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1991 fand der erste F1-GP in Magny Cours statt: Nigel Mansell siegte vor 100.000 Zuschauern © getty

Der Frankreich-GP ist aus dem Kalender gestrichen, gleich sechs Projekte wollen nachrücken. Mario Theissen hofft auf Montreal.

Paris - Rien ne va plus - nichts geht mehr für Magny-Cours und den Großen Preis von Frankreich 2009:

Das seit Jahren mit Finanzproblemen kämpfende Rennen ist endgültig aus dem Formel-1-Kalender gestrichen worden. Das bestätigte der französische Automobilsport-Verband FFSA am Donnerstag in einer Pressemitteilung.

Unter anderem als Konsequenz auf die Überprüfung der Finanzierbarkeit "kann der Große Preis von Frankreich nicht mehr im Kalender für 2009 bleiben", teilte der Verband mit.

Nur noch 17 Rennen

Damit würde die Formel-1-WM 2009 nur noch 17 statt der ursprünglich geplanten 19 Rennen umfassen, nachdem bereits vor gut einer Woche der Große Preis von Kanada vom Automobil-Weltverband FIA gestrichen worden war.

Bereits am Mittwochabend hatte FFSA-Präsident Nicolas Deschaux auf einer Pressekonferenz in Paris das drohende Aus angekündigt.

"Wahrscheinlich wird es keinen Frankreich-Grand-Prix 2009 geben", sagte er. Das Rennen in Magny-Cours hätte am 28. Juni stattfinden sollen.

Montreal nicht gleich nach Silverstone

Im Formel-1-Zirkus besteht jetzt die Hoffnung, dass Kanada anstelle von Frankreich in den Kalender zurückkehren könnte, auch wenn dafür der Magny-Cours-Termin eine Woche nach dem Rennen in Silverstone aus logistischen Gründen nicht in Frage kommt.

Die Veranstalter in Montreal wollen um ihr Rennen kämpfen.

BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen hätte nichts dagegen. "Ich hoffe es. Man spricht ja auch in Montreal französisch", sagte er.

Schlechte Infrastruktur

Gekämpft hat man auch im Provinzstädtchen Magny-Cours - letztlich vergeblich. Das Rennen stand schon seit mehreren Jahren auf der Kippe, neben den großen finanziellen Probleme auch deswegen, weil Teams und Sponsoren wegen der schlechten Infrastruktur und geringen Zahl von Hotelbetten nur widerwillig dorthin reisten.

Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, der 2007 schon einmal einen jährlichen Wechsel zwischen Magny-Cours und dem inzwischen ab 2010 durch Donington ersetzten britischen Grand Prix in Silverstone vorgeschlagen hatte, träumt seit langem von einem Rennen im Großraum Paris - wo sich vor allem das Disneyland Resort Paris (früher Eurodisney) Hoffnungen macht.

"Die einzige Alternative für 2010 wäre das Projekt im Disneyland im Val d'Europe", sagte Deschaux bereits.

Sechs ernsthafte Kandidaten

Allerdings teilte die FFSA am Donnerstag mit, dass sich außerdem noch fünf andere ernsthafte Projekte gemeldet hätten, darunter eines unter dem Namen Magny-Cours 2.

Alle sechs Kandidaten will der Verband mit Ecclestone zusammenbringen, um die Machbarkeiten auszuloten.

In Montreal, auf dessen Platz am 7. Juni die FIA zugunsten einer vierwöchigen Sommerpause den Türkei-GP geschoben hat, wurde nach der überraschenden Streichung bereits die Politik bemüht.

"Das Event Nummer eins"

Die kanadische Regierung erklärte, dass sie alle Hebel in Bewegung setzen werde, um das Rennen zu retten. Schließlich droht Montreal ein Verlust von umgerechnet 50 Millionen Euro.

"Das Formel-1-Rennen ist das Event Nummer eins in Montreal, Quebec und ganz Kanada", sagte der kanadische Handelsminister Michael Fortier.

2003 wollte Formel-1-Boss Ecclestone das Rennen in Montreal schon einmal streichen, musste die Entscheidung aber damals nach massiven Protesten der Teams und Sponsoren zurücknehmen.

Die Automobilhersteller fordern seit längerem wegen des dortigen Marktes mehr Formel-1-Rennen in Nordamerika. Nach dem Aus für Indianapolis und der Streichung von Montreal gibt es dort allerdings aktuell gar keines mehr.

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