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Nico Rosberg liegt in der WM auf Rang zwölf (17 Punkte), sein Team auf acht (26) © getty

Vier deutsche Piloten stellen in Singapur einen Punkterekord ein. Drei haben Großes vor, einer muss um die Zukunft bangen.

Von Julian Meißner

Singapur/München - Als beim Saisonauftakt in Melbourne mit Nico Rosberg, Nick Heidfeld und Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes zwei deutsche Fahrer und ein britisch-schwäbischer Hersteller das Podium stürmten, machte schnell der Begriff der "Formel deutsch" die Runde.

Nach dem sensationellen Auftakt ins Formel-1-Jahr flaute diese Euphorie zwar auch schnell wieder ab - spätestens in Singapur erlebten die Fans jedoch die Renaissance der deutschen Dominanz.

Mit dem Zweiten Rosberg, Timo Glock auf Rang vier, Monza-Sieger Sebastian Vettel auf fünf und Nick Heidfeld auf sechs landeten erstmals in der Geschichte vier Fahrer aus dem Mutterland des Automobils unter den sechs bestplatzierten Fahrern bei einem F-1-Grand-Prix.

"Die Deutschen haben sich hier prächtig geschlagen - bei einem wirklich schwierigen Rennen, vielleicht dem schwierigsten der Saison", fasste Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug das gute Gesamtergebnis zusammen.

Sein McLaren-Silberpfeil steht nun an der Spitze beider Weltmeisterschafts-Wertungen.

Punkterekord eingestellt

Die deutschen Fahrer stellten mit insgesamt 20 Punkten einen exakt fünf Jahre alten Rekord ein. Am 28. September 2003 hatten Michael Schumacher, Heinz-Harald Frentzen und Ralf Schumacher in Indianapolis mit den Plätzen eins, drei und fünf die gleiche Punktzahl erzielt.

Mehr Zähler hatten zuletzt vor 16 Jahren die Franzosen Rene Arnoux, Alain Prost, Didier Pironi und Patrick Tambay 1982 in Le Castellet geholt (22).

Einzig Adrian Sutils später Ausfall in Singapur trübte die deutsche Bilanz etwas.

"Ein sehr erfreuliches Ergebnis. Die zwei Ausländer muss man wohl dulden", sagte Ex-Weltmeister Keke Rosberg angesichts des Drittplatzierten Hamilton und des Siegers Fernando Alonso.

Rosberg erwartet Schub

Schwer beeindruckend war die Leistung seines 23-jährigen Sohnes Nico. Der fuhr in seinem 50. Rennen in der Königsklasse zum zweiten Mal aufs Podest und erzielte mit dem zweiten Rang das beste Ergebnis seiner noch jungen und vielversprechenden Karriere.

Erstaunlich gelassen und ohne größere Jubelstürme nahm er sein Werk zur Kenntnis. Immerhin sagte der Wiesbadener, der dem kleinen Williams-Rennstall immer wieder die Treue schwört: "Dieses Ergebnis ist toll für das ganze Team und gibt uns einen riesigen Schub für den Winter und das nächste Jahr."

Kein Befreiungsschlag für Heidfeld

Für Routinier Heidfeld war es in erster Linie wichtig, seinen Teamkollegen Robert Kubica (Platz 11) in die Schranken zu verweisen - von einem Befreiungsschlag für den zuletzt in der Kritik stehenden Mönchengladbacher kann dennoch keine Rede sein.

Obwohl er sich "im Grunde nicht beschweren" könne, ärgerte sich "Quick Nick", dass er keine Chance hatte, "meinen wahren Speed zu zeigen."

Das Problem: "Mein Auto war sehr gut, und ich hätte viel schneller fahren können, wenn ich nicht ständig im Verkehr festgesteckt hätte."

Glock nimmt Fahrt auf

Während Heidfelds Zukunft bei BMW-Sauber weiter in den Sternen steht, könnte in Zukunft Toyota-Pilot Timo Glock weiter für Furore sorgen.

"Anfang des Jahres war mein Ziel, in dieser Saison 20 Punkte zu holen", so der Odenwälder völlig erschöpft nach dem schweißtreibenden Rennen bei tropischen Temperaturen: "Ich bin sehr zufrieden, dass ich dies nun schon erreicht habe, da noch drei Rennen zu fahren sind."

Sein Manager Hans-Bernd Kamps lobte: "Timo hat hier in Singapur gezeigt, dass er den nächsten Schritt nach vorne gemacht hat, und er konnte die Zeiten der Toppteams mitgehen."

In die gleiche Kerbe schlug auch Toyota-Teampräsident John Howett: "Bei einem jungen Fahrer dauert es eben ein bisschen, sich an ein Formel-1-Auto zu gewöhnen, an den Renningenieur, an die Arbeitsweise. Wir waren aber schon immer sicher, dass Timo schnell und ein guter Racer ist", erklärte der Brite gegenüber "Motorsport-Total.com".

Vettel mit besten Aussichten

Die größten Chancen auf eine erfolgreiche Zukunft werden jedoch gemeinhin Shooting-Star Vettel eingeräumt, der seinen Sensationserfolg von Monza bestätigte.

Formel-1-Impresario Bernie Ecclestone, der für das nächtliche Spektakel in Singapur Lob von allen Seiten erntete, meinte im "Kicker": "Ich habe schon letztes Jahr gesagt: Da habt ihr den kommenden Champion!"

Der 21-jährige Hesse sei ein "junger, schneller, sympathischer Bursche", Ecclestone geriet richtig ins Schwärmen: "Alles um rund um ihn ist so gut und positiv."

Auch dem Herrscher über die Formel 1 dürfte nicht übersehen haben, dass der deutsche Einfluss in seinem Zirkus auch nach Michael Schumachers Karriereende auf dem Höhepunkt ist.

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