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Lewis Hamilton sichert sich mit einem Punkt Vorsprung den WM-Titel © imago

Der McLaren-Mercedes-Youngster scheibt in Sao Paulo Geschichte und sichert sich als jüngster Fahrer der Geschichte den WM-Titel.

Von Manuel Krons

München - Die Schlussminuten auf der Rennstrecke von Interlagos waren nichts für schwache Nerven: Auf der Schlussrunde schlug das Pendel zwischen Sieg und Niederlage, zwischen McLaren oder Ferrari, dramatisch hin und her.

Und es war gewiss keine Untertreibung, was WM-Sieger Lewis Hamilton nach dem Regen-Krimi von Sao Paulo sagte: "Es war das intensivste Rennen meines Lebens, ich war kurz davor verrückt zu werden", sagte der überglückliche Brite, der mit nur einem Punkt Vorsprung (98:97) auf seinen Rivalen Felipe Massa den Titel holte.

Dass seine Krönung zum jüngsten Formel-1-Weltmeister aller Zeiten derart dramatisch verlief, daran hatten zwei deutsche Piloten den größten Anteil.

Schlüsselfiguren im Drama

Sebastian Vettel und Timo Glock wurden auf den letzten Metern des 18. Saisonrennens zu Schlüsselfiguren im Drama um die WM-Krone.

Eine Runde vor Schluss zog Vettel im Toro Rosso plötzlich am Silberpfeil von Hamilton vorbei - und schickte sich an, die Titelträume von McLaren-Mercedes zu zerschmettern. "Ich konnte es nicht glauben", so Hamilton. "Vettel war genauso schnell wie ich, wenn nicht schneller."

Die Hoffnungen des britisch-deutschen Rennstalls schienen mit dem deutschen Youngster davon zu fahren.

"Es war unglaublich"

Erst wenige Meter vor dem Zielstrich brachte das Toyota-Team die unfreiwillige Rettung. Aufgrund eines Fehlers beim Reifenpoker war der an Position fünf fahrende Glock für Hamilton die erhoffte Beute und der Schlüssel zum Sieg.

"In der letzten Kurve habe ich es geschaft an Timo vorbeizufahren, es war unglaublich. Ich kann nur Gott danken."

Den Verdacht der unerlaubten Schützenhilfe wehrte Glock ab: "Mit Absicht habe ich sicher keinen vorbeigelassen. Am Ende des Rennens war ich auf Trockenreifen unterwegs als es stark regnete. Das Auto war unfahrbar, ich hatte einfach keine Chance", erklärte der Hesse seinen erheblichen Geschwindigkeitsverlust.

Tränen bei Ferrari

Für Ferrari war Glocks Dilemma ein Stich ins fast schon vor Freude hüpfende Herz. Nicht alle in der Ferrari-Box hatten im atemberaubenden Finale Hamiltons Last-Minute-Manöver realisiert und wollten schon in Jubelschreie ausbrechen.

Tränen der Enttäuschung bahnten sich ob des knappen Titelverlustes nicht nur bei Grand-Prix-Sieger Massa ihren Weg. "Ich bin sehr erschüttert. Wir haben gesehen, wie Lewis an Glock vorbei ging, da sind wirklich viele Emotionen hoch gekommen", sagte er.

Erfolg gegen alle Widerstände

Besonders McLaren-Boss Ron Dennis war nach dem wohl dramatischsten Finale aller Zeiten die Erleichterung anzumerken, es endlich geschafft zu haben. "Es war ein hartes Jahr, wir genießen jetzt einfach nur den Moment", sagte er nach dem ersten Titel in der Fahrer-WM seit neun Jahren für sein Team.

Für Norbert Haug war der "verdiente Titel" auch ein Erfolg gegen alle Widerstände: "Für uns ist keiner gefahren, auch nicht unsere deutschen Freunde."

Allerdings: Bei im Köln ansässigen Toyota-Team und Timo Glock dürfte er sich kaum beschweren können.

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