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Ex-Weltmeister Keke Rosberg (l.) mit seinem Sohn Nico © getty

Bei Sport1.de bilanziert Ex-Weltmeister Keke Rosberg die Saison 2008 und blickt in die Zukunft der attraktivsten Motorsportserie.

Von Conny Konzack

München - Früher kam seine Post unter der Adresse: "Keke Rosberg, Campingplatz Zell am See, Österreich" an.

Heute residiert er fürstlich in Monaco, ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und beendet jetzt - kurz vor seinem 60.Geburtstag - seine erste Saison als TV-Kommentator.

Im Sport1.de-Interview bilanziert der in Schweden geborene Finne Keijo Erik Rosberg die Formel-1-Saison 2008

Der Ex-Weltmeister blickt aber auch in die Zukunft der attraktivsten Motorsportserie.

Sport1.de: Keke, wie war Ihre Premiere-Jahr im Fernsehen?

Keke Rosberg: Naja, ich hatte ja schon früher einige Fernsehsendungen mitgemacht, aber es war schon schwierig, weil ich Deutsch ja nicht als Muttersprache habe. Ich habe mir auch keine der Sendungen angesehen - das eigene Bild im TV kommentierte ich mal mit dem deutschen Literaturpapst Reich-Ranitzki. Gruselig! Einfach gruselig!. Positiv überraschend für mich war, wie professionell mich die TV-Kollegen unterstützt haben.

Sport1.de: Ist Lewis Hamilton schon mit Michael Schumacher zu vergleichen?

Rosberg: Nein, auf keinen Fall! Ein Pilot, der sieben WM-Titel geholt hat, ist mit keinem zu vergleichen! Zumal Hamilton ja noch wie ein Junior wirkt. Jeder muss in diesen Job seinen eigenen Weg gehen.

Sport1.de: Haben Sie noch Kontakt zu Michael Schumacher?

Rosberg: Leider nicht. Aber das zeigt mir: Michael scheint den Übergang ins Privatleben sehr gut geschafft zu haben. Mit seinen Motorrad-Rennen scheint er sich noch ein bisschen Spaß zu holen. Ich bewundere diesen Mut und es beweist, dass Michael nicht aus Angst aus der Formel 1 ausgestiegen ist. Sonst würde er ja nicht die noch gefährlicheren Motorradrennen fahren, oder?

Sport1.de: Keke, wie sieht Ihre persönliche Bilanz der Grand-Prix-Saison 2008 aus?

Rosberg: Die beiden starken Favoritenteams McLaren und Ferrari haben erwartungsgemäß dominiert und BMW ist wie geplant näher gerückt. Die drei Teams sind mit Abstand die stärksten. Überrascht hat mich, dass Renault im Laufe Saison immer stärker wurde.

Sport1.de: Hat Ihnen Renault-Chef Flavio Briatore, den Sie auch schon fast ein Viertel Jahrhundert kennen, die Gründe erklärt?

Rosberg: ... das wäre für mich das achte Weltwunder. Der sagt mir doch nichts...! Aber mich hat noch etwas anderes innerhalb des Ferrari-Teams überrascht: die Dominanz von Felipe Massa über Weltmeister Kimi Raikkonen, von dem ich mehr erwartet hätte.

Sport1.de: Und die fünf deutschen Piloten?

Rosberg: Wenn man davon absieht, das Adrian Sutil im Force-India-Team einfach noch nicht die technische Unterstützung hat und er für mich trotz seines großen Talentes deswegen nicht gewertet werden kann, haben alle Deutschen überzeugt: Vor allem der Sebastian Vettel, der war eine Sensation, ihn kann man nicht genug loben. Sein Regen-Sieg von Monza war für mich vor allem deswegen so bemerkenswert, weil er ja bei den Bedingungen mit geringem Flügel fahren musste, was das Fahren ja noch viel schwieriger macht. Und das hat er exzellent gemacht. Der Bursche ist jetzt schon ein Vollprofi! Aber er hat mit dem genialen Adrian Newey ja auch eine bekannte Größe als Autobauer hinter sich. Adrians Fahrer gewinnen immer - egal in welchem Team. Und sehr vorteilhaft für Vettel ist auch das Toro-Rosso-Team. Die gehen einfache Wege, das sind alles Racer im Team.

Sport1.de: Und Nick Heidfeld?

Rosberg: Der hatte eine extrem schwierige Saison, in der auch noch lange um die Weiterführung seines Vertrages bangen musste. Enttäuscht war ich über sein Benehmen gegenüber seinem alten Management um Werner Heinz, ohne den er längst nicht so erfolgreich in der Formel 1 gewesen wäre. Nick sollte eigentlich wissen, wem er was zu verdanken hat und wer seine Erfolge vorbereitet hat.

Sport1.de: Timo Glock holte in jenem Toyota Punkte, mit dem Ralf Schumacher in den Jahren vorher überhaupt nicht erfolgreich war. Ist das nicht eine nachträgliche Ohrfeige für Ralf?

Rosberg: So weit würde ich nicht gehen. Glock braucht zu Anfang der Saison auch viel Zeit - bis er dann plötzlich explodierte und sein Können bewies. Ein guter Mann mit Perspektiven.

Hier geht's zum 2. Teil des Interviews

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