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Branson wurde 1999 für seine unternehmer- ischen Leistungen zum Ritter geschlagen © getty

Richard Branson spricht sich für eine Abschaffung der Blauen Flaggen aus. Der Sport würde zu einer "Farce" verkommen.

Von Julian Meißner

München - Privat fliegt er gerne mit dem Heißluftballon, beruflich schickt er neben unzähligen anderen Geschäftsideen Touristen ins Weltall - man kann Richard Branson wahrlich nicht vorwerfen, dass er ein gewöhnlicher oder gar langweiliger Typ ist.

Mitunter eckt der britische Boss des Virgin-Konzerns, der sich seit dieser Saison mit dem Team um den deutschen Piloten Timo Glock auch ein Formel-1-Team als Spielzeug leistet, sogar an.

Seine jüngsten Äußerungen dürften beim Establishment der PS-Liga jedenfalls kaum auf Gegenliebe stoßen.

Nach Lotus-Teamchef Tony Fernandes hat sich der Milliardär als zweiter einflussreicher Manager in der Formel 1 für eine Abschaffung der Blauen Flaggen ausgesprochen.

"Farce" statt Racing

"Ohne die Blauen Flaggen hätten wir wesentlich mehr Spaß", erklärte der Brite, dessen Piloten Glock und Lucas di Grassi im unterlegenen Boliden des Newcomer-Teams regelmäßig den Fahrern der arrivierten Rennställe Platz machen müssen, wenn sie überrundet werden.

"Ich bin sicher, die etablierten Teams würden es nicht mögen", gab Branson zu und fügte an: "Aber es ist eine Rennstrecke, da sollte niemand zur Seite fahren müssen."

So würde der Sport zu einer "Farce" verkommen. Fernandes hatte sich schon zu Anfang der Saison ähnlich geäußert.

Massive Leistungsunterschiede

Ein Fahrer muss nach dem aktuellen Reglement das Auto hinter sich spätestens nach der dritten gezeigten Blauen Flagge passieren lassen, andernfalls riskiert er eine Bestrafung. Seit 2001 werden Blaue Flaggen in der Formel 1 geschwenkt.

Doch selten waren die Leistungsunterschiede zwischen den Teams so groß wie 2010, als zu Anfang der Saison mit Virgin, Hispania und Lotus gleich drei Neulinge zum Feld dazu stießen.

Etwa drei Sekunden pro Runde liegen die Hinterbänkler im Normalfall hinter der Spitze.

Fokus auf den Rückspiegel

Virgin-Geschäftsführer Graeme Lowdon beschwert sich: "Wir bekommen die Flaggen schon, wenn der Gegner noch drei Sekunden weg ist, müssen aber innerhalb der nächsten vier Kurven Platz machen. Dabei sind drei Sekunden ungefähr eine Runde."

Es gebe Situationen, wo die Verfolger überhaupt nicht in dem Maße aufholten, dass ihnen Platz gemacht werden müsste. Die Blauen Flaggen würden viel zu früh gezeigt.

Auch die Fahrer der drei neuen Teams, die im Qualifying in steter Regelmäßigkeit die letzten sechs Plätze unter sich ausfahren, beklagen sich mitunter, dass sie im Rennen mehr in den Rückspiegel als auf die Strecke schauen würden.

FOTA ist skeptisch

"Man kann dem Langsamen zwar sagen, er soll Platz machen, aber man kann den Fahrer dahinter nicht schneller machen", so Lowdon, der sich sicher ist: "Das hat uns schon manches Rennen ruiniert."

Fernandes hat das Thema offenbar schon in einer Sitzung der Teamvereinigung FOTA zur Sprache gebracht - die Reaktionen sollen jedoch, gelinde gesagt, zurückhaltend gewesen sein. Für eine Regeländerung müsste er eine Mehrheit von 70 Prozent hinter sich haben.

Mit Branson hat er immerhin einen prominenten Mitstreiter gefunden.

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