vergrößernverkleinern
Ein Fünfter Platz reicht Hamilton zum Titelgewinn in Sao Paulo © imago

Nach einem enttäuschenden Qualifying betont das McLaren-Mercedes-Lager um Lewis Hamilton seine Zuversicht für den Titelshowdown.

Von Manuel Krons

München - Als Felipe Massa am Samstagnachmittag das letzte Mal über den Zielstrich im Autodromo Carlos Pace fuhr, da gab es auf dem Rängen kein Halten mehr.

Mit infernalischem Jubel feierten die 100.000 Fans in Sao Paulo die Pole Position ihres brasilianischen Landsmannes, dem damit im WM-Duell mit Lewis Hamilton ein Befreiungsschlag gelungen war.

"Die Fans hier sind unglaublich. Vor diesen Zuschauern zum dritten Mal auf die Pole zu fahren, das ist 100 Prozent Emotion", sagte der 1,66 kleine Ferrari-Pilot überwältigt.

Die dritte Pole in Folge auf heimischem Boden lässt Massa vor dem Titelshowdown (Sonntag ab 17.45 Uhr LIVE) auf einer Euphorie-Welle schwimmen und versetzt ihn unverhofft in eine aussichtsreiche Lage.

Hamilton trotz Platz vier gelassen

Daran hatte McLaren-Mercedes Titelrivale Hamilton großen Anteil: Offenbar mit reichlich Sprit an Bord, lenkte der Brite seinen Silberpfeil in Interlagos lediglich auf Position vier.

Jarno Trulli (Toyota) und Massa-Teamkollge Kimi Räikkönen landeten in der Startaufstellung noch vor dem Youngster.

Doch der 23-Jährige gab sich ob der Ausgangsposition für das Rennen höchst gelassen. "Ich muss nichts Spektakuläres machen, ich muss nur das Auto nach Hause fahren und ein paar Punkte holen", sagte der WM-Spitzenreiter (94 Punkte).

Rang fünf würde für Hamilton reichen

Bei sieben Punkten Vorsprung auf Massa (87) reicht ihm beim finalen Grand Prix in der Tat der fünfte Rang, um sich zum jüngsten Weltmeister der Formel-1-Geschichte zu küren.

"Natürlich wäre es schöner etwas weiter vorne zu stehen, aber mit unserer Strategie ist es ein gutes Ergebnis", betonte er seine Zuversicht.

"Ganz einfach Hirn"

Auch Norbert Haug war angesichts der Startplätze vier und fünf geradezu begeistert: "Wunderbar. Zweite und dritte Reihe ist für beide Fahrer eine gute Ausgangsposition", sagte der Mercedes-Motorsportchef.

Heikki Kovalainen und Hamilton mit viel Sprit ins Rennen zu schicken, sei keine übertriebene Vorsichtsmaßnahme, sondern einfach eine Frage des Verstandes: "Ganz einfach Hirn. Das muss man haben. Ich glaube nicht, dass wir da pokern sollten", verteidigte Haug die Marschroute seines Teams. "Wenn wir einen gescheiten Start hinkriegen, dann fahren wir das morgen nach Hause."

Wird Räikkönen zu Hamiltons Albtraum?

Bei allen Zuversichtsbekundungen dürfte man beim britisch-deutschen Rennstall die Blamage aus dem Vorjahr noch nicht vergessen haben. Damals verspielte Hamilton ebenfalls beim Finale in Brasilien einen Sieben-Punkte-Vorsprung und machte damit den Weg zum Titel für Massas Teamkollegen Kimi Räikkönen frei.

Eben dieser Räikkönen startet morgen neben Hamilton in Reihe zwei und könnte erneut zum Albtraum des Briten werden.

Der finnische "Iceman" hat nichts mehr zu verlieren und klingt daher angrifflustig: "Ich bin in einer guten Position, ich starte lieber von Platz drei als zwei, dass ist optimal für den Start."

Druck und Alonso im Nacken

Nicht zuletzt deshalb könnte man der demonstrativen Gelassenheit des Hamilton-Lagers misstrauen. Auch im vergangenen Jahr hatte Hamilton beim Showdown keine Miene verzogen. Erst neulich gestand er, der Druck habe ihn belastet.

Die Furcht vor einem selbstverschuldeten Deja-vu dürfte McLaren-Mercedes ebenso Nacken sitzen wie der einstige Teamrivale Fernando Alonso. Der startet am Sonntag direkt hinter dem Duo Hamilton/Kovalainen von Rang fünf.

Angst vor dem Abschuss

Die Silberpfeile treibt seit Wochen die Angst vor einem Abschuss um. "Ich hoffe, dass die Alonsos, die angekündigt haben, was alles passieren wird, sich so aufführen werden, wie sich das gehört", appelliert Haug an den Spanier.

Man müsse mit einer derartigen Aktion rechnen, so seine Vorahnung. Doch wenn jemand mutwillig rausgeworfen werde, sei der so errungene Titel "nichts wert."

Wer den frenetischen Jubel der Ferrari-Fans in Sao Paulo gehört hat, könnte allerdings glauben, dieser "roten Wand" wäre für einen Massa-Sieg nahezu jedes Mittel recht.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel