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Auch der Hersteller Shell wehrt sich gegen die Zukunftsvisionen der FIA © getty

Einheitsmotoren, Einheitsbenzin, Einheitsschmierstoffe: Die Pläne der FIA versetzten Teams und Hersteller in Alarmbereitschaft.

Schanghai - Die Formel-1-Teams machen vor dem Treffen mit Max Mosley am Dienstag am idyllischen Genfer See gegen den geforderten "Spar-Motor" des Automobil-Weltverbandes FIA mobil.

Ferrari-Chef Luca di Montezemolo, Vorsitzender der Teamvereinigung FOTA, sein Stellvertreter und Toyota-Teamchef John Howett werden Mosley den in Shanghai ausgearbeiten Gegenentwurf vorlegen.

"Für Toyota wäre das ein Grund, die Formel 1 zu verlassen", sagte Howett unmissverständlich. "Ein standardisierter Motor kommt nicht in Frage. Das wäre nicht mehr die Formel 1", meinte der Motorenchef der Japaner, Luca Marmorini.

Strikte Ablehnung

Auch von den anderen fünf Herstellern Mercedes, BMW, Honda, Ferrari und Renault ist eine strikte Ablehnung gegen den jüngst eröffneten Plan des FIA-Chefs zu vernehmen, ab 2010 einen Einheitsmotor einzuführen. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen drohte ebenfalls mit Ausstiegen der Autobauer.

Die Stimmung ist gereizt. Dass die FIA am Freitag ohne Beschluss gar eine Ausschreibung ankündigte, deren Sieger den einheitlichen Antrieb produzieren oder zumindest die Baupläne entwickeln soll, wurde bei den Teams als weiterer Affront gewertet.

Der Tenor ist einhellig: Einen Motor gestellt bekommen und dann das eigene Logo draufkleben - das werde es nicht geben. Der Grund: Eigene Entwicklungen könnten nicht mehr dargestellt werden, Verkaufsargumente würden fehlen.

Einheitsmotor und Einheitsbenzin

Mittlerweile sind von der FIA weitere Details der Ausschreibung bekannt gegeben worden. Demnach soll nicht nur mit einem Einheitsmotor gefahren werden, sondern auch mit Einheitsbenzin.

Nun sind auch die an der Formel 1 beteiligten Ölunternehmen verärgert.

"Ich halte das für eine schlechte Idee. Wir wollen, dass die Formel 1 das ultimative Labor für Benzin und Schmierstoffe bleibt. Das Risiko, dass sich Unternehmen wie Shell andernfalls aus dem Motorsport zurückziehen, ist groß", sagte Juan Carlos Perez, Sponsoring-Chef des Konzerns. Shell beliefert und sponsert Ferrari.

Gemeinsame Linie ist gefunden

Um einen gemeinsamen Gegenvorschlag auszuarbeiten, der die von Mosley angestrebte Kostenreduzierung wegen der schwierigen Finanzlage ebenfalls erreicht, haben die zehn Teamchefs in Shanghai lange zusammengesessen.

Bekannt wurde nur so viel: Eine gemeinsame Linie ist gefunden worden, einen Keil konnten Mosleys Pläne nicht in die Teamvereinigung treiben.

Stufenweise Anhebung der Motoreneinsätze?

Denkbar sind nun mehrere Varianten. Vermutlich werden di Montezemolo und Howett eine stufenweise Anhebung der Motoreneinsätze vorschlagen.

Derzeit darf nach zwei Rennen gewechselt werden, mittelfristig könnten zwei Motoren für eine ganze Saison anvisiert werden. Zudem könnten die Leihgebühren für Motoren und andere technische Unterstützung für die vier Privatteams gesenkt werden.

"Nicht gut für die Formel 1"

Den Fahrern der kleinen Privatteams käme ein Einheitsmotor durchaus gelegen, weil das Feld dann enger zusammenrücken würde. Alle anderen profitieren von eigenen Herstellermotoren.

Der spanische Doppel-Weltmeister Fernando Alonso (Renault) bringt es auf den Punkt: "Mit einheitlichen Motoren und Reifen hängt es mehr von den Qualitäten des Fahrers ab. Ich denke jedoch nicht, dass dies gut für die Formel 1 wäre. Es würde seltsam erscheinen, dass wir alle mit dem gleichen Motor fahren. Das wäre nicht mehr länger die Formel 1."

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