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Der flexible Heckflügel soll das Überholen massiv vereinfachen © imago

Virgins Timo Glock spricht sich klar gegen den beweglichen Heckflügel aus und befürchtet Crashs wie den Mark Webbers in Valencia.

Von Julian Meißner

München - Die Diskussionen um den "Turbo-Flügel", der 2011 in der Formel 1 Einzug erhalten soll, gehen munter weiter.

Nachdem bereits zahlreiche Piloten Sicherheitsbedenken angemeldet hatten und eine Verfälschung des Renngeschehens befürchten, schlägt nun Timo Glock in die gleiche Kerbe.

"Ich halte das für brandgefährlich", sagt der Virgin-Pilot und spricht von einer "falschen Entscheidung".

Glock befürchtet ähnliche Unfälle wie den von Mark Webber in Valencia. Der Australier fuhr auf Heikki Kovalainen im Lotus auf, hob ab, und blieb beim folgenden Einschlag in die Reifenstapel nur mit viel Glück fast unverletzt.

"Dabei konnte man sehen, was passieren kann, wenn der Hintermann so einen deutlichen Überschuss an Geschwindigkeit hat", so Glock: "Mark hatte einfach nur das Glück, dass an dieser Stelle genügend Auslaufzone war und dass er günstig in die Reifenstapel rutschte."

KERS als Zusatzfaktor

Zumal ja noch mit einem zweiten Extraschub durch das Energierückgewinnungssystem KERS zu rechnen sei, das im kommenden Jahr wieder eingeführt werden soll.

"Wir Piloten sind eigentlich alle der gleichen Meinung", sagt Glock: "Es ist eindeutig zu gefährlich."

Ausgerechnet Webber gibt sich jedoch etwas zurückhaltender: "Wir sollten da jetzt nicht panisch werden. Schlaue Leute machen sich ausreichend Gedanken über das System", so der Australier in der "BBC".

Brawn verteidigt Neuerung

Mercedes-Teamchef Ross Brawn ist als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Technik bei der Teamvereinigung FOTA maßgeblich an der Entwicklung neuer Regeln im Ingenieursbereich beteiligt. Er verteidigt das umstrittene Teil.

"Verschiedene Teams haben bereits einiges an Arbeit investiert", so der Brite, der sich allerdings auf Arbeit am Simulator bezieht: "Der Flügel wird so konfiguriert, dass, sollte es zu einem Ausfall kommen, dieser bei voller Funktion auftritt."

Übersetzt heißt das: Die Boliden würden demnach, sollte der Flügel versagen, weiter mit höchstem Anpressdruck unterwegs sein.

Ausmaß noch diskutabel

"Generell wird der vordere Teil des Flügels angehoben, es wird nicht der hintere gesenkt. Das Hauptstück des Flügels bleibt in seiner Position, und wenn ein Defekt auftritt, geht das vordere Stück in seine Ausgangsposition zurück", präzisiert Brawn (SPORT1 erklärt den "Turbo-Flügel").

Man müsse aber noch eruieren, in welchem Maße der Flügel verstellbar sein soll.

Mehr Taktik als Überholen?

Doch selbst wenn die Ingenieure alle Sicherheitsbedenken ausräumen könnten, bliebe noch der Kritikpunkt, dass die Rennen durch Überholmanöver im Minutentakt verwässert werden könnten.

Das Überholen mit dem "Turbo-Flügel" wäre "viel zu einfach", kritisiert Glock.

"Ich finde es einfach schade, dass man so etwas wieder einmal entschieden hat, ohne vorher die Fahrer zu befragen", so der Deutsche: "Nicht nur ich habe das Gefühl, dass es in diesem Fall nur um die Show geht und nicht mehr um den Sport."

Was den Sportsgeist angeht, hat auch Webber ernste Bedenken: "Der Showeffekt mag gut sein, aber Überholen darf auch nicht bedeutungslos werden. Sonst fahren bald die Piloten bewusst hintereinander her und warten mit ihrem Manöver bis zur letzten Runde, um nicht ausgekontert zu werden."

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