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Zum ersten Mal überhaupt fand im Stadtstaat Singapur ein Formel-1-Rennen statt © getty

Das erste Nachtrennen in der F-1-Geschichte ist in Singapur über die Bühne gegangen. Jetzt will der F-1-Boss weitere Nachtspektakel.

Singapur - Egal ob Team-Chefs, Funktionäre, Fahrer oder Presse: Angesichts der fantastischen TV-Bilder aus dem südostasiatischen Stadtstaat überschlagen sich die Beteiligten regelrecht in Lobeshymnen.

"Die Kronjuwelen der Formel 1", titelte die "Straits Times" in Singapur. "Warum nicht? Das ist doch mehr oder weniger jetzt schon so", sagte Bernie Ecclestone, der Erfinder dieses Spektakels.

Auch die eher konservative Londoner "Times" schwärmte nach der gelungenen Premiere des ersten Nachtrennens der Geschichte.

"Mehr Glitzer, mehr Glanz als je zuvor. Singapur lässt den glamourösesten Sport überhaupt in 1000 Lichtern strahlen. Wie eine funkelnde Halskette eine schöne Frau anhimmelt, liegt die Strecke im spektakulären Zentrum von Singapur", schrieb das Blatt.

Lob von allen Seiten

Das Fahrerlager stimmte in die Lobeshymnen mit ein.

"Das ist das Beste, was ich in meinem Leben je gesehen habe. Es gab in meinem ganzen Formel-1-Leben noch keinen Grand Prix wie diesen", sagte der dreimalige Weltmeister Niki Lauda

"Ich habe Bernie gratuliert. Was er hier geschafft hat, schlägt alles, was er bisher gemacht hat", meinte Keke Rosberg, Weltmeister von 1982 und Vater des Williams-Piloten Nico Rosberg:

"Ich finde es fantastisch. Ich glaube, die Leute in Melbourne werden sehr traurig sein, wenn sie das hier sehen. Sie hatten das ja abgelehnt. Singapur war mutiger."

Genugtuung für Ecclestone

Das sah auch Ecclestone so.

"Sie waren couragiert genug, es zu wollen. Es gab viel Kritik, aber ich hoffe, dass sie jetzt für alles entschädigt werden", lobte der 77 Jahre alte Brite.

75 Millionen Euro jährlich lässt sich Singapur die Formel 1 kosten, sagte der stellvertretende Wirtschaftsminister S Iswaran.

Ecclestone plant weitere Nachtrennen

Das Spektakel und das viele Lob haben Ecclestone jetzt motiviert, weitere Nachtrennen in der Königsklasse einzubauen. Da bieten sich vor allem die Rennen in Asien wegen der Zeitverschiebung und der günstigeren Sendezeiten in Europa an.

Der Formel-1-Boss hat da die Rennen in Japan und Kuala Lumpur im Sinn. Ecclestone zum TV-Sender "BBC": "Auf jeden Fall in diesem Teil der Welt. Wir versuchen es in Japan ebenso hinzubekommen." Nach Japan sollen Kuala Lumpur und weitere Austragungsorte folgen. Dabei soll auch der Monaco-GP sein, der sich als Stadtrennen anbieten würde.

Große Investitionen

20 Millionen Euro kostete alleine das neue Boxengebäude, geschätzte 25 Millionen beträgt die Antrittsprämie, und mehr als 5 Millionen verschlang die gigantische Lichtanlage, die das Rennen einzigartig macht.

Im Gegenzug erwartet der Stadtstaat jährliche Zusatzeinnahmen von 50 Millionen Euro, die Differenz teilen sich zu 40 Prozent der Veranstalter und zu 60 Prozent der Staat, der aber als Gegenleistung am Sonntag die Aufmerksamkeit von bis zu 500 Millionen Formel-1-Fans auf der ganzen Welt bekam.

"Das Rennen ist jeden einzelnen Singapur Dollar wert", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug:

"Es ist der beste Weg, auf sich aufmerksam zu machen. Singapur liefert die besten Formel-1-Bilder, die die Welt je gesehen hat."

Heidfelds Lieblingsstrecke

Ähnlich zufrieden war auch BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen.

"Das ist das spektakulärste Formel-1-Umfeld, das ich je gesehen habe. Man kann den Hype hier in Singapur richtig spüren."

Sein Pilot Nick Heidfeld erklärte die Piste spontan zu seiner Lieblingsstrecke in dieser Saison.

"Ecclestone hat alles richtig gemacht"

Ex-Rennfahrer Gerhard Berger, heute bei Toro Rosso Chef von Jungstar Sebastian Vettel, freute sich über ein Riesen-Spektakel:

"Es scheint so, dass Bernie Ecclestone alles richtig gemacht hat", sagte er.

Sein früherer Kollege Christian Danner sah das anders. "Die Regierung von Singapur hat alles falsch gemacht, erst jetzt diesen Grand Prix zu machen", sagte er:

"Das ist ein Highlight, sowas wie hier findet man sonst nirgendwo in ganz Asien."

Reizvolles Spektakel

Für ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk hat "das Nacht-Thema seinen Reiz".

Er brach aber auch eine Lanze für Traditionsstrecken wie den Nürburgring, wo er für die Ausrichtung des Grand Prix 2009 zuständig ist:

"Es ist ja nicht neu, dass in Europa Strecken anders strukturiert sind. Natürlich stehen hier Mittel zur Verfügung, die wir nicht haben."

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