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Die Formel 1 macht bis zum Belgien-Grand-Prix in Spa Sommerpause © getty

Pausieren, um zu sparen: Die Königsklasse macht zwei Wochen verordneten Sommerurlaub, aber nicht jedem Beteiligten passt das.

Von Marc Ellerich

München - Seit Sonntag ruhen die Motoren, die Formel 1 macht Ferien. Aus Kostengründen müssen die Rennställe zwei Wochen lang ihre Firmentore zusperren.

Den meisten Piloten scheint die vom Automobil-Weltverband FIA verordnete Verschnaufpause nicht unwillkommen zu sein.

Weltmeister Jenson Button und Nico Rosberg etwa haben sich für ihren Formel-1-Urlaub neben anderen Dingen einen Triathlon vorgenommen.

Rosbergs Teamkollege, Mercedes-Star Michael Schumacher, erholt sich gemeinsam mit seiner Familie in der Schweizer Wahlheimat. "Ich freue mich definitiv auf den Urlaub", sagte er noch auf dem Hungaroring.

Vettel: "Wieder runterkommen"

Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel hat - trotz seiner schwarzen Serie in der WM als Dritter immer noch aussichtsreich platziert - aktive Erholung im Sinn. "Wenn man mal ein bisschen frei hat, nutzt man die Zeit, um wieder runterzukommen und zugleich mit mehr Zeit trainieren zu können." (270438DIASHOW: Vettels schwarze Serie)

Der Hesse hat während seiner Sommerfrische bereits den WM-Showdown im Blick, der Ende August mit dem Belgien-Grand-Prix in Spa beginnt. "Alles, was man machen kann, um so gesund und fit wie möglich da hinein zu kommen, hilft einem", sagte er, ehe er sich in die Ferien verabschiedete.

Hamilton: Pause zur rechten Zeit

Und selbst Lewis Hamilton, der beim Ungarn-Grand-Prix wegen eines Getriebeschadens seine WM-Führung an den Sieger Mark Webber verlor und vermutlich nichts lieber täte, als den Spitzenplatz so schnell es geht zurückzuerobern, ist urlaubsreif.

"Die Pause kommt vielleicht gerade zur rechten Zeit, um innezuhalten, durchzuatmen und die Lage zu analysieren. Bei dem Stress und Druck gibt es Dinge, die man übersieht", sagte der Brite.

Dennoch ist er hin- und hergerissen: "Red Bull und Ferrari haben nun natürlich den Vorteil, dass wir kaum vorankommen können." Hamilton plant, die freie Zeit mit seiner Freundin, Popstar Nicole Scherzinger, und seiner Familie zu verbringen.

Whitmarsh unter Strom

Doch nicht jedem fällt das Abschalten leicht. Ginge es nach McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, gäbe es die Pause nicht. (Vorsprung dank Flexi - Fliegt Red Bull illegal?)

Der Engländer steht unter Hochspannung, nicht erst seit sein Team nach einem düsteren Wochenende in Budapest die Führung in Fahrer- und Konstrukteurs-Wertung an Red Bull verloren hatte.

Ein Thema, das den Ingenieur umtreibt: "Mir wäre es am liebsten, es gäbe keine Pause, damit ich weiterackern und herausfinden könnte, was beim Frontflügel erlaubt ist und das dann selbst zu machen. Aber ich darf halt nicht."

Haug: Zwangsurlaub

"Die Pause stößt mir immer noch übel auf", meinte also Whitmarsh und tröstete sich notgedrungen damit, dass sich zumindest sein Personal ausruhen könne: "Vielleicht ist das ganz gut für die Leute. Wir werden voller Energie, optimistisch und mit neuen Ideen zurückkommen und zusehen, dass wir die anderen einholen."

Unterstützung bekam er vom Leiter des deutschen Silberteams. Auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug hat sich offenbar nicht so recht mit der Unterbrechung angefreundet.

"Das ist eigentlich ein Zwangsurlaub", urteilte Haug, der unter anderem wegen seiner Verpflichtungen in der DTM nicht verreisen will.

Was den mächtigen Schwaben stört: "Gerade wenn man im Aufholprozess ist, will man nicht unterbrechen."

"Erholung tut jedem gut"

Vielleicht passt es da ganz gut, dass beim "deutschen Nationalteam" lediglich noch ein Update angekündigt ist, wie Teamchef Ross Brawn zuletzt ankündigte, und man ansonsten bereits intensiv am Auto für 2011 arbeiten will.

Es ist also keineswegs so, wie Neuling Nico Hülkenberg meinte, der auf dem Hungaroring als Sechster das Ziel erreichte und so sein bisher bestes Resultat einfuhr. "Die Sommerpause stört jeden gleich", sagte der Williams-Fahrer und erntete prompt den Widerspruch von Adrian Sutil.

Er finde die Formel-1-Freizeit schon gut, bemerkte der Force-India-Pilot: "Das Team arbeitet extrem. Das ist ein harter Job für die Ingenieure und Mechaniker, da ist man irgendwann ausgelaugt. Die Erholung tut jedem gut."

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