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Mark Webber begann seine Formel-1-Karriere 1999 als Testfahrer bei Arrows © getty

Die Fahrer gehen wegen des verstellbaren Heckflügels auf die Barrikaden. Sie beschweren sich über das Überholen per Knopfdruck.

München/Valencia - Nach dem Entschluss der FIA zur Einführung des verstellbaren Heckflügels regt sich massiver Widerstand im Fahrerlager.

Die Piloten um Mark Webber vom Red-Bull-Team äußerten nicht nur Sicherheitsbedenken, sondern befürchten auch eine Verfälschung der Rennen.

Denn nur der Fahrer, der zum Überholen ansetzt, darf den Flügel verstellen, sofern er bis auf eine Sekunde an seinem Vordermann herangekommen ist - nicht aber der Pilot, der sich gegen eine Attacke verteidigen muss (SPORT1 erklärt den "Turbo-Flügel").

"Das ist vielleicht gut für die Playstation", sagte Webber am Rande des Europa-Grand-Prix in Valencia: "Aber ich weiß nicht, wie gut es in der Formel 1 funktioniert."

Überprüfung gefordert

Die Sicherheit sei ebenfalls "ein großes Thema", so der Direktor der Fahrergewerkschaft GPDA.

Der Australier forderte eine genaue Überprüfung des Systems, für das die FIA am Mittwoch Grünes Licht gegeben hatte, um das Überholen leichter und die Formel 1 damit wieder attraktiver zu machen.

Überholen per Knopfdruck

Das Bauteil wird nach Meinung von Sebastian Vettels Teamkollegen die Show jedoch in die falsche Richtung lenken.

"Bei Überholmanövern sollte es eher um Druck machen gehen, um Geschicklichkeit und Taktik", sagte Webber: "Natürlich wollen wir mehr Überholmanöver, aber wir müssen das fahrerische Element beibehalten. Es geht nicht nur darum, Knöpfe zu drücken, wie bei KERS oder dem verstellbaren Flügel."

KERS ab 2011 wieder da

Das Energierückgewinnungssystem KERS - der "Turbo-Boost" - soll nächstes Jahr ebenfalls wieder zum Einsatz kommen.

Ziel dürfen für Webber aber nicht Rennen wie in der nordamerikanischen IndyCar-Serie sein, "wo man sich gegenseitig viermal pro Runde überholt und alle nur gelangweilt sind".

Kubica: "Nicht sehr aufregend"

Renault-Pilot Robert Kubica ist nicht einmal überzeugt, dass die Maßnahme den gewünschten Effekt haben wird.

"Wenn der Flügel stark beweglich ist, werden die Autos auf den Geraden überholen. Ich denke nicht, dass das sehr aufregend ist", sagte der Pole und äußerte weitere Bedenken: "Der bewegliche Frontflügel wurde ebenfalls eingeführt, um das Überholen zu vereinfachen. Wir haben ja gesehen, dass das nicht funktioniert hat."

Sorgenfalten bei Trulli

Lotus-Pilot Jarno Trulli stellte den Sicherheitsaspekt in den Vordergrund.

"Ich habe meinen Heckflügel ein paar Mal verloren, und das ist eine der gefährlichsten Sachen, die dir passieren kann, weil du dann keine Kontrolle mehr über dein Auto hast. Im Normalfall passiert das bei hohem Tempo und du landest in der Mauer", sagte der 35-Jährige Italiener, der 227 Formel-1-Rennen auf dem Buckel hat.

"Ich möchte einfach mir keine Sorgen machen müssen, dass mein Heckflügel versagen könnte", so Trulli, der sich die Einführung eines standardisierten Teils durch die FIA vorstellen kann, um möglichen Defekten vorzubeugen.

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