vergrößernverkleinern
Schumi mit Felipe Massa und Kimi Räikkönen 2006 in Hockenheim © getty

Michael Schumacher stärkt Weltmeister Kimi Räikkönen den Rücken. Die Frage nach der Nr. 1 bleibt bei Ferrari vor Singapur offen.

Von Marc Ellerich

München - "Um Kimis Psyche braucht man sich keine Sorgen machen. Den bekommt man nicht aus der Ruhe, wenn er gewinnt. Und du kriegst ihn auch nicht aus der Ruhe, wenn er mal verliert."

Sätze aus berufenem Munde, und das Lob wird dem "Iceman" gut tun - so er denn überhaupt davon erfährt.

Doch zumindest in den Medien stieß es auf großen Widerhall, dass sich Michael Schumacher für den finnischen Weltmeister derart stark gemacht hat.

Sympathie für Massa

Ausgerechnet Schumacher, der nach seinem Karriereende zwar als Teilzeit-Berater bei Ferrari wirkt, aber in der Scuderia nicht unbedingt als Freund des Schweigers aus Espoo gilt.

Der siebenmalige Weltmeister sympathisiert ansonsten nämlich lieber mit seinem ehemaligen Schüler, dem derzeitigen WM-Zweiten Felipe Massa.

Der Brasilianer, der vor dem Nacht-Grand-Prix von Singapur (1. Training, Fr., 13 Uhr LIVE) nur einen Punkt hinter dem Führenden Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes liegt, bekommt von Schumi Tipps, manchmal telefonierten die beiden.

Wichtiges Auto vorne

Nicht zuletzt deswegen bedankte sich Massa zuletzt bei seinem früheren Kollegen mit den Worten, dieser sei für ihn wie ein älterer Bruder.

Nun revanchierte sich Schumacher in einem Gespräch mit "Autor, Motor und Sport" mit dem Satz, in Monza sei Ferrari "mit einem Auto vor Hamilton ins Ziel gekommen, und zwar mit dem wichtigen".

Zur Erinnerung: Beim Heimspiel der Roten parkte Massa die "rote Göttin" auf Platz sechs, einen Rang vor dem englischen Rivalen. Räikkönen kam als Neunter ins Ziel.

Motivationsschub fürs Team

Die Aussage spricht also wohl doch dafür, dass der Deutsche in seiner Zuneigung nicht plötzlich in Richtung "Iceman" umgeschwenkt ist, sondern seinem früheren Rennstall vor der heißen Phase der Saison nochmals einen Motivationsschub verleihen wollte.

Denn Fakt ist: In Monza ergatterte die Scuderia lediglich drei Punkte. Der Weltmeister wartet seit dem Grand Prix von Budapest auf WM-Zähler und seit dem Rennen von Barcelona im April gar auf einen Sieg.

Wichtiger noch: Ferrari ist vor allem deshalb noch im WM-Rennen, weil die FIA den stürmischen Hamilton wegen seines unbotmäßigen Überholmanövers in Spa einbremste.

Fragile Lage

Auch Schumacher hat die fragile Lage der Roten längst registriert: "Wir haben schon Baustellen." Insbesondere Räikkönens Aussichten auf die Titelverteidigung seien "sehr schwierig".

Der Finne selbst gibt sich wie immer stoisch, wenn auch nicht mehr so zuversichtlich wie vor dem italienischen Rennen: "Das Wichtigste ist, wieder zu gewinnen."

Doch auch er hat erkannt, dass sein zweiter Titel fast nur noch theoretisch möglich ist: "Es hängt jetzt nicht mehr nur von meinen Resultaten ab, sondern auch von denen meiner Gegner."

Die Frage nach der Nr. 1

Was die seit langem brodelnde Frage aufwirft, wer im Saisonfinale in dem italienischen Team Koch ist und wer Kellner.

Räikkönen weigert sich seit Wochen standhaft, Massa seiner uneingeschränkten Unterstützung zu versichern, wie der Mann aus Sao Paulo dies im Vorjahr tat.

Auch Teamchef Stefano Domenicali will offenbar immer noch nicht alle verfügbaren Kräfte auf den in den vergangenen Jahren häufig unkonstanten Massa setzen. Er sagte vor den letzten vier Rennen des Jahres, beide Fahrer würden im Saisonfinale für die Ziele des Teams arbeiten.

Montezemolos Auftrag

Die immerhin sind klar formuliert. Ferrari-Zampano Luca di Montezemolo höchstpersönlich schwor den Rennstall vor Singapur ein.

"Kimi und Felipe haben von Präsident Montezemolo den Auftrag erhalten, für Ferrari beide Titel zu gewinnen", offenbarte Domenicali.

Doch eine Hackordnung, die dabei behilflich sein könnte, scheint bei den Roten ungewisser denn je.

Zum Forum: Jetzt mitdiskutieren!

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel