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1951 gastierte die Formel 1 erstmals am Hockenheimring © getty

Für die deutschen Vertreter ist der F-1-Zirkus ohne einen nationalen Grand Prix "nicht vorstellbar". Die Zukunft ist ungewiss.

Hockenheim - Die große Party in Hockenheim wie zu Michael Schumachers besten Zeiten blieb aus, doch das Formel-1-Ereignis des Jahres in Deutschland genießt weiter die volle Rückendeckung.

Die Beteiligten sind sich einig: Die Automobil-Nation Nummer eins muss im Rennkalender der Königsklasse vertreten bleiben, die Politik ist gefordert.

Bis 2010 wechseln sich Hockenheim und der Nürburgring im Jahresrhythmus ab. Wie es danach weitergeht, ist offen.

"Deutschland wird immer einen Grand Prix haben, alles andere ist unvorstellbar", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. "Wir sind die Autonation Nummer eins und haben die namhaftesten Hersteller."

Die Euphorie ist abgeebt

Die Boomzeiten sind allerdings vorbei. In Hockenheim war zwar manch ein Wohnhaus mit Fahnen geschmückt, rund 80.000 Fans wurden zum Rennen erwartet, viele pilgerten von den Campingplätzen zur Strecke - und doch: Die Euphorie ist abgeebt.

Einer der Campingplätze blieb leer, Rekordzahlen sind in weiter Ferne. Das konnten auch Rabatte und viele Sonderaktionen für die Fans von Herstellern und Streckenbetreibern nicht auffangen. "Es fehlt halt ein deutscher Superstar", sagte Premiere-Experte und Ex-Pilot Marc Surer.

Auch deshalb muss Deutschland nach dem Rücktritt von Quotenbringer Michael Schumacher um die Formel 1 kämpfen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erschweren ein profitables Geschäft. Neue Märkte im Mittleren und Fernen Osten sind zudem eine enorme Konkurrenz.

Verlustgeschäft droht ständig

"Die Zuschauer sind nicht der einzige, aber der wichtigste Faktor", sagte Jorn Teske, Marketingchef der Hockenheimring GmbH.

Es sei schwierig, auf anderen Wegen nennenswerte Gelder zu generieren, da Werbe- und Fernseheinnahmen nicht ausgeschüttet werden.

Die Hockenheimring GmbH sei ein gesundes Unternehmen - einzig die Formel 1 bereite Probleme. Werden nicht genügend Karten abgesetzt, ist ein Verlustgeschäft kaum zu verhindern.

40 Millionen Euro Umsatz

Viele sehen jetzt die Politik gefordert. Für Haug ist die Formel 1 eine "Angelegenheit von nationaler Bedeutung, die auch eine Landesregierung mittragen müsste".

Schließlich würden rund 40 Millionen Euro Umsatz durch das Formel-1-Wochenende in der Region gemacht.

Surer sieht es genauso: "Es wird nicht anders gehen. Es muss einen Zuschuss geben." Deutschland zähle auch auf dem Fernsehmarkt zu den wichtigsten Ländern in der Formel 1, das Publikum sei kaufkräftig, die Königsklasse sei allein durch fünf deutsche Fahrer und zwei Hersteller deutsch geprägt.

Positive Tendenzen

Um dem Rechnung zu tragen, müsste sich auch Chef-Promoter Bernie Ecclestone bewegen. Der Brite jedoch vertritt die Meinung, die Formel 1 bringe genügend Umsatz, ähnlich wie ein Fußball-Großereignis.

Trotz aller Schwierigkeiten sehen die Beteiligten durchaus positive Tendenzen. Er habe den Eindruck, es nehme wieder zu, sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen über den Zuspruch der Fans.

Stark machen für Hockenheim

Man werde sich immer für den Erhalt des deutschen Grand Prix stark machen: "Die Tradition gehört in der Formel 1 dazu." Und Walter Kafitz, Hauptgeschäftschäftsführer des Nürburgrings, würde sogar Entzugserscheinungen bekommen, "wenn ich nicht hier wäre".

Gut möglich auch, dass die derzeitige Wirtschaftssituation in Deutschland einen neuen Euphorieschub verhindere.

"Wir dürfen nicht den Fehler machen und denken, dass alles rückwärts geht. Die Welt ist anders aufgestellt. Wir wissen nicht, wie im heutigen Szenario ein Dauersieger Michael Schumacher angenommen werden würde", meinte Haug.

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