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Champion vor leeren Sitzen: Michael Schumacher in Hockenheim © imago

Umkurvt die PS-Königsklasse demnächst die Heimat von Schumi? Laut einem Medienbericht ist der Grand Prix 2010 massiv gefährdet.

München - Deutschland ohne Formel 1? Eigentlich erscheint dieser Gedanke im Heimatland von Rekord-Weltmeister Michael Schumacher undenkbar.

Doch offenbar ist der Standort massiv in Gefahr.

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ist die nächste Austragung des nächsten Deutschland-Grand-Prix in Hockenheim massiv gefährdet.

Nach einem Bericht des Blattes könnte bereits 2010 kein deutsches Rennen mehr im Formel-1-Rennkalender stehen.

Hohe Verluste

Hintergrund seien die hohen Verluste, welche die PS-Königsklasse hierzulande nach wie vor schreibt.

"Die Stadt Hockenheim wird kaum die sechs Millionen Euro zuschießen, die gebraucht werden, um das nächste Defizit aufzufangen", zitiert die "FAZ" einen Insider.

Der Informant weiter: "Deshalb wird man das Austragungsrecht im Dezember wohl an Bernie Ecclestone zurückgeben müssen."

Nürburgring keine Alternative

Auch die Nürburgring GmbH, die das Rennen im kommenden Jahr ausrichtet, ist offenbar nicht bereit einzuspringen. Nürburgring-Geschäftsführer Walter Kafitz: "Wir planen so, als fände das Rennen in Hockenheim statt."

Dass sich an dieser Haltung etwas ändern könnte, scheint unwahrscheinlich. Zu groß sind die Verluste, welche die Eliteklasse des Motorsports den Veranstaltern hierzulande beschert. Allerdings kann die Nürburgring GmbH diese offenbar kompensieren, da sie die Unterstützung der rheinland-pfälzischen Landespolitik hat.

Hockenheim steht ohne eine solche Förderung da.

Sechs Millionen Minus

Im vergangenen Juli kamen trotz massiver Werbung 60.000 Zuschauer auf die baden-württembergische Rennstrecke. Vielen Fans war ein Besuch des Deutschland-Grand-Prix offenbar zu teuer - am Ende stand laut "FAZ" ein Minus von sechs Millionen Euro zu Buche.

Da die Verluste mit dem PS-Geschäft bereits seit Jahren bestehen, hatten sich die Ausrichter in Hockenheim und die am Nürburgring darauf verständigt, die Formel 1 ab 2007 abwechselnd zu beherbergen.

Haug bestürzt

Wie es aussieht, geht dieses Konzept nicht auf. Eine Entwicklung, die auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug bestürzt.

"Falls dem so ist, dann muss man eine Lösung finden. Es kann doch nicht sein, dass wir im Land des Automobils kein Formel-1-Rennen mehr haben", sagt der Schwabe und rechnet die finanziellen Vorteile des Geschäfts mit den Boliden vor: "Immerhin spült der Umsatz rund um die Formel 1 Steuern in die Kassen. Das ist ein Gewinn, den andere Sportveranstaltungen auf WM-Niveau im Land sicher nicht eingespielt haben."

20 Millionen Miese in Australien

Mit ihren Schwierigkeiten stehen die Deutschen im internationalen Vergleich übrigens nicht alleine da. Auch in anderen Ländern haben die Ausrichter massive Probleme, etwa in Frankreich, Kanada oder der Türkei.

Und zuletzt meldete die Veranstalter des Australien-Grand-Prix in Melbourne, wo die Saison traditionell startet, einen Verlust von 20 Millionen Euro gemeldet, zwei Millionen mehr als im Vorjahr.

Trend weist nach Asien

"Bei der momentanen ökonomischen Situation mit hohen Transport- und Treibstoffkosten ist zu erwarten, dass sich die Verluste jährlich um zehn Prozent erhöhen", erklärte Ron Walker, der Vorsitzende der Australian Grand Prix Cooperation.

Der Trend weist gen Asien. Dort reißen sich Boom-Nationen wie China, Malaysia oder Indien um den Sport.

Und sie sind - anders als die deutschen Ausrichter - mühelos in der Lage die zweistelligen Millionen-Forderungen von Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone zu stemmen.

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