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Viel Unruhe in der Formel 1: Die Startaufstellung für 2010 steht längst nicht fest © imago

Eine turbulente Saison liegt hinter der Königsklasse. Doch auch der Blick nach vorne lässt viel Unruhepotenzial erkennen.

Von Marc Ellerich

München - Auf den ersten Blick, so scheint es, hat die Formel 1 ihr Krisenjahr 2009 erfolgreich gemeistert. Der Rennkalender für das kommende Jahr steht, der umstrittene FIA-Präsident Max Mosley ist Geschichte, und auch das Starterfeld für 2010 scheint festgezurrt.

Doch ist es wirklich so makellos, das neue Gesicht der Königsklasse 2010

Fest steht: Zwei Wochen nach dem Saisonfinale auf der spektakulären Strecke in Abu Dhabi sind viele Fragen ungeklärt. Und ob tatsächlich alles so kommen wird, wie geplant und angekündigt, darf durchaus bezweifelt werden.

Sport1.de beleuchtet die größten Problemfelder der höchsten PS-Liga:

Teams

Beschlossen ist die Erweiterung des Starterfelds auf 13 Teams. Abgesichert werden soll diese Aufstockung durch die Aufnahme der Neulinge Campos, Manor, US-F1 und Lotus 113830(DIASHOW: Das Starterfeld 2010). Doch ob 2010 wirklich 26 Boliden ihre Motoren heulen lassen werden, ist völlig offen. Im schlimmsten Fall droht sogar eine Halbierung des Kontingents 149801(DIASHOW: Das Fahrerkarussell).

Experten bezweifeln, dass die Fans 2010 überhaupt einen der neuen Rennställe zu Gesicht bekommen werden. Die Finanzierung ist bei jedem der vier Neulinge das Problem Nummer 1, auch weil die von FIA-Boss Max Mosley geplante Budget-Obergrenze am Protest der Team-Vereinigung FOTA zerschellte.

Der nächste Problemherd: Der Rückzug des Toyota-Teams aus der Königsklasse kurz nach dem Saisonfinale böte theoretisch dem BMW-Nachfolger Sauber-Ferrari (Qadbak) die Chance auf den Verbleib in der Formel 1. Doch so sehr sich die Verantwortlichen in den letzten Wochen auch um einen gesicherten Startplatz bemüht haben, von der FIA und Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone ernteten sie nichts als Schweigen. Was bleibt, ist große Unsicherheit über den Fortbestand des Teams: Hintergrund: Nur bei einer Startplatz-Garantie für das kommende Jahr tritt der Vertrag zwischen BMW und Qadbak überhaupt in Kraft.

Doch damit nicht genug: Auch hinter weiteren Rennställen stehen große Fragezeichen. Was zum Beispiel wird aus Renault Gehen die Franzosen, bleiben sie, liefern sie ab 2010 nur noch Motoren, das sind die Fragen.

Der Konzern sendet widersprüchliche Signale aus: Einerseits soll der spanische Doppel-Weltmeister und künftige Ferrari-Pilot Fernando Alonso durch Top-Fahrer Robert Kubica ersetzt werden. Fast im selben Moment aber heizt der Konzern neue Spekulationen an.

Nach einer Vorstandsitzung im Oktober ließ sich Renault-Chef Carlos Ghosn mit dem vieldeutigen Satz zitieren: "Wir werden hinsichtlich unserer Teilnahme an der Formel 1 noch in diesem Jahr eine Bekanntgabe machen."

Sorgen bereitet den Formel-1-Machern auch die Zukunft des WM-Neunten Force India. Schon während der Saison gab es Gerüchte, die Inder würden nicht bis zum Ende des Jahres durchhalten. Das Fachblatt "Motorsport-aktuell" berichtet, das Team von Adrian Sutil hätte derart hohe Schulden, dass die Gläubiger jederzeit die Insolvenz einleiten könnten. Womöglich muss die Kündigung des Deutschen bei Force India in neuem Licht betrachtet werden.

Stets klamm sind im Übrigen auch das englische Privat-Team Williams und die Red-Bull-Schwester Toro Rosso.

Strecken

Auch hier liegt vieles im Argen. So erschüttert die Meldung über den Millionenverlust der legendären Rennstrecke in Spa-Franchorchamps die Formel-1-Szene. Die Zukunft des Lieblings-Grand-Prix vieler Piloten ist nicht nur wegen der Geldprobleme unsicher, auch die Anwohner laufen gegen die Ardennen-Strecke seit Jahren Sturm.

Fraglich ist ebenfalls, ob es 2010 noch einen britischen Grand Prix geben wird. Ausgerechnet im Land der Weltmeister Jenson Button und Lewis Hamilton gerät die Sicherung der Formel-1-Zukunft zur Chaos-Veranstaltung. Ursprünglich wollte Zampano Bernie Ecclestone den unmodernen Grand Prix in Silverstone zugunsten der Strecke in Donington abschaffen. Doch den Streckenmachern dort ging das Geld aus - das Aus für Donington. Nun soll - um überhaupt einen Grand Prix auf der Insel zu haben ? doch wieder die von Ecclestone so gehasste Strecke im "Home of British Racing" in Silverstone einspringen.

Führung

Die Kontinuität im eitlen Motorsport-Zirkel scheint gesichert: Max Mosley hat den Stab an den bekannten und mutmaßlich berechenbaren Jean Todt übergeben und so den finnischen Revoluzzer Ari Vatanen - auch im Sinne von Formel-1-Mogul Ecclestone - von den Schalthebeln der Macht ferngehalten.

Doch gerade deshalb wandelt Todt auf einem schmalen Grad. Die Teams, die deutliche Sympathien für Vatanen hegten, werden genauestens beäugen, ob und wieweit Todt die Politik des ihnen verhassten Mosley fortsetzt. Umgekehrt werden Mosley und Ecclestone, die Todt stark protegiert haben, vom früheren Ferrari-Teamchef den Lohn für ihre Unterstützung einfordern.

Sein Ferrari-Stallgeruch könnte für den Franzosen ebenfalls zum Problem werden - auch weil im Machtgezerre des Sommers bekannt wurde, dass den Italienern vom Weltverband in der Vergangenheit ein Vetorecht in Sachen Formel 1 eingeräumt worden war. Distanziert sich Todt nicht eindeutig genug von der Scuderia, sind Angriffe der restlichen Formel-1-Starter programmiert.

Erste Unruhe gab es bereits: Laut "Motorsport-Total" rief Todts Vorhaben, das Thema Formel 1 in die Hände des Briten Alan Donnelly zu legen, Unmut bei den Rennställen hervor. Donnelly begleitet seitens der Teams der Verdacht, er habe diese im verbissenen sommerlichen Machtkampf zwischen Mosley und FOTA spalten wollten. Es wird nicht der letzte Vorwurf gewesen sein, dessen sich der neue FIA-Chef erwehren muss.

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