Nach Robert Enkes Selbstmord blickt Wolfgang Kleine auf tragische Sportgrößen zurück, die keinen Sinn im Leben mehr sahen.

Fragen über Fragen! Als die Nachricht vom Tode des Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke am Dienstagabend auf dem Fernsehschirm erschien, wollte ich das erst gar nicht glauben. Ich musste mehrmals hinschauen.

Was ist da geschehen? Ist es die Folge seiner bakteriellen Krankheit, war der erste Gedanke. Doch dann wurde klar: Robert Enke hat mit 32 Jahren auf den Bahnschienen in der Nähe von Neustadt Selbstmord begangen.

Doch die Fragen blieben: Was trieb so einen Mann, einen erfolgreichen Sportler, in den Suizid? Waren es "nur" die Depressionen?

Hat Enke den tragischen Tod seiner damals zweijährigen Tochter Lara im Jahr 2006 nie bewältigen können? Das sind Fragen, die wohl erst später beantwortet werden können.

Das sind aber auch Fragen, die für andere Sportler gelten. Athleten, die Geld, Ruhm und Ehren einheimsten. Athleten, die nicht selten daran auch zerbrachen.

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Athleten, die aber auch durch einen tragischen Zwischenfall völlig aus der Bahn gerieten. Da ist der belgische Radprofi Dimitri De Fauw. Er nahm sich am 6. November 2009 mit 28 Jahren das Leben.

Seit einem tragischen Unfall im Jahr 2006 soll De Fauw unter Depressionen gelitten haben. Er war beim Sechstagerennen in seiner Heimatstadt Gent mit dem Spanier Isaac Galvez kollidiert. Der starb kurz darauf an den Folgen der erlittenen Verletzungen.

De Fauw, der jüngst noch mit seinem dänischen Partner Marc Hester beim Sechstagerennen in Grenoble Siebter wurde, hat den Unglücksfall nie richtig bewältigen können. Da ist der frühere Beachvolleyball- und Basketball-Star Mike Whitmarsh.

Der US-Amerikaner hatte im Sport die Sonnenseiten des Lebens kennen gelernt und genossen. 1996 gewann er im Sand Olympia-Silber in Atlanta.

Zuvor war Whitmarsh in der Basketball-Profiliga NBA für die Portland Trail Blazers und die Minnesota Timberwolves sowie in der Bundesliga für ALBA Berlin erfolgreich aktiv. Mit 46 geriet das Leben des Sport-Millionärs außer Kontrolle.

In der Garage seines Freundes nahm sich Whitmarsh durchs Einatmen von Autoabgasen das Leben. Er hinterließ eine Frau und zwei Kinder. Da ist der französische Mountainbike-Fahrer Christophe Dupouey. Der Weltmeister von 1998 litt jahrelang unter Depressionen und nahm sich das Leben.

Er war 2006 in eine Dopingaffäre verwickelt und wurde verurteilt. Enke, De Fauw, Whitmarsh und Dupouey. Sie hatten alle eines gemein: Für sie war die letzte Handlung ihres Lebens eine Verzweiflungs-Tat.

Doch es gab auch Fälle von populären Sportlern, die möglicherweise Opfer eines schleichenden Selbstmordes wurden. Die auch durch Drogen-, Doping- und Medikamenten-Missbrauch ums Leben kamen.

Sie alle hatten ihrem eigenen Erwartungsdruck und dem der Öffentlichkeit nicht standgehalten. Da ist Florence Griffith-Joyner, die immer noch schnellste Frau der Welt. Sie starb am 21. September 1998 mit 38 Jahren in Los Angeles an einem Schlaganfall.

Die Leichtathletik stand nach ihrem Tod unter Schock. Experten stritten sich danach, ob der ihr nachgesagter Dopingmissbrauch die Ursache war. Da ist Uwe Beyer. Sein Tod am 15. April 1993 löste auch bei mir Entsetzen aus.

Der Bronzemedaillen-Gewinner im Hammerwerfen bei den Olympischen Spielen in Tokio 1964 starb mit 48 an einem Herzinfarkt beim Tennisspielen. Der blonde Hüne Uwe Beyer hatte nicht nur als Leichtathlet großen Bekanntheitsgrad, er spielte auch den Siegfried im Nibelungen-Film.

Nie zuvor war ein Werfer so umfangreich in den Schlagzeilen der Medien gegenwärtig. Seine spätere Doping-Beichte sorgte nach dem plötzlichen Tod für Diskussionen unter den Experten, die einen Zusammenhang zwischen dem Missbrauch und dem Tod sahen.

Da ist Ralf Reichenbach. Der Kugelstoß-Riese und Vize-Europameister von 1974 erlag 13. Februar 1998 mit nur 47 Jahren einem Herzversagen. Auch er hatte zugegeben, Dopingmittel genommen zu haben.

Nach dem Tod von Florence Griffith-Joyner fand der große Carl Lewis die richtigen Worte: "Vermutungen hin Vermutungen her. Niemand geht ganz. Sie war eine große Athletin. So bleibt sie in meiner Erinnerung. Ich bin unendlich traurig."

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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