vergrößernverkleinern
Des einen Freud, des anderen Leid: Lewis Hamilton und Felipe Massa (r.) © imago

Nach einer beeindruckenden Performance lobt man Hamilton selbst bei Ferrari in den Himmel. Massa gibt sich kleinlaut.

Von Julian Meißner

München/Schanghai - Die Einordnung des Geleisteten fiel dem alten und neuen WM-Führenden nicht schwer.

"Es ist ein weiterer Schritt zum Titel und auf dem Weg zu meinem Traum", sagte Lewis Hamilton nüchtern nach seinem überzeugenden Sieg beim Großen Preis von China.

Aufgrund des unangefochtenen Triumphs in Schanghai steht der McLaren-Pilot unmittelbar vor dem Gewinn des Weltmeistertitels in der Fahrerwertung.

In seinem zweiten Jahr in der Königsklasse kann sich der 23-Jährige beim Saisonfinale in Sao Paulo am 2. November schon mit einem fünften Platz zum jüngsten Weltmeister aller Zeiten krönen.

Gleichzeitig birgt die Ausgangslage mit sieben Punkten Vorsprung auf seinen einzigen verbliebenen Rivalen Felipe Massa die Gefahr, sich bei Auslassen dieser Strafstoß-ähnlichen Chance Hohn und Spott auszusetzen.

Aus Dreikampf wird Zweikampf

BMW-Saubers Robert Kubica hat sich mit einem sechsten Platz aus dem Titelrennen verabschiedet und den Weg für ein finales Duell zwischen Massa und Hamilton freigemacht.

Das "Endspiel" in Brasilien hatte Hamilton schon vor dem Rennen in Schanghai im Blick: "Es ging heute darum, beide Rennen im Auge zu haben und konstant so viele Punkte wie möglich zu holen."

Beeindruckende Performance

Hamilton tat nicht nur das: Mit dem Sieg im Rennen, der Pole Position und der schnellsten Rennrunde demonstrierte er erneut sein außergewöhnliches Talent.

"Das Auto war traumhaft zu fahren", schwärmte er nach seiner überlegenen Performance und stellte die "fantastische Teamleistung" in den Vordergrund.

Massas Hoffnungen schwinden

Massa machte dagegen am Ende eines aus seiner Sicht zähen Wochenendes nicht den Eindruck, als glaube er noch an seinen ersten Weltmeister-Titel.

"Für die Fahrerwertung war das nicht gerade optimal, aber für die Konstrukteurswertung war das gut", sagte der Brasilianer mit bedrückter Miene zur neuen Punkteverteilung.

Domenicali schwärmt von Hamilton

Sein Teamchef Stefano Domenicali kündigte eine umgehende Aufarbeitung der silbernen Dominanz im Reich der Mitte an.

"Sie waren einfach viel schneller als wir. Unter diesem Aspekt haben wir das Maximum herausgeholt", konstatierte er und verfiel in Lobeshymnen auf Hamilton: "Lewis war heute in einer anderen Liga: Er ist perfekt, schnell, konstant gefahren. Wir konnten nicht einmal daran denken, ihn anzugreifen."

Man müsse das Geschehene "verarbeiten und verstehen", so der Italiener: "Wir können in Brasilien nicht um Titel kämpfen, wenn unser Auto so wenig wettbewerbsfähig ist wie unter diesen Bedingungen und wenn wir eine so große Lücke zu McLaren haben."

Vier Punkte reichen

Es sieht tatsächlich so aus, als könne Hamilton nur sich selbst schlagen. Er muss in Interlagos nur vier Punkte holen um Weltmeister zu werden - falls Massa das Rennen gewinnt.

Dessen Chancen, bei seinem Heimspiel der erste brasilianische Weltmeister seit der Legende Ayrton Senna zu werden, sind trotz der Schützenhilfe Kimi Räikkönens verschwindend gering.

Keine Diskussion um Teamorder

Dass sie jedoch nach wie vorhanden sind, weiß auch Hamilton. Er verkniff sich jegliche Spitzen gegen die versteckte Teamorder bei den Roten in Schanghai, wohlwissend, dass auch sein Wasserträger Heikki Kovalainen noch eine entscheidende Rolle spielen könnte.

"Es war unvermeidbar, dass Kimi Felipe vorbeilassen würde", meinte Hamilton.

"Das hat mich auch nicht verwundert und war überhaupt nicht schlimm", so der selbstbewusste Brite, dessen Können schon lange nicht mehr in Frage steht.

Doch die letzten Zweifel an seiner Titelreife wird Hamilton erst ausgeräumt haben, wenn ihm die Krone nicht mehr zu nehmen ist. Auch 2007 hatte er vor dem letzten Rennen sieben Punkte Vorsprung.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel