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Bernie Ecclestone polarisiert immer wieder mit seiner anti-demokratischen Haltung © getty

Was auf dem Pausenhof mit Radiergummis begann, führte zu dem, was Bernie Ecclestone bis heute ist: Der Herrscher über die Formel 1.

München - "Big Bernie" oder ganz einfach "Mr. E" - allein seine Spitznamen zeigen schon, dass Charles Bernard Ecclestone ein ganz Großer ist.

Der nur 1,58 Meter große Brite machte die Formel 1 quasi im Alleingang zu einem gigantischen Wirtschaftsunternehmen - heute ist der PS-Zirkus das drittgrößte Sportereignis weltweit nach Olympischen Spielen und Fußball-WM.

Kein Wunder, dass die Liste der Gratulanten riesig sein wird, wenn Bernie Ecclestone am Donnerstag seinen 80. Geburtstag feiert.

"Unglaublich, dass Bernie schon 80 wird. Wenn man ihn im Fahrerlager trifft, ist es wie immer - man hat das Gefühl, er sei seit 20 Jahren nicht älter geworden", sagt Rekordweltmeister Michael Schumacher.

Vettels Geschenk: Rollator in Red-Bull-Optik

Auch Sebastian Vettel, aktuell Ecclestones Liebling, ist fasziniert von dessen unglaublicher Vitalität.

"Bei Bernie muss man ein bisschen aufpassen. Wenn man ihn anfangs nicht so gut kennt, nimmt er einen gerne auf die Schippe. Mit der Zeit lernt man ihn dann besser kennen und darf auch mal zurückschießen", sagt Vettel, der Ecclestone zum Geburtstag einen Rollator in Red-Bull-Optik schenkte.

Mercedes-Sportchef Norbert Haug wünscht dem kleinen Mann mit dem großen Herz für Schwächere "weiter unbändige Lust am Geldverdienen".

Radiergummis, Autos, Immobilien

Damit hatte Ecclestone einst schon auf dem Schulhof angefangen, als er seinen Mitschülern Radiergummis und Brötchen verkaufte.

Für ihn selbst begann seine berufliche Karriere als Gebrauchtwagenhändler in London.

In diesem Job sollte er auf einem Parkplatz binnen Sekunden den Gesamtwert von 500 Autos errechnen. Seine ersten Millionen machte er als Immobilienmakler.

Schwerer Unfall in der Formel 3

Erste Kontakte zum Motorsport hatte er schon im Alter von 16 Jahren, damals als Co-Pilot von Seitenwagen-Weltmeister Eric Oliver.

1957 kaufte er den maroden Connaught-Rennstall und fuhr in Monaco selbst Formel 1, verpasste als 17. die Qualifikation jedoch um einen Platz. Nach einem schweren Formel-3-Unfall in Brands Hatch gab Ecclestone seine Rennfahrerlaufbahn auf.

Steil aufwärts ab 1971

Als Berater von Jochen Rindt kehrte Ecclestone 1966 in die Formel 1 zurück und musste 1970 zuerst Rindts tödlichen Unfall in Monza und danach dessen posthume Ehrung zum Weltmeister erleben.

Mr. E's steiler Aufstieg in der PS-Branche begann dann 1971, als er eine bis dahin bunte Truppe von Rennstallbesitzern zur Formula One Constructors Association (FOCA) vereinigte.

Lob der TV-Experten

"Die Formel 1 ist Bernies größte Errungenschaft, denn die hat er schon kapiert, als sie noch ein Sauhaufen war", sagt der frühere Formel-1-Pilot und heutige TV-Experte Christian Danner.

Sein Kollege Marc Surer, ebenfalls früherer Formel-1-Pilot und sogar einmal Fahrer in Ecclestones Brabham-Team, sieht das ähnlich.

"Die Teams glauben einfach, dass er derjenige ist, der für sie am meisten herausholt und am meisten für sie kämpft. Deswegen haben sie am Anfang, als er noch selber ein Team hatte, ihn immer machen lassen", sagt Surer.

Lizenz zum Gelddrucken

Zum absoluten Herrscher über die Formel 1 machte Ecclestone dann der Kauf der Fernsehrechte im Jahr 1978, es wurde für ihn die Lizenz zum Gelddrucken.

Neben den Verträgen mit den verschiedenen TV-Sendern handelt Ecclestone unter anderem auch die mit den Rennstrecken aus. Inzwischen hat er den Kalender auf 20 Rennen ausgedehnt, im nächsten Jahr fährt sein Zirkus erstmals in Indien, 2012 wieder in den USA.

Und erst vor wenigen Tagen schloss Ecclestone mit Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin einen Siebenjahresvertrag ab 2014 über Rennen in der künftigen Olympiastadt Sotschi ab.

Nachfolger in weiter Ferne

Einen Nachfolger hat Ecclestone, der den heutigen FIA-Präsidenten Jean Todt einst an Ferrari vermittelte, noch nicht gefunden.

Nach einem Gebrauchtwagenhändler müsse man suchen, sagt der Mann, der stets alle Fäden selbst in der Hand hält und oft für Aufregung sorgt.

Meetings sind für ihn "unnötige Zeitverschwendung, erdacht von Menschen, deren Hobby es ist, in Meetings zu sitzen. Ich hätte gerne die Mineralwasser-Konzession dafür. Steinreich würde ich werden."

670 Millionen Euro teure Scheidung

Am liebsten würde der Brite, der nach der 670 Millionen Euro teuren Scheidung von seiner Ehefrau Slavica, mit der er die Töchter Tamara (26) und Petra (22) hat, jetzt mit der 34 Jahre alten Brasilianerin Fabiana liiert ist, ewig weiterarbeiten.

"Ich plane gerade, wann es Zeit wäre, zu gehen: vielleicht in 30 Jahren oder so", sagte er einmal.

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