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Max Mosley (l.) war von 1993 bis Oktober 2009 Präsident der FIA © imago

Trotz der Aufhebung der lebenslangen Sperre glaubt der Brite nicht, dass das letzte Wort im "Fall Briatore" gesprochen ist.

Von Sebastian Binder

München ? Die lebenslange Verbannung Flavio Briatores aus der Formel 1 ist vorläufig aufgehoben und die Reaktionen auf das vermeintliche "Skandal-Urteil" lassen nicht lange auf sich warten.

Nun rechtfertigt der ehemalige FIA-Präsident Max Mosley das harte Vorgehen des Automobil-Verbands gegen den Italiener: "Die Vorstellung, dass wir sagen: 'Oh, das passt schon' ist einfach undenkbar", sagte der Brite gegenüber der "Times".

"Das wäre das Ende der Glaubwürdigkeit der Formel 1, denn man kann sich einfach kein schwerwiegenderes Betrugsbeispiel vorstellen als das, was in Singapur geschehen ist."

"Briatore wird nicht davonkommen"

Im Gegensatz zum Gericht in Paris hält Mosley die Verbannung des Lebemanns aus der Königsklasse nicht für rechtswidrig: "Wenn wir jemanden für das, was Briatore und Pat Symonds getan haben, nicht bestrafen können, dann stehen der gesamte Sinn und die Grundlage der FIA in Frage - das betrifft schließlich das Herz der Sicherheit, der Fairness und sämtliche fundamentalen Punkte unserer Aktivität."

Auch dass das letzte Wort in der brisanten Affäre schon gesprochen ist, kann sich Mosley beim besten Willen nicht vorstellen: "Es wäre doch verrückt, wenn das das abschließende Ergebnis wäre."

Für den 69-Jährigen ist eine harte Bestrafung Briatores die einzig richtige Vorgehensweise: "Die Idee, dass Briatore letztendlich davonkommt, sobald sich der Staub erst einmal gelegt hat, ist Wunschdenken. Das wird nicht passieren." 152665(DIASHOW: Briatores Karriere)

Schuldfrage weiter ungeklärt?

Die Verwicklung des damaligen Renault-Chefingenieurs Symonds bezweifelt Mosley nicht, allerdings hält er nach wie vor Briatore für die treibende Kraft hinter der "Crashgate"-Affäre.

"Symonds hätte das niemals ohne die Erlaubnis von Briatore getan - niemals", ist sich der Brite sicher.

Zudem stellte der gelernte Jurist Mosley klar, dass die Aufhebung der Verbannung nicht bedeutet, dass Briatore schuldlos ist: "Man darf nicht vergessen: Das Gericht hat nicht befunden, dass er nicht schuldig ist. Den Richtern hat schlicht und ergreifend unsere Vorgehensweise nicht gepasst."

Dass Briatore nach dem Freispruch nun sogar gerichtlich gegen die Familie Piquet vorgehen will, macht Mosley wütend: "Das ist nur Geschwätz und Prahlerei vor der italienischen Presse. Wenn er gegen die Piquets antritt, wird es eine Gegenklage geben, die ihm die Tränen in die Augen treibt. Er sollte glücklich sein, wenn die Piquets nicht ihn verklagen."

"Untersuchung war unabhängig"

Außerdem weist der 69-Jährige Vorwürfe zurück, wonach er das Verfahren gegen Briatore benutzt habe, um seinen "Intimfeind" abzusägen: "Die Unterstellung, ich hätte ihm das alles eingebrockt, ist kompletter Blödsinn", echauffiert sich Mosley.

"Die gesamte Untersuchung wurde vollkommen unabhängig von den Stewards durchgeführt, wobei außenstehende Anwälte die Oberaufsicht hatten. Ich selbst war einzig und alleine beim Weltrat involviert."

Irvine stänkert gegen Mosley

Diese Ansicht teilen allerdings nicht alle Formel-1-Kenner.

Eddie Irvine, jahrelang Pilot bei Ferrari und Teamkollege von Michael Schumacher, äußerte sich gegenüber "ESPN" anders: "Max Mosley ist ein cleverer Bursche und er hat die Formel 1 so geleitet, als wäre sie sein Privatbesitz. Ich glaube, da standen persönliche Themen deutlich mehr im Vordergrund, als die Leute vielleicht denken."

Königsklasse unter Generalverdacht

Irvine geht sogar noch einen Schritt weiter und stellt die komplette Königsklasse unter Generalverdacht: "Bis zu einem gewissen Grad hat doch jeder in der Formel 1 betrogen. Wir alle haben es an einem bestimmten Punkt getan."

Der Nordire begründet diese Äußerung dahingehend, dass es auch Betrug sei, wenn "ein Pilot im Rennen dazu aufgefordert wird, zur Seite zu fahren und seinen Teamkollegen passieren zu lassen."

Dass zwischen einem solchen Manöver und dem absichtlichen Herbeiführens eines Unfalls ein Unterschied liegt, sieht allerdings auch Irvine ein: "Jemanden auf die Strecke zu schicken, damit er verunfallt und das Safety-Car auf den Plan ruft, ist vielleicht ein Schritt zu weit."

"Formel 1 braucht Flavio"

Dennoch hofft Irvine, der seine Formel-1-Laufbahn 2002 bei Jaguar beendete, dass Briatore irgendwann in die Königsklasse zurückkehrt: "Die Formel 1 braucht Persönlichkeiten und Flavio war großartig für den Sport. Es spricht doch für sich, dass er in diesem Sport möglicherweise der berühmteste Kerl war, nachdem Michael zurückgetreten war - und Flavio war ein Teamchef."

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