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Bernie Ecclestone schaut grimmig
Kein Freund gemeinschaftlicher Entscheidungen: Bernie Ecclestone © getty

Der Formel-1-Boss stellt klar, dass das umstrittene Reglement bleibt - zunächst. Die FOTA diskutiert Pflichtstopps und Reifenfrage.

Von Julian Meißner

München - Millionen gebannte Zuschauer vor den Fernsehern, ekstatische Fans an der Strecke: So sieht die Vision der Formel-1-Macher von einer erfolgreichen Königsklasse aus.

Doch trotz des hochkarätig besetzten Fahrerfeldes startete die neue Saison mit einem gähnend langweiligen Rennen, die Fans sind erst einmal vergrätzt. So sieht die Realität aus.

Dennoch wird das Reglement nach dem unspektakulären Auftakt (213022Bilder), der weit hinter den turmhohen Erwartungen zurückblieb, zunächst bestehen bleiben. Das stellte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone klar.

"Man kann die Regeln nicht ändern. Das würde viel zu lange dauern. Das ist zu schwierig", sagte der 79-jährige Brite in der "Bild" und fügte fast hämisch an: "Die Formel 1 ist jetzt eine Demokratie. Und alle Teams haben für die Regeln gestimmt, also müssen sie damit auch zurecht kommen."

Fahrer unzufrieden

Nach der Prozessionsfahrt von Bahrain hatten sich mehrere Teamchefs für eine Modifikation des Reglements stark gemacht. Auch die Piloten hatten sich nicht gerade begeistert gezeigt. "Da war nichts los", meinte Adrian Sutil: "Das einsamste Rennen meines Lebens." (SERVICE: Das Rennergebnis)

Lewis Hamilton protokollierte: "Du startest mit viel Benzin, machst einen Stopp und fährst dann mit dem Zug ins Ziel. Das war's".

Die aufgrund des Tankverbots bleischweren Autos sind kaum am Limit zu bewegen, will man sich nicht die Reifen zerstören. Sebastian Vettel, einer der angriffslustigsten Fahrer im Feld, erklärte: "Das schlägt sich auf die Rundenzeit nieder. Man darf nicht zu viel attackieren."

Noch drastischer drückte sich Vettels Teamkollege Mark Webber aus. "Ich war geschockt, wie schwer es ist zu überholen", sagte er dem "Daily Telegraph": "Ich habe 48 Runden damit verbracht, in die Getriebe erst Schumachers und dann Buttons zu starren. Es gab nichts, was ich hätte tun können, um sie zu überholen. Ich habe alles versucht: Verschiedene Linien, Druck machen, alles."

FOTA-Bosse tagen

Trotz Ecclestones vorläufiger Absage an eine Adaption der Regeln konferieren am Dienstag die Vertreter der Teamvereinigung FOTA, um das Thema zu diskutieren.

"Es wäre schlecht, wenn wir nicht reagieren würden", sagte Mercedes-GP-Geschäftsführer Nick Fry gegenüber "Autosport": "Ich denke, wir haben ein Rennen gesehen, das weit entfernt war vom aufregendsten, das es je gab. Jetzt müssen wir überlegen, was wir tun können."

Denkbar wären zwei verpflichtende Boxenstopps oder eine Änderung des Reifenreglements.

Zwei Pflichtstopps in der Diskussion

"Technische Änderungen sind sehr schwer umsetzbar und zu teuer. Ich glaube aber, wir sollten uns mit Bernie und der FIA sowohl die technische als auch die sportliche Seite anschauen und überlegen, was wir ändern können", sagte Fry.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner schlägt in die gleiche Kerbe: "Ich glaube, das Problem bei dieser Art Rennen ist, dass wir Gefahr laufen, immer nur einen Boxenstopp zu haben. Wir sollten darüber nachdenken, ob wir zwei Pflichtstopps einführen."

17 Mann für vier Räder

Es sei "lächerlich", so Vettels Chef, "dass die Jungs wie verrückt für nur einen Stopp trainieren."

Nach der Abschaffung der Tankstopps stehen nun pro Halt 17 Mann Gewehr bei Fuß, nur um die Reifen zu wechseln. Mit ihren hochgerüsteten Schlagschraubern brauchen die Mechaniker dafür teilweise weniger als drei Sekunden.

Positionskämpfe in der Boxengasse beschränkten sich in Bahrain jedoch auf ein Minimum. Und die eigentliche Action soll ja auch auf der Strecke stattfinden.

Extremere Reifen gefordert

Waghalsige Manöver waren auf dem Wüstenkurs nicht zu sehen - auch weil sich beide Reifenmischungen als recht haltbar erwiesen. "Wir brauchen einen Supersoft-Reifen, der wirklich wehtut", forderte McLaren-Boss Martin Whitmarsh.

Ecclestone ist jedoch weit entfernt davon, ins Reglement einzugreifen. "Kein Grund zur Panik, die Formel 1 hat keine Krise", führte er gegenüber britischen Medien aus: "Wir befinden uns in einer Serie von vier Überseerennen. Also warten wir ab, wie die Teams sich anpassen und bewerten die Situation nach China neu."

Ecclestone optimistisch

Auf den Saisonauftakt in Bahrain folgen der Große Preis von Australien in Melbourne, der Malaysia-Grand-Prix in Kuala Lumpur sowie das angesprochene Rennen in Schanghai.

Ecclestone, der den PS-Zirkus bereits seit den 70er Jahren leitet, beruft sich auf Erfahrungswerte: "Das erste Rennen mit neuen Regeln hatte schon immer eine Lerneffekt für alle. Nun wissen sie, dass sie Verbesserungen anbringen und etwas forscher sein können."

"Dann bekommen wir auch mehr Action", ist der geschäftstüchtige Ex-Gebrauchtwagenhändler sicher.

Ex-Formel-1-Pilot und TV-Experte Christian Danner hält die ganze Diskussion ebenfalls für überflüssig: "Bereits zu meiner Zeit hat es manchmal weniger spannende Rennen gegeben. Das ist normal und gehört dazu." Es sei wie beim Fußball: "Da kann man die Spiele auch nicht künstlich spannend machen."

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