat extrem zugelegt in den letzten Monaten. Sie waren zuletzt immer in den Punkten, und es war nur eine Frage der Zeit, dass sie das Podium angreifen. Unglaublich, Anfang des Jahres waren sie ganz hinten! Das ist natürlich ein großer Faktor, den er hat und ich nicht.

Sport1.de: Sein Sieg ist also gar keine Überraschung für Sie?

Sutil: Doch, auf jeden Fall. Sieg, daran hätte keiner gedacht. Ein Podiumsplatz wäre für mich keine Überraschung gewesen. Aber im Regen, erst die Pole, dann der Sieg. Die Favoriten hatten alle gepatzt, er hatte vorne hinter dem Safety Car seine Ruhe. Perfekt, so ein Moment, wo alles zusammengepasst hat.

Sport1.de: Ist er talentierter als Sie?

Sutil: Jeder Fahrer geht immer davon aus, dass er der beste ist. Keiner wird sagen, der ist besser als ich, der hat mehr Talent. Wenn es so wäre, hätte ich die Größe das zuzugeben. Aber da muss man erstmal gegeneinander fahren im selben Auto.

Sport1.de: Hat Vettel das Zeug zum Weltmeister?

Sutil: Ich denke schon. Wie er das Rennen gewonnen hat, war sehr gut. Er hat das Potenzial dazu. Aber viele in der Formel 1 haben das Potenzial. Auch die übrigen Deutschen sind sehr stark. Die Frage ist am Ende, ob alles zusammenpasst.

Sport1.de: Ist Ihnen in dieser Saison irgendwann der Gedanke gekommen: Ich habe als Formel-1-Pilot auf das falsche Pferd gesetzt. Ich hätte doch Konzert-Pianist werden sollen, wie ich es früher vorhatte.

Adrian Sutil: Nein. Natürlich gab es viele Probleme, aber solche Jahre gibt es. Es waren ja immer wieder gute Rennen dabei, die einem Kraft geben. Manchmal ist man verzweifelt und weiß nicht woran es liegt. Aber dann muss man durchhalten.

Sport1.de: Wann war die Verzweiflung besonders groß?

Sutil: Bei so einigen Rennen. Wenn man mal selbst keinen Fehler macht und wirklich ein Top-Rennen abliefert, und dann geht das Auto kaputt. Da fragt man sich: Warum ist der Herr da oben so ungerecht?

Sport1.de: Sie bestreiten eine sehr harte Saison.

Sutil: Mit kleinen Teams geht man immer durch harte Jahre. Im Sport gibt es nicht immer nur gute Zeiten. Die schlechten Zeiten machen einen bereit für die großen Aufgaben.

Sport1.de: Ist das Ihre Art, wie sie mit Misserfolg umgehen: sich durchbeißen.

Sutil: Manchmal ist es deprimierend, wenn du wirklich eine super Runde hinlegst, und am Ende bist du trotzdem hinten, Platz 16 bis 20. Ich habe mich in diesem Jahr viel geärgert, aber im Nachhinein sage ich: Wäre es anders gelaufen, hättest du nichts gelernt.

Sport1.de: Täuscht der Eindruck, oder stellen sich die ersten Erfolge ein? Spa war ein sehr gutes Rennen mit Platz 13. In Monza waren sie Schnellster im 1. Training.

Sutil: In den letzten Rennen sind wir durchaus sehr nah dran. Wir sind nicht mehr nur das letzte Team, sondern gleichauf mit Honda. Das ist schon ein Schritt.

Sport1.de: Was sind Ihre mittel- bis langfristigen Ziele?

Sutil: Ganz klar: Ich will in der Formel 1 erfolgreich sein und so schnell wie möglich in ein Top-Team aufsteigen. Für ein richtiges Werk zu fahren, das ist der Durchbruch für jeden Formel-1-Fahrer. Und am Ende ist der WM-Titel das große Ziel, die Krone.

Sport1.de: Sie sprechen vom Titel?

Sutil: Man muss sich Ziele setzen. Man kann nicht einfach nur so in der Formel 1 fahren. Jeder hat einen Grund dafür, und das ist der Titel. Aber das wird bestimmt noch dauern. Und dafür braucht man das richtige Auto und das richtige Team.

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