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Mausert sich in seiner zweiten Formel-1-Saison zum Top-Favoriten: Lewis Hamilton © getty

Lewis Hamilton dominiert die Konkurrenz beim Deutschland- Grand-Prix und sieht sich selbst "über dem Limit". Für Erleich- terung sorgen Timo Glock und Nick Heidfeld. Ferrari betreibt Schadensbegrenzung.

München/Hockenheim - Die Entschuldigung von Ron Dennis kam umgehend. "Sorry, Lewis. Wir haben es dir heute schwer gemacht", funkte der McLaren-Teamchef in den Kopfhörer seines Schützlings im Silberpfeil.

Lewis Hamilton hatte soeben seinem Team erstmals nach Mika Häkkinen 1998 wieder einen Sieg beim Heimspiel in Hockenheim beschert. In überlegener Manier fuhr der 23-jährige Brite von der Pole-Position zu seinem vierten Saisonerfolg, womit er die WM-Wertung nun mit vier Punkten vor Felipe Massa (Ferrari) anführt.

"Kein Problem", jauchzte Hamilton entsprechend ausgelassen nach der Zieldurchfahrt in Richtung seines Bosses ins Funkgerät.

Taktikfehler ohne Folgen

Die Entscheider an der McLaren-Box hatten ihn während einer Safety-Car-Phase im Gegensatz zum Gros seiner Konkurrenten nicht an die Box geholt und damit einen sicher geglaubten Sieg noch einmal gefährdet.

Dass der alleinige WM-Spitzenreiter nun als Favorit auf den Titel gelten muss, ist Hamiltons Nervenstärke, seiner fahrerischen Qualität und dem Potenzial seines Autos zu verdanken.

Keine falsche Bescheidenheit

"Ich wusste, dass ich über dem Limit fahren muss, und genau das tat ich", meinte Hamilton wenig bescheiden über seine in der Tat außerordentliche Leistung.

"Lewis war überirdisch schnell", lobte auch Mercedes-Motorsportdirektor Norbert Haug, nachdem sein Fahrer Konkurrent Massa zehn Runden vor Schluss in der Haarnadelkurve überholt und sich wieder an die Spitze des Feldes gesetzt hatte.

Wenig später war auch der Überraschungszweite Nelson Piquet junior im Renault leichte Beute für Hamilton.

Schadensbegrenzung bei Ferrari

Schon vor dem Rennen führte Hamilton die WM an, aber punktgleich mit den Ferrari-Piloten Massa und Kimi Räikkönen.

Die beiden betrieben vor den Augen von Edelberater Michael Schumacher in Baden mit den Plätzen drei und sechs nur Schadensbegrenzung.

Schumi: "Hamilton war zu stark"

Immerhin leisteten sie sich nicht eine der von Ferrari-Patron Luca Di Montezemolo mittlerweile strengstens verbotenen "Dummheiten", wie sie dem Team zuletzt in Silverstone unterlaufen waren, und fuhren die Punkte sicher nach Hause.

"Die Stabilität war schlecht und ich hatte ein Problem mit den Bremsen", klagte Massa: "Ich hatte kein Auto, mit dem ich hätte kämpfen können. Ich habe es versucht, aber es war heute nicht möglich."

Auch Schumacher musste anerkennen: "Hamilton war heute einfach zu stark."

Glock-Crash ohne schwerwiegende Folgen

Für große Erleichterung sorgte die Entwarnung aus dem Toyota-Lager nach dem schweren Unfall Timo Glocks.

Er war in Runde 35 mit einer gebrochenen Radaufhängung an seinem Boliden rückwärts bei hohem Tempo in die Boxenmauer eingeschlagen, konnte das völlig zerstörte Auto aber aus eigener Kraft verlassen.

"Timo ist in Ordnung, es gibt keine körperlichen Anzeichen einer Verletzung", teilte Toyota mit, nachdem der 26-Jährige im Krankenhaus untersucht worden war.

Erleichterung bei "Quick Nick"

Erleichtert war auch Nick Heidfeld, der trotz schlechten Qualifyings noch von Platz zwölf auf vier vorfuhr und so nicht nur Punkte in der WM sondern auch im teaminternen Duell gegen Robert Kubica (Platz sieben) sammelte.

"Ich bin froh, dass ich den Fans etwas bieten konnte, die ich im Qualifying enttäuscht habe", so Heidfeld, der von einem "klasse Heimrennen" sprach. "Es fällt mir schwer, nach einem solchen Rennen glücklich zu sein", meinte dagegen Kubica.

"Vettels bestes Rennen"

Der deutsche Youngster Sebastian Vettel (Toro Rosso) war mit seinem achten Platz hoch zufrieden.

Schließlich habe man den Punkt aus eigener Kraft erreicht, so Vettel: "Das macht mich stolz. Seit Teamchef Franz Tost lobte: "Das war bisher das beste Rennen von Vettel".

Julian Meißner

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