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Max Mosleys Pläne stoßen bei den Teams nicht unbedingt auf Gegenliebe © getty

"Endlich haben wir eine wirtschaftliche Formel 1", freut sich di Montezemolo nach dem F-1-Gipfel. Doch viele Fragen bleiben.

Von Julian Meißner

München - Nach dem Gipfeltreffen am Genfer See klopfen sich die Formel-1-Bosse mächtig auf die Schultern, die größte Baustelle haben sie jedoch nicht schließen können.

Erst allmählich sickern Details aus der Sitzung von FIA-Chef Max Mosley mit den Vertretern der Teamvereinigung FOTA, Luca di Montezemolo und John Howett, durch.

Und es wird immer klarer: Das Ringen um die von Mosley angestrebten Einheitsmotoren ist keineswegs beendet.

Mosley hatte vor der Sitzung am Dienstag betont, dass der Königsklasse des Motorsports auch ohne die Folgen der globalen Finanzkrise große Probleme bevorstehen, sollte es nicht zügig zu einer drastischen Kostensenkung kommen.

"Sehr positiv"

"Signifikante Einsparungen" sind zwar laut einer äußerst knappen Pressemitteilung des Automobilweltverbandes FIA erwirkt worden, auch aufgrund von Änderungen an den Motoren.

"Sehr positiv und konstruktiv", seien die Gespräche laut eines FIA-Sprechers verlaufen, Konkretes ließ man aber kaum durchblicken.

Motorenkosten sinken

"Im nächsten Jahr werden wir die Lebensdauer der Motoren von zwei auf drei Rennen verlängern. Das ergibt insgesamt 25 Motoren, die die kleineren Teams zehn Millionen Euro pro Saison kosten werden", sagte Ferrari-Vorstand di Montezemolo immerhin gegenüber der italienischen "Gazzetta dello Sport".

Der Geschäftsmann sitzt der am Rande des Italien-Grand-Prix in Monza gegründeten FOTA vor.

Nach Informationen des Fachblattes "Auto, Motor und Sport" belaufen sich beispielsweise die Kosten der Ferrari-Kunden Force India und Toro Rosso derzeit auf jeweils rund 17 Millionen Euro.

"Endlich haben wir eine wirtschaftliche Formel 1", frohlockte di Montezemolo schon.

Fortsetzung folgt

Doch auch wenn Insider dem Treffen in Genf englischen Medienberichten zufolge eine "historische" Bedeutung beimessen, ist einer der wichtigsten Beschlüsse, dass man sich am Rande des Saisonfinales in Sao Paulo erneut zusammensetzen muss.

"Dort reden wir über Limits für Chassis und Motoren", erklärte di Montezemolo.

Außerdem wird es in Brasilien um die für 2009 geplante, jedoch auf der Kippe stehende Einführung des Energierückgewinnungs-Systems KERS gehen. Auch die Anzahl der Testkilometer für nächstes Jahr steht auf der Agenda.

Top-Teams auf einer Linie

Tatsächlich bemerkenswert ist: Noch nie in der Geschichte waren sich die Top-Teams in ihrer Sichtweise über die Zukunft des Sports so einig wie im Falle des Einheitsmotors - Ferrari, McLaren-Mercedes, BMW-Sauber, Toyota und Honda sind strikt dagegen. Nur Renault als großer Hersteller schert aus dieser Allianz aus.

Die Premiumhersteller hatten Mosley schon zuvor mit dem Ausstieg aus der Formel 1 gedroht. "Für Toyota wäre das ein Grund, die Formel 1 zu verlassen", hatte Toyota-Boss Howett gesagt. "Ein standardisierter Motor kommt nicht in Frage. Das wäre nicht mehr die Formel 1", so die düstere Prophezeiung von Luca Marmorini, dem Motorenchef der Japaner.

Für weiteren Zündstoff sorgte der Fakt, dass die FIA schon eine Ausschreibung gestartet hat, um den Hersteller des geplanten Einheitsmotors zu ermitteln.

Budgetobergrenze ein Thema

"Wir wünschen uns eine Kostenreduktion ohne massive technische Einschnitte", fordert Williams' Formel-1-Urgestein Patrick Head.

Die Ideen reichen von einer Beschränkung des Personals über Ausweitung standardisierter Teile bis hin zu einer generellen Budgetobergrenze für die Teams.

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug warnt angesichts der zahlreichen Regeländerungen in jüngerer Vergangenheit, gerade die Motoren betreffend: "Jede Veränderung kostet Geld. Daher sollten wir uns die nächsten Schritte gut überlegen."

In Sao Paulo sind die Entscheider der Formel 1 erneut gefragt.

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