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Da nahm das Debakel seinen Lauf: Felipe Massa beim Tanken © getty

Felipe Massa fällt beim spektakulären Nacht-GP von Singapur tief, nimmt aber das Team und seinen Pannen-Mechaniker in Schutz.

Von Julian Meißner

Singapur/München - In der Hitze der Nacht erlebten am Wochenende zwei Fahrer ein echtes Wechselbad der Gefühle: Felipe Massa und Fernando Alonso.

Während der Spanier am Samstag noch mit seinem Schicksal haderte, weil ihn ein Hydraulik-Defekt im Qualifying gestoppt hatte, schwang er sich im Rennen völlig unerwartet zum umjubelten Sieger empor.

Massa dagegen war nach der Quali überglücklich über seine triumphal herausgefahrene Pole Position, nach dem Rennen war er jedoch nur noch ein Häufchen Elend.

Alonso und die alte Liebe

Alonso, der im sonst hoffnungslos unterlegenen Renault auf dem engen Stadtkurs seine ganze Stärke ausspielen konnte, feierte den ersten Sieg seit seiner Rückkehr zur "Equipe jaune".

"Ein fantastisches Ergebnis", jubelte der Doppel-Weltmeister, der vor der Saison im Streit von McLaren-Mercedes zu seiner alten Liebe zurückgekehrt war.

Motivation für Briatore und Co.

"Ich werde bestimmt einige Tage brauchen, um zu verstehen, was wir heute erreicht haben. Diesen Grand Prix zu gewinnen, schien gestern völlig unmöglich, weil wir im Qualifying unser großes Potenzial nicht ausspielen konnten. Heute hatten wir dafür etwas Glück, und ich freue mich sehr für das Team", so Alonso.

Und Ziehvater Flavio Briatore lobte: "Ein grandioser Sieg für uns und für Fernando. Dies ist nach zwei schwierigen Jahren ein sehr wichtiges Ergebnis für Renault, das uns bei der Vorbereitung auf 2009 sehr hilft und uns motiviert."

Unfassbare Panne

Massa dagegen musste nach der Zieldurchfahrt als 13. sichtlich um Fassung ringen. Der Brasilianer hatte vor dem Flutlicht-Spektakel nur einen Punkt hinter McLaren-Mercedes-Pilot Lewis Hamilton gelegen.

Aufgrund einer schier unfassbaren Panne bei seinem ersten Boxenstopp jedoch wurde nichts aus dem Plan, die Führung in der WM zu übernehmen.

Nach einem heftigen Crash von Alonsos Teamkollegen Nelson Piquet jr. drängelten sich die Fahrer während einer Safety-Car-Phase in der Boxengasse. Massa ging zum Tanken, dicht gefolgt vom zweiten Ferrari mit Kimi Räikkönen am Steuer - was offensichtlich einen Mechaniker etwas nervös machte.

"Menschliches Versagen"

"Ich sah die grüne Ampel und fuhr los. Es war menschliches Versagen", beschrieb Massa die Szene, in deren Folge er den Tankschlauch bis ans Ende der Boxengasse mitschleifte.

Bis das Dilemma gelöst war, war das Rennen verloren - zumal Massa für die Aktion auch noch mit einer Durchfahrstrafe belegt wurde.

Kein Vorwurf an den Mechaniker

"Es ist schwer zu verkraften, auf diese Art ein Rennen zu verlieren, das wir eigentlich im Griff hatten", meinte Massa.

Dem Mechaniker wollte er jedoch keinen Vorwurf machen: "So etwas passiert. Wir sind alle Menschen und wir können alle Fehler machen. Ich will den Kerl jetzt aufbauen und motivieren. Wir müssen in den letzten drei Rennen zusammenhalten."

Das wird nötig sein, will Massa den nun auf sieben Punkte enteilten Hamilton noch abfangen.

Rosberg trumpft auf

Von den chaotischen Verhältnissen im nächtlichen Singapur profitierte Nico Rosberg, der mit dem zweiten Platz sein bestes Karriereergebnis landete.

Der junge Deutsche wirkte nach der zweistündigen Hitzeschlacht bei 28 Grad Celsius und extremer Luftfeuchtigkeit fast zu erschöpft, um sich richtig zu freuen.

War er nach seinem dritten Platz beim Saisonauftakt in Melbourne seinem Kumpel Hamilton noch um den Hals gefallen, ging er es in Singapur weit ruhiger an.

Hamilton lacht sich ins Fäustchen

Auch Hamilton, der am Ende Platz drei ohne großes Risiko nach Hause fuhr, freute sich im Stillen.

Die Ferrari-Katastrophe, die Räikkönen mit seinem späten Unfall komplettierte, kam dem alten und neuen WM-Leader natürlich denkbar gelegen.

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