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Felipe Massa wird in Singapur seinen 102. Grand Prix absolvieren © getty

Beim Nachtrennen in Singapur will der Brasilianer die Führung in der WM übernehmen und Lewis Hamilton von der Spitze stoßen.

Von Julian Meißner

München - Die Königsklasse steht vor der Wachablösung: Bei Dunkelheit und drückender Hitze plant Routinier Felipe Massa in Singapur die Entmachtung des Youngsters Lewis Hamilton.

Massa kündigte am Samstag ein "wirklich sehr wichtiges Rennen für die Formel 1" an, nachdem er beim 15. Grand Prix des Jahres in überragender Manier auf die Pole-Position gerast war.

"Wenn ich das Rennen gewinnen würde, würde ich mich noch fantastischer fühlen, als es jetzt nach dem Qualifying schon der Fall ist", so der 27-Jährige vor dem ersten Nachtrennen der Formel-1-Geschichte (Sonntag, 13.45 Uhr LIVE). Ihm sei bei der Zeitenjagd die "perfekte Runde" gelungen.

Massa Favorit im ersten "Endspiel"

Nach der Bestätigung der Strafe für Hamilton in Spa trennt ein magerer Zähler die beiden in der Weltmeisterschaft (78:77 Punkte) bei noch vier ausstehenden Rennen.

Mit einem Sieg übernähme Massa unabhängig von Hamiltons Abschneiden die Spitze des Tableaus.

Das erste von vier Rennen steht an, die Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug als "Endspiele" bezeichnet und deren zwei Teilnehmer mittlerweile so gut wie feststehen.

WM wird zum Zweikampf

Am Samstag manifestierte sich in den Straßenschluchten von Singapur der Eindruck der vergangenen Rennen, dass der Brasilianer Massa und der Brite Hamilton derzeit die stärksten Fahrer im Klassement sind. BMW-Sauber-Pilot Robert Kubica (64 Punkte) folgt in der WM auf Rang drei schon mit gebührendem Abstand.

Das Qualifying entwickelte sich dann auch zum Schlagabtausch der beiden WM-Favoriten, die so unterschiedliche Lebensläufe vorzuweisen haben.

Auf der einen Seite Massa, dem als ewiger Adjutant und Schüler Michael Schumachers schon jegliche Titelambitionen abgesprochen wurden.

Auf der andere Seite der einstige Shooting-Star und Saubermann Hamilton, der letztes Jahr in seiner Debütsaison so unglücklich die WM verspielte und mittlerweile ob seiner rücksichtslosen Art im Fahrerlager mehr respektiert denn geschätzt wird.

Haug: "Drei Kreuze machen"

Nicht wenige hätten sich wohl ins Fäustchen gelacht, hätte Hamilton in Singapur tatsächlich das dritte und entscheidende Qualifying-Segment verpasst.

Nur das pure Glück bewahrte den 23-Jährigen vor diesem Schicksal, wie auch Haug bekennen musste: "Wir können drei Kreuze machen."

Als Zehnter hatte sein Schützling ein frühzeitiges Ausscheiden gerade noch vermieden, wobei ihm der Italiener Jarno Trulli tatkräftig zur Seite stand - der Toyota-Pilot verpasste die Chance, den WM-Leader aus den Top Ten zu verbannen.

Vier Deutsche in einer Reihe

Unter den besten Zehn befinden sich beim 800. Rennen der Geschichte auch vier Deutsche. Darunter ist Monza-Sieger Sebastian Vettel, der mit seinem Toro Rosso von Rang sechs auf die Punkteränge schielt.

Hinter ihm folgen drei Landsmänner: Timo Glock (Toyota/7), Nico Rosberg (Williams/8) und Nick Heidfeld (BMW-Sauber/9).

Heidfeld bestraft

Erst die Strafversetzung Heidfelds wegen Behinderung Rubens Barrichellos sorgte für diese Startaufstellung. "Ich ärgere mich unheimlich, weil man hier kaum überholen kann", fluchte Heidfeld.

Aus genanntem Grund fürchtet Hamilton wie Heidfeld eine "Prozessionsfahrt", an deren Ende die Ablösung des McLaren-Piloten als Führender in der Weltmeisterschaft steht.

Dennis und das Rufen im Walde

"Mal sehen, wer morgen zuerst an die Box kommen muss", meinte McLaren-Teamchef Ron Dennis und machte seinem Schützling Hamilton Mut.

"Die Strecke ist sehr knifflig. Da kann eine Menge passieren - und Punkte gibt es bekanntlich nur für das Rennen", so Dennis. Massa meinte sogar, der Kurs sei "wesentlich schwieriger" als die legendäre Strecke in Monaco.

Dennoch: Der Brasilianer alleine hat es am Sonntag in der Hand, die Führung an sich zu reißen.

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