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Bridgestone zieht sich nach 13 Jahren als Reifenlieferant aus der Formel 1 zurück © imago

Pirelli wird ab 2011 neuer Reifenlieferant der Formel 1 und verdrängt Michelin. Mancher frustrierte Fahrer wird erleichtert sein.

München - Der italienische Hersteller Pirelli wird ab 2011 die Formel 1 mit Reifen ausstatten.

Das entschied das World Motor Sport Council des Automobil-Weltverbandes FIA am Mittwoch auf einer Sitzung in Genf und gab den Italienern damit den Vorzug vor dem französischen Michelin-Konzern, der sich um eine Rückkehr in die Königsklasse bemüht hatte.

In der Königsklasse dürfte diese Entscheidung für Erleichterung sorgen, denn die Piloten äußerten nach dem unberechenbaren Reifen-Krimi von Kanada im vergangenen Grand Prix durch die Bank ihren Unmut mit den aktuellen Bridgestone-Pneus.

"Reifen ein Puzzle"

"Diese Reifen sind ein Puzzle, das nur sehr schwer zu durchschauen ist", bemängelte etwa Rekord-Weltmeister Michael Schumacher gegenüber "auto, motor und sport": "Oft ändern sich von einem Tag auf den anderen nur einer oder zwei Faktoren." (Schumis Halbzeit-Bilanz)

Auch seinen Teamkollegen Nico Rosberg ließ das Verhalten der vier Reifenmischungen ratlos zurück. "Ich weiß es nicht, warum die Reifen mal so sind und mal so. Wir könnten alles auf die Reifentemperaturen schieben, aber das allein ist es nicht."

Rückzug nach 13 Jahren

Sein Landsmann Sebastian Vettel von Red Bull hegte offenbar ebenfalls keine sonderliche Begeisterung für die Walzen des japanischen Konzerns, der sich nach 13 Jahren zum Jahresende aus der PS-Liga zurückzieht.

"Bei den Dingern kannst du nicht viel rausholen", sagte der Hesse: "Der Unterschied zwischen extrem schonender und extrem aggressiver Fahrweise ist der, dass du im Schongang vielleicht zwei Runden länger fährst."

Warten auf den Squash

Vettel erklärte die Probleme, die derzeitigen Pneus zum Arbeiten zu bringen, wie deren Erwärmung in der Formel-1-Sprache genannt wird. "Du musst den Reifen in den schnellen Kurven aggressiv fordern, damit der sogenannte Squash eintritt. Dabei drückt es den Reifen zusammen und diese Bewegung generiert Temperatur", erläuterte der 22-Jährige.

Besonders schwierig sei dies auf Kursen, wo es nur wenige schnelle Kurven gebe: "Da kriegst du den Reifen nur beim Bremsen dazu, dass er sich verformt."

Auch Mercedes-Teamchef Ross Brawn weiß um die Schwierigkeiten mit den Bridgestones: "Die Oberfläche ist zu heiß, innen ist der Reifen zu kühl."

Massa frustriert

Ferrari-Pilot Felipe Massa ist von den schwarzen Gummis besonders frustriert. "Es hat wenig mit Rennfahren zu tun, wenn wir so abhängig von den Reifen sind."

Vor allem ein Team habe laut Massa keinerlei Schwierigkeiten mit den Pneus: der augenblickliche WM-Leader McLaren. "Die fahren raus, und der Reifen hat sofort Grip. Ich muss mir rundenlang die Seele aus dem Leib fahren, um dorthin zu kommen, wo Hamilton in der ersten Runde schon ist."

Seit dem Michelin-Rückzug Ende 2006 war Bridgestone Alleinausstatter. Pirelli bringt es in der Formel 1 bislang zwischen 1950 und 1957, 1985, 1986 und 1991 auf 42 GP-Siege.

"Lex Schumi"

Neben der mit Spannung erwarteten Entscheidung in der Formel 1 schaffte die FIA den Einheitsreifen in der Rallye-WM ab der 2011 ab und öffnete die Meisterschaft für alle Reifenproduzenten.

Neben der Entscheidung über die Reifen präzisierte die FIA in Genf die Safety-Car-Regel der Formel 1 und stellte klar, dass bei einer Safety-Car-Phase in der letzten Runde eines Rennens bis zur Ziellinie nicht mehr überholt werden darf.

Ansonsten darf ab der ersten Safety-Car-Linie überholt werden, wenn das Safety Car zurück in die Box fährt. In Monaco war Rekordweltmeister Michael Schumacher nachträglich mit einer 20-Sekunden-Zeitstrafe belegt worden, weil er in der letzten Runde auf den letzten Metern noch Ferrari-Pilot Fernando Alonso überholt hatte. Durch die Zeitstrafe war der Mercedes-Pilot vom sechsten auf den zwölften Platz zurückgefallen.

Quali: Disqualifikation möglich

Wiedereingeführt hat die FIA ab 2011 die Regel, dass Fahrer, die in der ersten Runde der Qualifikation mehr als 107 Prozent der Zeit des Schnellsten benötigt haben, nicht am Rennen teilnehmen darf.

Bei außergewöhnlichen Umständen können die Rennkommissare solchen Fahrern aber dennoch den Start erlauben, wenn sie im freien Training entsprechende Zeiten gefahren sind.

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