In seiner Sport1.de-Kolumne fasst DSF-Experte Peter Kohl die Tops und Flops des China-Grand-Prix in Schanghai zusammen.

[image id="8619b372-6681-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

TOPS

Lewis Hamilton: Perfektes Wochenende, nahezu fehlerfrei - gekrönt von einem souverän herausgefahrenen Sieg. Der Engländer war vom ersten Freien Training an eine Klasse für sich, fuhr in einer eigenen Liga. Eine Macht-Demonstration! Auf die sehr laut gewordene Kritik gegen ihn reagierte er wie ein angehender Champion. Er läßt sich nicht aus der Spur bringen - es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn er sich in Brasilien nicht den Titel holt. Ich gratuliere ihm schon heute!

McLaren-Mercedes: Man kann sie mögen oder nicht, aber in Sachen Zuverlässigkeit und permanente Steigerung während der Saison sind sie klar die Nummer 1 im Fahrerlager in dieser Saison. Jetzt sind die Silbernen auch im Trockenen klar schneller als Ferrari! Das war in dieser Deutlichkeit eigentlich nicht zu erwarten. Chapeau vor dem gesamten Team.

Fernando Alonso: Mittlerweile Dauergast in dieser Rubrik und das zu Recht - der Spanier hat aus dem R28 wieder das Optimum herausgeholt. Zum 14. Mal in dieser Saison in den Punkten, mit einem Auto, das in der ersten Hälfte der Saison nicht wirklich konkurrenzfähig war. Im Qualifying versägt der zweimalige Weltmeister derweil regelmäßig die BMW-Sauber. Eine Top-Leistung!

Soll nochmal einer sagen, Alonso sei eine Diva, die auf Händen getragen werden will. Er hat sich gegen alle Widerstände durchgesetzt und das Team bis zum Schluss zu Höchstleistungen angetrieben.

Sebastien Bourdais: In meinen Augen hat er die größte Leistungssteigerung in dieser Saison vollbracht. Von einem permanenten Hinterherfahrer hat er sich zum konstanten Top-Ten-Anwärter entwickelt und ist an den vergangenen beiden Rennwochenenden unter dem Strich schneller gewesen als sein hochgeschätzter Teamkollege Sebastian Vettel.

Der 29-Jährige aus Le Mans ist nicht an der Dauerkritik zerbrochen, hat sich den Gegebenheiten seines Autos angepasst, obwohl die Charakteristik des Toro Rosso seinem Fahrerstil überhaupt nicht entgegenkommt. Dass Jarno Trulli ihn am Start so abdrängt, dass es zur Kollision kommen musste, war schade. So kann man nur erahnen, was in diesem Rennen für den Franzosen drin gewesen wäre.

FLOPS

Ferrari: Die Chance war da, das Saisonfinale extrem eng zu gestalten. Unter dem Strich waren die Roten in Schanghai nicht einmal in der Nähe von McLaren Mercedes. Von ernsthaftem Konkurrenzkampf will ich gar nicht erst sprechen. Das war ein schwaches Auftreten. Kimi hat sich gesteigert, o.k. - aber Massa ist der WM-Kandidat, und der ist hinterhergerudert. Das Team hat es nicht verstanden, den Brasilianer ausreichend zu unterstützen, Massa kämpfte mit einer stumpfen Waffe.

BMW-Sauber: Derzeit nur noch besserer Durchschnitt, denn Alonso scheint im Renault momentan klar besser zu sein. Weder Heidfeld noch Kubica hatten eine reelle Chance, am Spanier vorbeizugehen. Dazu war das Team nicht in der Lage, dem Polen aus dem Setup-Dschungel herauszuhelfen, in dem er sich vom ersten Freien Training an verlaufen hatte - heraus kam eine indiskutable Leistung im Qualifying.

Startplatz elf war das Ende für alle WM-Träume des Krakauers. Die Plätze fünf und sechs im Rennen helfen über die herbe Enttäuschung nicht hinweg. Hätte sich Renault schon früher in der Saison aufgerafft, wäre BMW-Sauber nun vielleicht schon nicht mehr die Nummer drei in der Konstrukteurswertung hinter Ferrari und McLaren Mercedes.

Force India: Wir hatten schon viel Mitleid mit Honda in diesem Jahr, aber was die Truppe von Vijay Mallya in den letzten Rennen abliefert ist peinlich und überaus bedauernswert für die beiden Piloten. Die sollten eigentlich einen Sonderbonus als Schmerzensgeld bekommen, dafür dass sie sich mit diesen Gurken abplagen.

Mosley, Ecclestone und die FIA: Verbesserungen sind wichtig, auch die Formel 1 muss sich den Anforderungen der Moderne anpassen. Aber alle Nase lang neue Vorschläge wie Einheitsmotoren, Einheitsbenzin, Einheits-Aerodynamik, gestrichene Rennen, Medaillenwertungen wie bei Olympia, ein neues Freitagsreglement etc. in der Öffentlichkeit zu platzieren, um die Teams unter Druck zu setzten, führt nur zu erhitzten Diskussionen.

Die Formel 1 erscheint deshalb derzeit als wankender Riese, aber nicht als kraftstrotzendes Unternehmen, das die Königsklasse des Motorsports eigentlich darstellt.

Die Teams brauchen Planungssicherheit, die Fans wollen und müssen wissen, wo sie dran sind! Deshalb: Erst nachdenken, planen, intern ausdiskutieren, entscheiden und dann an die Öffentlichkeit gehen!

Grüße und immer schön Vollgas!

Euer Peter Kohl

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel