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Nico Rosberg und Co. müssen in Singapur gegen den Uhrzeigersinn fahren © imago

Die Nacht-Premiere von Singapur zieht bereits nach dem ersten Freien Training die Fahrer und Verantwortlichen in ihren Bann.

Singapur - Die schnellsten Nachtschwärmer der Welt haben in Singapur ihre Fans auf Anhieb begeistert.

Gleich der erste Trainingstag unter Flutlicht für die Nacht-Premiere der Formel 1 am Sonntag mit den Titelkandidaten Lewis Hamilton und Felipe Massa an der Spitze hat alle Erwartungen übertroffen.

"Ein Meilenstein in der Geschichte der Formel 1 - ohne Zweifel", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug: "Ich finde Singapur liefert auf Anhieb die atmosphärisch besten Formel-1-Bilder, die die Welt je gesehen hat."

In einem gleißend hellen Lichtband schlängelt sich die Strecke durch die nächtliche Skyline der asiatischen Millionen-Metropole. Die einzigartige Atmosphäre des 800. Rennens der Formel-1-Geschichte zog auch gleich die Fahrer in ihren Bann.

"Wir bekommen sicher Kopfschmerzen"

"Es macht hier sehr viel Spaß. Das ist mehr ein Stadtkurs als Valencia und noch herausfordernder", meinte BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld: "Das Licht ist das kleinste Problem. Nach ein paar Runden fällt es nicht mehr auf, dass es Nacht ist." Sein Chef Mario Theissen sprach von einem "spektakulären Umfeld".

Williams-Pilot Nico Rosberg, als Sechster vor Heidfeld (9.) und Timo Glock (10.) bester Deutscher, erklärte: "Es macht eine Menge Spaß, hier zu fahren. Es ist ein bisschen schwieriger, etwas zu sehen, aber das ist kein Problem. Aber die Strecke ist so wellig, da bekommen wir sicher Kopfschmerzen."

Monza-Sieger Sebastian Vettel landete diesmal auf Rang 13., sein Toro-Rosso-Chef Gerhard Berger war aber trotzdem begeistert: "Das war eine große Show für die Fans."

Doch nicht jeder war derart begeistert: Red-Bull-Pilot David Coulthard schimpfte laut "Bild" über den welligen Parcours: ""Es ist wie auf einem Feldweg bei einer Rallye. Immerzu Schläge."

Hamilton vor Massa

Keine Sichtprobleme vermeldete der britische WM-Spitzenreiter Hamilton im McLaren-Mercedes, der sich mit acht Hundertstelsekunden Vorsprung vor seinem Titelrivalen Massa aus Brasilien im Ferrari die historische erste Nacht-Bestzeit sicherte.

"Es ist eine großartige und spektakuläre Atmosphäre. Ich habe einen guten ersten Eindruck von der Strecke. Sie ist wellig, bietet aber guten Grip", sagte er. In der Gesamtwertung hat er vor dem 15. von 18 WM-Läufen einen Punkt Vorsprung vor Massa (78:77).

"Deswegen haben wir es ja gemacht"

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, der ausnahmsweise sogar während des Trainings durch die Boxengasse schlenderte, durfte sich zufrieden die Hände reiben. "Ich bin gespannt darauf, wie es im Fernsehen aussieht. Deswegen haben wir es ja gemacht", hatte er noch kurz vor der ersten nächtlichen Ausfahrt der Königsklasse gesagt.

Nachtrennen seien die Zukunft der Formel 1, meinte der 77 Jahre alte Brite: "Da, wo es nötig ist, wie in diesem Teil der Welt. Ganz sicher."

Der Start des ersten Rennens im Stadtstaat ist am Sonntag um 20.00 Uhr Ortszeit, so dass der 15. von 18 WM-Läufen in Mitteleuropa wie gewohnt um 14.00 Uhr im Fernsehen zu sehen ist (Qualifying ab 15.45 Uhr LIVE ). Die Strecke wird von 1500 Lampen taghell ausgeleuchtet, viermal so hell wie in einem Fußballstadion.

Regen in Singapur?

"Es wird sehr eindrücklich und ein ganz neues Erlebnis sein, mittags um zwei in Deutschland im Fernsehen ein Formel-1-Rennen mitten in der Nacht live zu beobachten", meinte Haug, der sich für die Zukunft aber weiter eine gesunde Mischung wünscht: "Es wäre sicher falsch, jetzt nur noch nach Nachtrennen zu rufen."

Zumal auch in Singapur eine Frage noch offen ist: Was passiert, wenn es - wie so nah am Äquator durchaus möglich - regnet? Dann könnte sich in der nassen Strecke das Flutlicht spiegeln und die Fahrer irritieren. Am Freitagmorgen hatte in Singapur noch ein heftiger Wolkenbruch für teilweise überflutete Straßen gesorgt. Auch für das Wochenende sind Gewitter vorhergesagt, die Regenwahrscheinlichkeit wird mit bis zu 50 Prozent angegeben.

Glock, der während seiner Zeit in der US-Cart-Serie im Oval von Las Vegas schon einmal nachts gefahren ist, hatte zu Beginn des Trainings als erster Fahrer mit mehreren schnellen Runden am Stück die Zuschauer unterhalten. In seiner letzten Runde fuhr er sich bei einem Dreher an einer Mauer aber noch den Frontflügel ab.

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