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Ahnt er schon was? Felipe Massa kaum begeistert in China © getty

Ist es Tiefstapelei oder einfach nur realistisch? Der Ferrari-Pilot mag vor dem Saisonfinale nicht mehr an die WM-Krone denken.

Von Marc Ellerich

München - Die Rollenverteilung vor dem Saisonfinale am kommenden Sonntag auf dem "Autodromo Jose Carlos Pace" in Sao Paulo ist eindeutig: Der große Favorit beim Grand Prix in Interlagos (1. Training, Fr. 13 Uhr LIVE ) sitzt im McLaren-Mercedes.

Lewis Hamilton führt die Fahrer-WM mit 94 Punkten an und hat seinen ersten Weltmeister-Titel zum Greifen nahe.

Sein letzter verbliebener Herausforderer, Ferrari-Pilot Felipe Massa, liegt vor dem letzten Rennen der Saison sieben Zähler hinter dem furiosen Briten. Den Roten bleibt also beim Heimrennen des kleinen Brasilianers lediglich eine Außenseiterchance.

Was passiert, wenn?

Für die Experten birgt diese Konstellation die Gelegenheit für einige spannende Rechenspielchen - Motto: Was passiert wenn?

Für Massa hingegen ist die Angelegenheit vor dem wichtigsten Rennen der Saison angeblich eindeutig.

An die Meisterschaft brauche er vor dem Brasilien-Rennen keine Gedanken mehr zu verschwenden.

"Es liegt nicht mehr in meiner Hand"

Für ihn gebe es beim finalen Auftritt in seiner Heimatstadt vielmehr nur ein Ziel: "Die einzige Sache, an die ich denke, ist zu gewinnen. Darüber hinaus liegt es nicht mehr in meiner Hand. Wir müssen abwarten und zusehen, was und wie viel wir gewonnen haben."

In einer Zwangslage, so behauptet Massa jedenfalls, sehe er sich auf den letzten 71 Runden des Jahres nicht mehr. "Natürlich wird Lewis versuchen, Druck auf mich auszuüben. Aber ich habe null Druck, weil ich nichts mehr zu verlieren habe."

Erinnerung an 2007

Ob Massa die Sache wirklich so entspannt betrachtet, darf durchaus bezweifelt werden. Vermutlich fallen seine Aussagen eher unter die Rubrik Psychospielchen. Denn der Kollege von Noch-Weltmeister Kimi Räikkönen reicht die Bürde umgehend an den Konkurrenten im Silberpfeil weiter.

"Ich habe meine Leute hinter mir, und der ganze Druck wird auf ihm lasten. Besonders wenn man daran denkt, was hier letztes Jahr passiert ist (der WM-Führende Hamilton verlor den Titel beim Saisonfinale an Räikkönen, d. Red.)."

Massa weiter: "Ich kann den letzten Sonntag der Saison kaum abwarten."

Rote Statistik

Die Statistik der vergangenen Jahre unterstreicht Massas optimistische Sicht der Dinge: 2006 triumphierte der Brasilianer bei seinem Heim-GP, und im Vorjahr machte er in Führung liegend Platz für seinen finnischen Teamkollegen und ermöglichte dem "Iceman" so den WM-Triumph.

Gegen Massa sprechen hingegen immer noch die aktuellen Zahlen. Aufgrund seiner komfortablen Führung in der WM-Wertung genügt Hamilton bei einem Sieg Massas ein fünfter Platz, um sich erstmals die Krone in der Königsklasse aufzusetzen.

"Ja, es ist wahr. Mit Blick auf die Punkte habe ich den härteren Job als Lewis", räumte der Brasilianer daher auch ein: "Aber mein Ziel für dieses Wochenende ist viel weitreichender. Ich muss mich nur auf einen Sieg am Sonntagnachmittag konzentrieren."

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