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Geschlagen: Lewis Hamilton trauert 2007 in Sao Paulo © getty

Es war das spannendste Finale der Historie. Gleich drei Piloten hatten 2007 in Brasilien die Chance auf den Titel. Ein Rückblick.

Von Marc Ellerich

München - Es war die erste Saison nach dem Karriereende des deutschen Rekord-Weltmeisters Michael Schumacher, und ihr Finale war an Dramatik nicht zu überbieten.

Der Saisonverlauf war von einem erbitterten Duell im McLaren-Mercedes-Team zwischen dem spanischen Doppel-Weltmeister Fernando Alonso und seinem jungen britischen Kollegen Lewis Hamilton in dessen Premierenjahr in der Formel 1 geprägt gewesen.

Dritter Kandidat im Ringen um den Titel war Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen, dem drei Rennen vor Schluss die schlechtesten Chancen auf die WM-Krone eingeräumt wurden. Nach dem Großen Preis von Belgien, dem viertletzten Grand Prix, führte Hamilton mit 97 Punkten vor seinem Team-Rivalen Alonso (95) und dem finnischen "Iceman", der bei 84 Zählern lag.

Dann nahm das Drama in Japan seinen Anfang.

Wolkenbrüche über Fuji

Der Parcours in Fuji, das nach vielen Jahren wieder in den Formel-1-Kalender zurückgekehrt war, versank in den Wolkenbrüchen des Monsunregens. Hamilton behielt in dem Chaos-GP dennoch die Nerven und gewann.

Sein ärgster Konkurrent Alonso schlitterte in Runde 42 bei Aquaplaning von der Strecke und krachte in eine Mauer. Räikkönen wurde Dritter und wahrte so seine allerletzte Titelchance. Der WM-Stand nach Fuji: Hamilton 107 Punkte, Alonso 95 Punkte, Räikkönen 90 Punkte.

Beim Großen Preis von China in Schanghai, dem vorletzten Saisonlauf, hatte der britische Wonderboy im Silberpfeil seinen ersten Matchball.

Hamilton im Kiesbett

Doch Hamilton und McLaren ließen die große Titelchance aus.

Trotz völlig abgefahrener Hinterreifen ließ sein Team den Briten auf der Strecke - ein Versuch, in der chinesischen Wetterlotterie das große Los zu ziehen. Als der 22-Jährige endlich zum Wechsel beordert wurde, schlitterte der Brite bei der Einfahrt in die Boxengasse von der nassen Strecke und blieb im Kiesbett stecken.

Räikkönen siegte vor Alonso. In der WM-Wertung lag Hamilton zwar weiter in Führung, allerdings war sein Vorsprung auf nur noch vier Punkte auf den spanischen Kollegen geschrumpft. Sieben Zähler trennten ihn von dem Finnen im Ferrari. Alle drei Piloten konnten nun noch Weltmeister werden - eine Konstellation, die es zuletzt 1986 gab.

Massa auf der Pole

Das Saisonfinale auf dem Autodromo Jose Carlos Pace in Sao Paulo wurde endgültig zur Nervensache.

Räikkönens Ferrari-Teamkollege Felipe Massa sicherte sich bei seinem Heimrennen vor Hamilton die Pole-Position. Räikkönen und Alonso starteten als Dritter bzw. Vierter.

Der erste Schock ereilte Hamilton gleich in der ersten Runde: Nach einem Fehler fiel er auf den neunten Platz zurück.

Der falsche Knopf

In Runde zwölf geriet das Rennen, mit dem sich der Brite zum jüngsten Formel-1-Weltmeister der Geschichte krönen wollte, endgültig zum Debakel: Versehentlich drückte er den Knopf für die Startsequenz auf seinem Lenkrad, der Bolide schaltete in die Neutralstellung. Hamilton konnte weder beschleunigen noch schalten und rollte eine halbe Runde ohnmächtig über den Parcours.

Als es ihm schließlich gelungen war, seinen Silberpfeil neu zu starten, war Hamilton auf den letzten Platz durchgereicht worden. Eine furiose Aufholjagd des britischen Shootingstars endete auf dem siebten Platz.

Den Sieg trug Kimi Räikkönen davon, der von der Schützenhilfe des führenden Felipe Massa profitierte. Alonso belegte Platz drei.

Ein Punkt Vorsprung

So schaffte der "Iceman" beim Finale in Brasilien das schier Undenkbare: Mit nur einem Punkt Vorsprung auf die beiden McLaren-Kontrahenten Hamilton und Alonso (jeweils 109 Zähler) setzte sich der Finne in Interlagos erstmals die WM-Krone seines Sports auf.

Ein Verfahren, das die FIA wegen zu niedriger Benzin-Temperaturen bei BMW-Sauber und Williams einleitete, sorgte nach dem Herzschlag-Finale noch einmal für Wirbel. Doch die FIA bestätigte schließlich das Rennergebnis und wies auch einen Einspruch von McLaren-Mercedes ab.

Hamilton lehnte die Titelvergabe am Grünen Tisch ohnehin ab. Seine Niederlage im spannendsten Finale der Formel-1-Geschichte kommentierte er wie ein echter englischer Sportsmann: "Ich bin erst 22 Jahre alt und werde noch viele Gelegenheiten haben, die Weltmeisterschaft zu gewinnen."

Hamilton sollte Recht behalten. Zwölf Monate nach dem K.o. in Brasilien unternimmt er am Sonntag (1. Training, Fr. 13 UhrLIVE ) in Interlagos den zweiten Anlauf auf den Titel.

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