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Lewis Hamilton (r.) ist einer der wenigen Freunde Sutils im Fahrerlager © imago

Adrian Sutil spricht im Sport1.de-Interview über seine Ziele, einen erfolgreichen Kollegen und seinen Kumpel Lewis Hamilton.

Von Marc Ellerich

München - Im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews der Woche spricht Adrian Sutil über das Haifischbecken Formel1, das Rennen in Singapur und die Rücksichtslosigkeit von Lewis Hamilton.

Sport1.de: Vor dieser Saison schien ein Wechsel zu McLaren-Mercedes nicht völlig ausgeschlossen. Gibt es eine ähnliche Option?

Sutil: Dieses und nächstes Jahr bin ich bei Force India. Ende 2009 hoffe ich in einer guten Situation zu sein. Dann werden einige wechseln. Dieses Jahr eher nicht. Ich glaube, am Ende tut sich fast gar nichts. Auch Alonso wird bei Renault bleiben. In den nächsten zwei, drei Jahren würde ich schon sagen: Egal wo, Top-Ten muss sein.

Sport1.de: Um auf sich aufmerksam zu machen, müssten Sie Ihren Teamkollegen Giancarlo Fisichella in die Schranken weisen. Momentan sieht?s nicht danach aus: 9:5 steht es im Qualifying für ihn.

Sutil: Es sind ja noch vier Rennen, da kann ich noch ein 9:9 daraus machen. Ich hatte leider am Anfang große Probleme mit der Umstellung, da habe ich sechs Qualifyings hintereinander verloren. Dieses 6:0 war eine Ohrfeige. Ich habe anfangs viel von ihm gelernt. Die Performance der Reifen muss man auf diese eine Runde konzentrieren, auf diesen Ritt auf der Rasierklinge. Es geht am Ende um eine halbe Sekunde - oder weniger. Seit Monaco ging es endlich bergauf.

Sport1.de: Wie lange kann man so viele Rückschläge aushalten, zwei Jahre, vier Jahre? Wo ist für Sie die Grenze?

Sutil: Ich bin glücklich in der Formel 1. Immer wieder muss man sich das klar machen. Wenn ich die Wahl hätte: Rennen gewinnen in der DTM oder in der Formel 1 einfach nur dabei sein. Da fahre ich zehnmal lieber Formel 1. Die Formel 1 ist einfach mit Abstand die Königsklasse. Ich bin hundertprozentig zufrieden und habe meine Ziele im Kopf. Und die werde ich auch so langsam erreichen.

Sport1.de: Kommt auch mal ein Kollege und muntert Sie auf?

Sutil: Eigentlich hat man fast gar keinen Kontakt. Man sieht sich, hallo, das war?s dann. Keiner gibt einem einen Rat.

Sport1.de: Ein Haifischbecken?

Sutil: Schon. Ich habe guten Kontakt zu Lewis Hamilton, mit ihm rede ich über alles. Das ist aber der Einzige.

Sport1.de: Aber wenn er Weltmeister werden will, muss er auch ein Haifisch sein, oder?

Sutil: Ja, auf jeden Fall. Wir können das immer noch gut trennen. Ist die Frage, ob das immer noch so ist, wenn wir beide um die WM fahren.

Sport1.de: Jetzt steht der Nacht-Grand-Prix in Singapur an. Was erwartet Sie?

Sutil: Ich habe das Layout der Strecke gesehen. Sie sieht sehr gut aus. Ein Nacht-Rennen, ich liebe Asien, das wird sicher ein super Event. Ich habe Bilder gesehen. Direkt am Hafen, das wird sicher wieder ein bisschen Monaco-Feeling. Und die Dunkelheit macht es noch mal besonders.

Sport1.de: Wie bereitet man sich auf einen Kurs vor, auf dem man noch nicht gefahren ist.

Sutil: Die Top-Teams können die Strecke auf Simulatoren üben. Die fahren darauf wie auf der Playstation. Wir haben so etwas leider nicht. Deswegen müssen wir zusehen, dass wir früh da sind, um jede kleine Bodenwelle kennen zu lernen. Es wird schwer. Man fährt raus, muss sich die Strecke anschauen und lernen.

Sport1.de: Das ganz Spezielle an dem Grand Prix ist, dass er abends stattfindet. Birgt das Gefahren?

Sutil: Ich glaube, die Strecke wird sehr gut ausgeleuchtet. Ich habe auf Videos gesehen, wie hell es ist. Es sollte keine Probleme geben. Alle Faktoren wurden berechnet, zum Beispiel dass man keine Schatten sieht. Ich bin gespannt, ob es geklappt hat. Es ist sicher nicht so wie in Le Mans, wo man mit Licht bei Dunkelheit durch den Wald rast.

Sport1.de: Wann sehen wir Ihren ersten Sieg?

Sutil: Schwer zu sagen. Man kann es einfach nicht vorhersehen. Bestes Beispiel ist Toro Rosso. Niemand hätte gedacht, dass die jetzt da vorne sind. Wenn?s klappt, kann es schnell gehen. Wenn es nicht klappt, geht es wie bei Toyota und man braucht Jahre.

Sport1.de: Vorher wird allerdings noch der Weltmeister 2008 gekürt. Ihr Tipp?

Sutil: Lewis Hamilton. Letztes Jahr ist er ganz knapp gescheitert, daraus hat er gelernt. Er fährt sehr starke Rennen im Moment, keine Frage. Er ist sehr gut drauf, hundert Prozent auf sein Ziel fokussiert.

Sport1.de: Manche sagen, er fährt rücksichtslos.

Sutil: So fährt er immer, das ist seine Art. Er ist sehr schnell, macht super Zweikämpfe, aber auch rücksichtslos. Manchmal drängt er einen raus, aber immer im legalen Bereich. Es ist ein fairer Fahrer, aber wenn er seine Chance sieht, nutzt er sie.

Sport1.de: Sind Sie brutal genug, um Formel-1-Weltmeister zu werden?

Sutil: Ich denke schon. Ich bin immer sehr risikobereit. Wenn ich eine Lücke sehe, nutze ich sie. Auf jeden Fall.

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