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Felipe Massa bestritt 104 GP-Rennen in der F1. Zehnmal fuhr er zum Sieg © getty

Der Rammstoß seines Verfolgers verärgert nicht nur McLaren-Pilot Hamilton. Auch seine Vorgesetzten wettern gegen die Attacke.

Von Manuel Krons

München - Lewis Hamilton war stinksauer.

Wutentbrannt stürmte der WM-Leader nach seiner punktlosen Vorstellung beim Japan-Grand-Prix aus dem McLaren-Mercedes Motorhome. Keine Interviews. Nur schnell weg von hier und dieses unglückselige Rennen vergessen.

Doch die Flucht des 23-Jährigen endete jäh auf dem Beifahrersitz seiner S-Klasse. Papa Anthony redete neben dem Fahrzeug stehend auf seinen im Auto schmollenden Sohn ein.

Nach kurzer Unterredung kehrte Hamilton junior zur Vernunft und zur wartenden Journalisten-Schar zurück. Aber seine Wut war noch längst nicht verflogen.

"Ich habe einen Fehler gemacht"

Dabei wusste man nicht, ob sich Hamilton mehr über seine eigene Rüpelhaftigkeit beim Start ärgerte oder über den gegen ihn gerichteten Rammstoß seines WM-Rivalen Felipe Massa.

Ersteres brachte ihm eine Durchfahrtstrafe ein, die Attacke des Ferrari-Piloten einen folgenschweren Dreher.

"Ich habe einen Fehler gemacht und dafür bezahlt", sagte der Zwölftplatzierte über sein Überholmanöver gegen Kimi Räikkönen in der ersten Kurve.

Doch das Rambo-Manöver von Räikkönens brasilianischem Teamkollegen in Runde zwei machte nicht nur den WM-Spitzenreiter wütend: "Er hat mich hart gerammt", stellte Hamilton klar.

Wut bei McLaren-Mercedes

Dass Massa für den vermutlich rennentscheidenden Rempler ebenfalls nur eine Durchfahrtsstrafe erhielt, entlockte den Verantwortlichen bei Silber noch weitaus heftigere Reaktionen: "Felipe Massa muss einsehen, dass wir hier kein Rodeo spielen", urteilte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug: "Der war komplett abseits der Strecke und ist dem Lewis in die Seite reingefahren."

Und auch McLaren-Boss Ron Dennis war der Meinung, dass es den Rennkommissaren am geeigneten Augenmaß fehlt: "Das ist schon rätselhaft, was da für Entscheidungen getroffen werden", sagte er und machte aus seinem Ärger keinen Hehl.

Massa profitiert vom Chaos

Für die Silberpfeile war der Tanz am Fuße des Vulkans ein Rennen zum Vergessen. Das Chaos auf und abseits der Strecke sorgte dafür, dass die Führung von WM-Spitzenreiter Hamilton auf seinen Verfolger Massa von sieben auf fünf Punkte geschrumpft ist (84:79).

Teamkollege Heikki Kovalainen schied mit einem Motorschaden aus. Damit schaffte es zum zweiten Mal in dieser Saison keiner der beiden Piloten des britisch-schwäbischen Rennstalls in die Punkte. Zuletzt erlebte Silber in Montreal ein solches Debakel.

"Ohne den Dreher hätten wir einen fairen Wettkampf erlebt", trauerte Haug der Chance auf eine mögliche Vorentscheidung im Titelkampf nach.

Ohne Glamour erfolgreich

Ob der mageren Ausbeute der Rivalen, reichte Ferrari ein weinig glamouröses Ergebnis, um das Wochenende als erfolgreich verbuchen zu können. "Okay, es hätte mehr dabei rausspringen können, aber wir haben zumindest zwei Punkte aufgeholt. Das kann für die letzten zwei Rennen ganz wichtig sein", kommentierte Massa die Scuderia-Bilanz.

Während der kleine Brasilianer nach dem Rennen durch eine 25-Sekunden-Zeitstrafe gegen Sebastien Bourdais (Toro Rosso) von Platz acht auf sieben befördert wurde, jubelte Kollege Räikkönen als Dritter auf dem Podium.

Kubica wieder im Titelrennen

Unbeeindruckt vom hinter ihnen tobenden WM-Duell fuhren Fernando Alonso und Robert Kubica an der Spitze davon. Während der Spanier im Renault den zweiten Sieg in Folge einfuhr, witterte sein Verfolger unverhofft Morgenluft im Titelrennen.

Kubica will aus dem Duell Hamilton/Massa wieder einen Dreikampf machen. "Es ist ein ordentlicher Schub für uns, wir sind noch dabei, also können wir es versuchen", sagte der Pole nach seinem zweiten Platz.

Sein Rückstand auf Hamilton beträgt zwei Rennen vor Saisonende immerhin zwölf Punkte. Keine Kleinigkeit.

Aber Fuji hat gezeigt: Im Schlussspurt sollte man sich auf Überraschungen gefasst machen.

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