vergrößernverkleinern
Felipe Massa hat beim letzten Saisonrennen in Brasilien ein Heimspiel © getty

Die gebeutelte Ferrari-Crew leckt ihre Wunden. Trost kommt von Michael Schumacher, der "Iceman" ist nun offiziell Wasserträger.

Von Julian Meißner

Singapur/München - Am Tag nach dem katastrophalen Rennen von Singapur leckt die Scuderia Ferrari ihre Wunden.

Aufgrund des völlig verpatzten Boxenstopps Felipe Massas, bei dem sich der WM-Zweite zusätzlich eine Bestrafung einhandelte, und des Unfalls von Kimi Räikkönen waren die Roten beim ersten Nachtrennen der Formel-1-Geschichte am Sonntag in Singapur leer ausgegangen.

"Leider wurde ein Fehler gemacht", sagte Teamchef Stefano Domenicali zu der spektakulären Aktion, bei der Massa zu früh losfuhr und die halbe Tankanlage samt einem Mechaniker mitriss. Domenicali stellte klar: "Es war kein elektronisches System, sondern handgesteuert."

"Jeder kann Fehler machen"

Im Gegensatz zu den anderen Teams verwendet Ferrari keinen "Lollipop", mit dem das Signal zum Weiterfahren gegeben wird, sondern eine Ampel, die von einem Techniker bedient wird.

Dessen Versagen stürzte Massa in tiefe Frustration, Schuldzuweisungen wollte der Brasilianer aber nicht machen. "Wir sind alle nur Menschen, jeder kann Fehler machen. Ich bin nicht der Typ, der jetzt den Mechaniker angreift", sagte er.

Trost von Schumi

Trost bekam Massa von seinem einstigen Lehrmeister, dem siebenmaligen Weltmeister Michael Schumacher: "Es gibt noch genügend Rennen, um das wieder aufzuholen", sagte der Ferrari-Berater auf seiner Homepage.

Massa hatte sich jedoch nach seinem Sturm auf die Pole-Position am Samstag große Hoffnungen gemacht, McLaren-Mercedes-Pilot Lewis Hamilton schon in Singapur als WM-Leader abzulösen.

Aus dem "Nightrace" wurde jedoch ganz schnell ein "Nightmare", wie Massas Renningenieur Rob Smedley unmittelbar nach dem Rennen bei "Premiere" konstatierte.

Hätte, wäre, wenn...

Massa selbst klagte: "Wir hatten einen fantastischen Speed und hätten das Rennen auf den Plätzen eins und zwei beenden können. Wir hätten Erster in der WM sein können." Letzteres trifft sowohl auf die Fahrer- als auch die Team-Wertung zu.

So aber hat Hamilton in der populäreren Einzelwertung sieben Punkte Vorsprung auf den Brasilianer. Im Lager der Silberpfeile will man die Patzer der Konkurrenz natürlich gnadenlos ausnutzen.

Hamilton taktiert

McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh stellte klar, dass "unverzeihliche" Fehler wie im letzten Jahr nicht mehr vorkommen dürften.

Damals hatte man den sicher geglaubten Titel noch verspielt. "Wir hatten nicht die Disziplin und haben zuviel Druck gemacht, wo es gar nicht nötig war. So gewinnt man keine Meisterschaften, das hat das letzte Jahr gezeigt. Während dies bei Lewis als Debütant noch zu entschuldigen ist, ist es das für das Team nicht", so die klaren Worte von Whitmarsh.

Hamilton jedenfalls hat aus früheren Fehlern gelernt, ließ sich in Singapur nicht zu unüberlegten Manövern hinreißen.

Der frühere Formel-1-Pilot Christian Danner sagte anerkennend: "Hamilton hat immer angekündigt, mit Köpfchen fahren zu wollen, jetzt hat er es tatsächlich getan. Er hat so viel Vorsprung, dass er nur noch zu Ende fahren muss."

"Iceman" als Wasserträger

Unterdessen hat "Iceman" Räikkönen die Weltmeisterschaft für sich selbst abgeschrieben und muss sich bei Ferrari nun endgültig mit der Rolle des Wasserträgers für Massa zufrieden geben. "Die Chancen waren sowieso schon ziemlich klein", antwortete der Weltmeister auf die Frage nach seinen Ambitionen.

Räikkönen weiter: "Ich weiß, was das Team will. Sie wollen die Weltmeisterschaft gewinnen." Das klingt zwar nicht, als werde Räikkönen alles daran setzen, seine Crew bei diesem Wunsch zu unterstützen.

"Weiß, was er zu tun hat"

Genau das fordert jedoch Teamchef Domenicali: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass er weiß, was er zu tu hat. Er wird kämpfen, weil er ein Teil dieses Teams ist. Daran habe ich keinen Zweifel."

Die Roten richten ihren Blick nun auf den Japan-Grand-Prix am kommenden Wochenende in Fuji.

"Wir sind motiviert und freuen uns darauf, in Japan wieder anzugreifen", meinte Domenicali und kündigte angesichts dreier noch ausstehender Rennen an: "Wir können in jedem dieser Rennen die ersten beiden Plätze holen. Wir haben das Potenzial dazu, unsere Ziele sind klar definiert."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel