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Sebastian Vettel tritt bei Red Bull die Nachfolge David Coulthards an © imago

Vier Deutsche schafften es 2008 aufs Treppchen, einer ganz nach oben: Eine neue Zeitrechnung nach Michael Schumacher ist eingeläutet.

Sao Paulo - Nie waren sie so schnell wie heute: Angeführt von einem fabelhaften Sebastian Vettel hat die Formel Deutsch 2008 für einige Sternstunden gesorgt.

Vettels sensationeller Sieg im Regen von Monza war die Krönung und läutete endgültig eine neue Zeitrechnung in der Ära nach Michael Schumacher ein.

Nick Heidfeld (BMW-Sauber), Timo Glock (Toyota) und Nico Rosberg (Williams) schafften alle den Sprung aufs Treppchen, jeweils zweite Plätze konnten sich sehen lassen.

Adrian Sutil stand im unterlegenen Force India auf verlorenem Posten und war das deutsche Schlusslicht.

Vettel gibt einen aus

"Es war eine sehr gute Saison für uns, Monza wird das Highlight bleiben", sagte der 21-jährige Vettel, der Toro Rosso verlässt und 2009 für das Schwesterteam Red Bull fährt.

Vor dem Saisonfinale hat er das ganze Team in Sao Paulo zum Abschiedsessen eingeladen. Ein bewegender Moment für den Heppenheimer.

"Es wird ein weinendes Auge geben, wenn ich das Team dann wirklich verlasse", sagte Vettel, der sich dann im Rennen noch mit einem hervorragenden vierten Platz verabschiedete und mit 35 Punkten in der WM-Wertung Rang acht belegte.

Mit Lob überhäuft

Kein Geringerer als der siebenmalige Weltmeister Schumacher sieht in Vettel einen kommenden Champion, im Fahrerlager wird "Bubi-Schumi" mit Lob nur so überhäuft.

"Er ist die Sensation. Sein Talent, seine natürliche Art, mit dem Rennsport umzugehen, und seine Freude an der Sache - wenn Sebastian so weitermacht, kann er mal ein ganz Großer werden", sagt der dreimalige Formel-1-Weltmeister Niki Lauda. Und TV-Experte Christian Danner ist sicher: "Mittelfristig fährt er um die WM mit."

Blaues Auge für Heidfeld

Heidfeld kam nach einer Achterbahnfahrt mit einem blauen Auge davon.

Der Mönchengladbacher stand im Schatten seines schnelleren Teamkollegen Robert Kubica (Polen), sogar sein Arbeitsplatz geriet zwischenzeitlich in Gefahr.

BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen sprach seinem Piloten dann aber doch das Vertrauen aus.

"Mein schwierigstes Jahr"

Heidfeld will nichts beschönigen. "In Bezug auf das, was ich teilweise aus dem Auto rausholen konnte, war es mein schwierigstes Jahr. Vielleicht nicht nur in der Formel 1, sondern seit ich mit dem Motorsport angefangen habe", sagte der Mönchengladbacher und sparte nicht mit Selbstkritik: "Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich jemals so schwergetan hätte."

Doch es gab ein Happy End: "Ich bin gegen Saisonende doch zufrieden, weil ich aus einer schwierigen Situation wieder gut rausgekommen bin."

Licht und Schatten bei Rosberg

Auch bei Rosberg gab es Licht und Schatten, er selbst, so sagt er, habe sich deutlich mehr erhofft. Nach den ersten drei WM-Rennen lag Williams noch vor Renault und war beim WM-Auftakt in Melbourne das viertbeste Team.

Rosberg wirkt ratlos: "Dann ist unsere Entwicklung in die falsche Richtung gegangen." Seine Sternstunde erlebte er beim Nachtrennen in Singapur, wo er mit einem zweiten Platz das beste Ergebnis seiner Karriere feierte.

Glock: "Ein Genuss"

Erstaunliches leistete Glock bei Toyota, Highlight war der zweite Platz in Ungarn.

"Mein erstes Jahr bei Toyota war für mich ein Genuss. Das Team hat hinter mir gestanden, wir haben gemeinsam Höhen und Tiefen verarbeitet und uns nach oben entwickelt", sagte der 26-Jährige.

"Timo hat mich immer wieder überrascht. Er war für mich hinter Vettel der deutsche Fahrer, der am meisten gezeigt hat", lobt Lauda. Danner rät Glock: "Für Timo sehe ich eine sehr gute Zukunft, und im Moment ist er gut beraten, wenn er da bleibt, wo er ist."

Sutil zahlt Lehrgeld

Was die Ergebnisse betrifft, stand Sutil klar im Schatten der vier deutschen Kollegen. Keine Punkte, viele Aufälle, Lehrgeld bezahlt.

"Es überwiegen leider die negativen Momente", gibt Sutil zu. Ausnahme war der Monaco-Grand-Prix. Da lag er auf Platz vier, dann schoss ihn Weltmeister Kimi Räikkönen von der Strecke.

Er habe sich auf ein schwieriges Jahr eingestellt, sagt Sutil, dann habe es plötzlich gar nicht so schlecht ausgesehen: "Doch der Trend ging leider nach unten, bis wir das stufenlose Getriebe eingeführt haben."

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