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Lewis Hamilton hat bislang acht Formel-1-Siege auf dem Konto © getty

Hamilton startet beim China-GP von der Pole Position und kann vorzeitig Weltmeister werden. Nicht nur Massa will das verhindern.

Von Julian Meißner

München - Die Lockerheit ist schon lange gewichen von Lewis Hamilton. Dementsprechend zurückhaltend fiel der Jubel am Samstag im Parc Ferme des Shanghai International Circuit aus.

Daumen hoch - das war es dann auch schon.

Hamilton hatte sich zuvor mit dem Erobern der Pole Position beim Großen Preis von China in letzter Sekunde eine glänzende Ausgangsposition erarbeitet, der große Coup soll aber am Sonntag im Rennen (8.45 Uhr LIVE) folgen.

Läuft alles nach Plan, kürt sich der 23-jährige Brite schon beim vorletzten Saisonrennen zum jüngsten Formel-1-Weltmeister aller Zeiten.

Spielen die Nerven mit?

Sollte es anders kommen, droht dem Vize-Weltmeister die Gefahr, zum zweiten Mal in Folge einen komfortablen Vorsprung noch zu verspielen und sich zum Gespött der Königsklasse zu machen.

Denn die Sympathien im Fahrerlager und bei den Fans sind klar verteilt: Das Gros sähe lieber Ferrari-Fahrer Felipe Massa als den neuen Champion, die Kritik an der teils rücksichtslosen Fahrweise des "Wunderkinds" riss auch im Vorfeld des 17. Grand Prix des Jahres nicht ab.

Haug mit Lobeshymnen

Angesichts der unverhohlen zur Schau gestellten geringen Wertschätzung für Hamilton wirkte das Lob von Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug nach der zugegebenermaßen beeindruckenden Qualifying-Runde Hamiltons dann auch wie eine bewusst eingestreute Streicheleinheit.

Von einer "Jahrhundertrunde" und "sehr deutlichem" Abstand zu Massa sprach der geschäftige Schwabe, der seit Mika Häkkinens Triumph 1999 auf einen WM-Titel wartet.

Rot jagt Silber

Für den geschlagenen Massa geht es nun laut Stefano Domenicali zunächst einmal darum, zu "verhindern, dass Lewis hier Weltmeister wird". Das wäre der Fall, sollte Massa mehr als fünf Punkte auf Hamilton verlieren.

Ziel sei es, "mit einer realistischen Chance nach Brasilien zu fliegen", so der Ferrari-Teamchef mit Fernblick auf das Saisonfinale am 2. November in Massas Heimatstadt Sao Paulo.

Zur Seite stehen wird Massa in seiner Mission ein Helfer von besonderem Format: Kimi Räikkönen startet als Zweiter neben Hamilton und bildet so mit Massa auf Rang drei die Front in der Hetzjagd auf den Silberpfeil-Piloten.

Kubica mit marginalen Chancen

Robert Kubica hat sich unterdessen mit einem total verpatzten Qualifying aus der Rolle des Underdogs in die des krassen Außenseiters manövriert.

Der Pole, der mit 72 Punkten zwölf Zählern Rückstand auf Hamilton und fünf auf Massa hat, geht nur von Rang elf ins Rennen und profitierte dabei noch von der Strafversetzung des Red-Bull-Piloten Mark Webbers wegen eines Motorwechsels.

"Ich hatte bisher das gesamte Wochenende Probleme mit der Fahrzeugbalance", meinte Kubica: "Das Auto war schwierig zu fahren. Ich konnte nicht so attackieren, wie ich das wollte.?

BMW setzt auf Boxenstrategie

Der einzige Vorteil dieser sonst so misslichen Lage ist laut BMW-Motorsport-Direktor Mario Theissen, dass man "die Rennstrategie frei wählen kann". Was soviel heißt wie mit vollen Tanks an den Start zu gehen und auf Zwischenfälle wie Safety-Car-Phasen zu hoffen.

Es wäre nicht das erste Mal in dieser Saison, dass die Weiß-Blauen der Konkurrenz durch ihre Boxenstrategie ein Schnippchen schlagen.

Kubicas Teamkollege Nick Heidfeld, der selbst wegen einer Behinderung David Coulthards von Startplatz sechs auf neun zurückgestuft wurde, zeigte sich mitfühlend: "Es tut mir leid für Robert, dass er hier anscheinend Schwierigkeiten hat. Mit dieser Startposition reduzieren sich seine Titelchancen natürlich."

Alonso als Spielverderber?

Es deutet also alles auf einen Showdown zwischen Massa und Hamilton hin - mit den deutlich besseren Karten auf Seiten des Briten, der einen Schuss Extra-Motivation aus der in der vergangenen Saison als "Krieg der Sterne" berüchtigt gewordenen Fehde ziehen könnte.

Noch steht in den Geschichtsbüchern als der jüngste Fahrer auf dem Thron der Königsklasse ausgerechnet Hamiltons Erzrivale Fernando Alonso.

Es wäre Hamilton sicher eine besondere Freude, es dem Spanier wie auch dem Rest der Zweifler und Kritiker zu zeigen.

Alonso macht aus seinen Präferenzen keinen Hehl: "Sollte ich Massa helfen können, Weltmeister zu werden, werde ich das tun."

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