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Sebastian Vettel fährt seit 2007 in der Formel1, Timo Glock seit 2004 © imago

Die Rollen von zwei deutschen Piloten in Sao Paulo waren klar verteilt. Gegen Glock werden heftige Vorwürfe laut.

Von Andreas Kloo

München/Sao Paulo - England hat einen neuen Nationalhelden, Brasilien feiert einen Weltmeister der Herzen, doch auch die deutschen Formel-1-Piloten bekleideten im spannenden Krimi von Sao Paulo Schlüsselpositionen.

Die Rolle des Guten und des Bösen waren dabei recht eindeutig verteilt. Sebastian Vettel heimste allerorten Anerkennung für seine erfolgreiche Attacke gegen Lewis Hamilton in der vorletzten Runde ein.

"Meisterliches Überholen von Vettel ", lobte beispielsweise die spanische Sportzeitung "Marca" das Manöver des deutschen Youngsters.

"Bin mein eigenes Rennen gefahren"

Vettel selbst hatte über seine Aktion während des Rennens nicht groß nachgedacht: "Ich habe nur versucht, so viel Gas zu geben wie möglich und so viele Autos zu überholen wie ich kann", erzählte der 21-Jährige hinterher.

Irgendwelche Skrupel, Lewis Hamilton möglicherweise um den WM-Titel zu bringen, verspürte Vettel nach eigener Aussage nicht: "Am Ende fuhr ich gegen Lewis. Und am Anfang fuhr ich zeitweise gegen Felipe. Und wenn ich eine Chance gehabt hätte, Felipe zu überholen, hätte ich es getan. Ich bin mein eigenes Rennen und nur für mich selbst gefahren."

Genau diese Einstellung, ohne Rücksicht auf Interessen anderer sein eigenes Ding durchzuziehen, erinnert an Rekordweltmeister Michael Schumacher. Erneut deutete Vettel an, einmal in die Fußstapfen des bislang besten deutschen Formel1-Piloten treten zu können.

Stellt sich nur die Frage, ob er an die Leistungen dieser Saison auch nach dem Wechsel zu Red Bull anknüpfen kann.

Vorwürfe aus Italien und Spanien

Die ungeliebte Rolle des bösen Buben übernahm Toyota-Pilot Timo Glock. Er musste sich heftige Vorwürfe gefallen lassen, nachdem er Hamilton in der letzten Runde ziehen ließ.

Vom Kurs in Interlagos flüchtete der 26-Jährige vorsichtshalber in einem Brasilien-Trikot, um nicht das Opfer wütender Massa-Fans zu werden.

"Glock schenkt Hamilton den Sieg", schreibt die italienische Zeitung "Il Messagero" unverblümt. Noch konkretere Vorwürfe erhebt das spanische Blatt "As": "Wir werden nie erfahren, ob es Absicht war, ob Glock sich zu einem Freund von Hamilton machen wollte oder ob noch Schlimmeres dahinter steckte." Mit Schlimmerem ist wohl Bestechung gemeint.

Fans blockieren Toyota-Box

Doch sofort nach dem Rennen wehrte sich Glock gegen derartige Vorwürfe: "Ich habe definitiv den Platz nicht Lewis überlassen. Wenn man sich die Rundenzeiten anschaut, dann fuhr ich in der Runde zuvor eine 1:28. Meine letzte Runde war eine 1:48 ? es war einfach nicht mehr fahrbar."

Wie sein Teamkollege Jarno Trulli ging Glock trotz des einsetzenden Regens volles Risiko und wechselte nicht auf Regenreifen. Offenbar wollte der 26-Jährige vor der letzten Runde noch an die Box. Aber da war es schon zu spät.

"Das Team sagte, dass dies nicht möglich ist, weil die Boxengasse durch Fans blockiert war. Wir hätten auch mehr Zeit verloren, aus diesem Grund entschieden wir uns uns dazu, auf der Strecke zu bleiben", berichtet Glock. Vor allem für Massa hatte diese Entscheidung verhängnisvolle Folgen.

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