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Erhöhte Sicherheitsgefahr? Ab 2009 kommt in der F1 die Hybrid-Technik © getty

Ein BMW-Mechaniker muss nach einem Stromschlag ins Krankenhaus, Red Bull lässt eine Werks-Fabrik evakuieren. Die neue Hybrid-Technik birgt offenbar größere Sicherheitsrisiken als gedacht.

Die Ursache des Stromschlags, der am Dienstag bei den Testfahrten in Jerez einen Mechaniker zu Boden riss und verletzte, ist offenbar noch nicht gefunden.

"Das Team ist dabei, diesen Vorfall zu untersuchen", sagte ein BMW-Sprecher zu Sport1.de. Nachdem BMW zunächst Entwarnung gegeben hatte und erklärte, dass der Mitarbeiter nur leicht verletzt wurde und nach dem Zwischenfall seine Arbeit wieder aufgenommen habe, änderte sich die Situation am Dienstagnachmittag.

Der Mechaniker habe über Schwindelgefühle geklagt und wurde daraufhin in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht, teilte das Team gegenüber Sport1.de mit. Am Mittwoch wurde er nach abschließenden Gesundheitstests entlassen.

"Schon ein paar Schwierigkeiten"

Fest steht: Der Stromschlag, den der BMW-Mitarbeiter erlitt, steht im Zusammenhang mit dem neuen KERS (Kinetic Energy Recovery System), das der Rennstall derzeit für die Saison 2009 entwickelt.

Auf die neuartige Technik, die gespeicherte Bremsenergie in Beschleunigung umwandeln soll, wirft der Zwischenfall kein gutes Licht und offenbart die Probleme: "Wir haben schon ein paar Schwierigkeiten in der Entwicklung gehabt, was normal ist", erklärte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. Größere Probleme habe es jedoch nicht gegeben.

Man habe das gesamte System einer Fehler- und Nutzen-Analyse unterzogen. "Um das Risiko einschätzen zu lernen und Vorsichtsmaßnahmen zu treffen", so Theissen. Doch die Risiken sind offenbar größer als angenommen.

Red Bull lässt Fabrik evakuieren

Konkurrent Red Bull musste erst kürzlich - nach Problemen mit seiner KERS-Batterie - die Werksfabrik im britischen Milton Keynes evakuieren lassen, wie das Magazin "GPWeeK" berichtet.

Und auch bei BMW soll es vor dem Deutschland-Grand-Prix zu massiven Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Neuentwicklung gekommen sein. Unbestätigte Berichte, dass die Batterie dabei explodiert sei, wies Theissen in Hockenheim entschieden zurück: "KERS war erstmals im Rennwagen im Einsatz und explodiert ist nichts."

"Werden KERS unter Kontrolle haben"

Der BMW-Rennboss ist zuversichtlich, die Risiken bald eindämmen zu können und nannte als Beispiel die Sicherung des Benzintanks: "Wenn man sieht, wie man diesen potenziellen Gefahrenherd heute unter Kontrolle hat, so glaube ich, dass wir auch KERS unter Kontrolle haben werden", so Theissen in "Motorsport aktuell".

In Bezug auf die Renntauglichkeit gäbe es jedoch noch zwei weitere Aspekte, die für den Nutzen des Systems ausschlaggebend seien: "Das eine ist Gewicht und Leistung. Das andere ist Packaging. Wie positioniere ich die einzelnen Elemente (im Auto, Anm. d. Red.)? Diese Faktoren werden entscheiden, ob sich über eine Runde ein Vorteil ergibt."

Keine weiteren KERS-Tests geplant

Nach dem schockierenden Zwischenfall um den Mechaniker muss der Rennstall erst einmal innehalten und analysieren.

Weitere KERS-Tesfahrten waren für diese Woche ohnehin nicht vorgesehen, wie BMW auf Sport1.de-Nachfrage erklärte. Am Mittwoch und Donnerstag werden die Tests im aktuellen Auto (dem F1.08) fortgesetzt.

Manuel Krons

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