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Im Vorjahr siegte Hamilton (l.) in Fuji, Massa wurde Sechster © getty

Nervenkitzel in Fernost: In Japan kann bereits eine Vorentscheidung im Titelzweikampf zwischen Hamilton und Massa fallen.

Von Manuel Krons

München - Bevor die Formel-1-Piloten am Wochenende in Fuji wieder in ihren 600-PS-Boliden Gas geben dürfen (Sa., Quali 6.35 Uhr LIVE), mussten sie in Fuji zunächst die Rolle der Öko-Aktivisten schlüpfen.

Bei einer gemeinsamen Umweltinitiative der FIA und Bridgestone gab die versammelte Fahrer-Elite wertvolle Energiespar-Tipps rund ums Automobil.

"Ich nutze öffentliche Verkehrsmittel", gestand etwa McLaren-Mercedes-Pilot Lewis Hamilton und witzelte, dass eine U-Bahn-Fahrt in London allerdings nur mit Kapuzenjacke und angeklebtem Schnauzbart möglich sei.

Rivale Felipe Massa mahnte dazu, stets den Reifendruck zu messen, und Teamkollege Kimi Räikkönen appellierte an die Öffentlichkeit, nicht mit zu voll beladenen Autos zu fahren.

Woche der Entscheidung

Vor der heißesten Phase der Saison erscheinen die PR-Statements der Vollblut-Racer allerdings etwas unpassend. Beim 16. von 18 Rennen kann am Sonntag bereits die Vorentscheidung in der Weltmeisterschaft fallen. Eine Woche später in Shanghai könnte der WM-Sieger schon feststehen.

Dass die Reifen der Boliden in Japan mit grünen Rillen versehen werden, mag daher ein netter Öko-Gag sein, aber nicht das was Fahrer und Fans derzeit am meisten umtreibt.

"Ich hasse es auf Punkte zu fahren"

Spitzenreiter Hamilton hat sich nac hdem vergeigten Titelkampf 2007 für das Saisonfinale eine "Ruhig-Blut-Strategie" auferlegt. "Im vergangenen Jahr habe ich die Erfahrungen gemacht, wie es ist, wenn man jedes Rennen gewinnen will und sich dabei nicht auf die Meisterschaft konzentriert", so der 23-Jährige. "Ich hasse es auf Punkte zu fahren, aber ich sehe im Moment die Vorteile dieser Herangehensweise."

Mit sieben Punkten Vorsprung auf Verfolger Felipe Massa (77) ist Hamilton (84) im Gegensatz zur Ferrari-Konkurrenz nicht zum Siegen verdammt.

Schon in Singapur schaute der Brite aus sicherem Abstand zu, wie sich die Roten durch eigene Fehler aus den Punkterängen kegelten. Hamilton strich dank Platz drei sichere sechs Punkte ein und baute seine Führung aus.

"Ferrari keine Trottelmannschaft"

Dass die Scuderia den Silbernen auch in Fuji derart in die Karten spielen könnte, glaubt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug indes nicht: "Das amtierende Weltmeisterteam ist keine Trottelmannschaft, sondern hat nur bewiesen, wie dicht Triumph und Niederlage in der Formel 1 zusammenliegen."

Als Konsequenz will man beim Team aus Maranello in den letzten drei Rennen den zuvor verbannten Lollipop reaktivieren. "Ich glaube es ist die richtige Entscheidung", findet WM-Kandidat Massa.

Massa hofft auf Räikkönens Hilfe

Ferrari setzt der abwartenden Strategie des McLaren-Teams die eigene Zuversicht entgegen. Im letzten Jahr haben die Roten im Schlussspurt bewiesen, dass es sich lohnt, bis zum letzten Moment zu kämpfen.

"Wir haben immer noch alle Chancen. Das ist das Wichtigste", sagte Massa, der in Japan auch auf die teaminterne Hilfe des bereits abgeschlagenen Weltmeisters Räikkönen hofft. "Wir brauchen jeden im Team. Mich, Kimi, die Ingenieure - jeder ist wichtig."

"Kimi kann es noch schaffen"

Konkurrent Hamilton hingegen sieht den "Iceman" trotz 27 Punkten Rückstand noch nicht geschlagen: "Es sind noch 30 Zähler zu vergeben - er kann es also noch immer schaffen. Und im vergangenen Jahr ist ihm das gelungen. Das darf man nicht vergessen", erinnerte Hamilton.

Gelänge Räikkönen in diesem Jahr tatsächlich die Wiederholung seines Überraschungs-Triumphs, sollte Hamilton ernsthaft über einen Schnauzbart und eine Kapuzenjacke nachdenken.

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