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Safety-Car-Pilot Bernd Mayländer fuhr in Südkorea mit 24 Runden persönlichen Rekord © imago

Safety-Car-Pilot Bernd Mayländer spricht im Interview der Woche über den Korea-GP, die Tücken des Jobs und den WM-Kampf.

Von Andreas Kloo

München - Bernd Mayländer ist aus der Formel 1 kaum noch wegzudenken. Seit zehn Jahren schon greift der ehemalige DTM-Pilot aus Waiblingen in der Königsklasse immer dann ins Lenkrad, wenn's dort brenzlig wird.

Als Fahrer des Safety-Cars der Formel 1 ist der 39-Jährige einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Zuletzt hatte Mayländer beim chaotischen Grand Prix in Südkorea seinen großen Auftritt, wegen des sintflutartigen Regens war der schnelle Schwabe in Yeongam im Dauereinsatz. (303285DIASHOW: Der Grand Prix in Yeongam)

Für ihn ging der 16 Grand Prix mit einem persönlichen Rekord zu Ende: Mit 24 Runden im Safety-Car durchbrach er seine alte Bestmarke aus dem Jahr 2007, erzielt beim Japan-GP in Fuji. "Ich habe aber leider keine Trophäe bekommen", scherzt Mayländer.

Im Interview der Woche spricht er über das turbulente Rennen, die Tücken seines Jobs und er riskiert einen Weltmeister-Tipp.

SPORT1: Das Rennen in Südkorea war für Sie sehr actionreich. Fühlen Sie sich jetzt fast schon als Formel-1-Fahrer, nachdem Sie fast das gesamte Rennen vor dem Feld hergefahren sind?

Bernd Mayländer: Der Südkorea-GP war von Anfang an sehr spektakulär. Es ist viel darüber geschrieben worden, dass die Strecke nicht fertig werden würde und so weiter, aber die Strecke und die Boxen waren eines Grand Prix' absolut würdig.

SPORT1: Was können Sie zum Asphalt sagen?

Mayländer: Auch hier wurde viel spekuliert. Fakt war, dass der Asphalt in Ordnung war. Das Rennen wurde nach drei Runden unterbrochen, weil die Sicht einfach viel zu schlecht war. Es war, als ob Sie in eine Nebelwand reinfahren würden.

SPORT1: Sie fanden die Entscheidungen der Rennleitung also völlig richtig?

Mayländer: Ja, absolut. Ich habe mit einigen Fahrern gesprochen, sie haben alle gesagt, dass es gar keine andere Möglichkeit gegeben hätte. Von daher waren alle Entscheidungen des Wochenendes hundertprozentig richtig. Die Sicherheit hat immer Vorrang.

[kaltura id="0_dnuokcxq" class="full_size" title="Die Strecke in Interlagos"]

SPORT1: Haben Sie ein Mitspracherecht bei diesen Entscheidungen?

Mayländer: Ich kann immer nur meine Empfehlungen aus dem Safety-Car aussprechen. Ich kann aber nur über mein Empfinden im Auto berichten, zum Beispiel wie sich das Aquaplaning in meinem Auto auswirkt. Ich weiß natürlich nicht, wie es sich in den Autos hinter mir anfühlt. Deshalb spricht die Rennleitung auch immer mit den Teams, um auch die Meinung der Fahrer zu berücksichtigen.

SPORT1: Haben Sie ein solch chaotisches Rennen schon einmal erlebt?

Mayländer: Es gab mal ein ähnliches Rennen, was die Witterungsbedingungen angeht. Im Jahr 2007 in Fuji habe ich das Rennen insgesamt ebenfalls 24 Runden angeführt. Korea ist aber mein neuer Kilometer-Rekord, denn die Strecke ist länger. Und ich war länger an der Spitze als Sebastian Vettel oder Fernando Alonso! Ich habe aber leider keine Trophäe bekommen.

SPORT1: Welche Strecke ist eigentlich Ihr Favorit im Rennkalender?

Mayländer: Das ist schwierig zu sagen. Ich bin ein großer Fan von Suzuka. Das ist eine relativ alte Strecke mit vielen schönen Abschnitten, schnellen Kurven, aber auch einer langsamen Haarnadel-Schikane. Suzuka ist für mich die tollste Rennstrecke, auch weil ich in den 90ern dort Rennen gefahren bin und gute Erinnerungen habe. Trotzdem ist auch Südkorea eine ganz tolle Strecke mit vielen fahrerischen Herausforderungen. Die beiden Rennen, die noch kommen, sind ebenfalls nicht zu verachten. Brasilien ist einfach sehr schön. Die Strecke ist sehr hügelig und die Fans sind einmalig.

SPORT1: Gibt es denn auch eine Strecke, die für Sie als Safety-Car-Fahrer besonders schwierig ist?

Mayländer: Besonders schwer sind die engen Strecken. Monte Carlo ist wohl das Paradebeispiel. Dort gibt es keine Auslaufzonen, und jeder Fehler wird sofort bestraft. Ich fahre natürlich nicht um Sieg und Pokale, trotzdem kann ich mich auch mal vertun, auch wenn mir so etwas in den letzten elf Jahren zum Glück nicht passiert ist. Im Normalfall schieße ich mich donnerstags auf die jeweilige Strecke ein und suche das Limit des Autos, aber in Monaco ist das nicht möglich. Ich gehe dort schon mit viel Respekt zu Werke.

SPORT1: Es stehen noch zwei Rennen an. Wer ist denn aus Ihrer Sicht der heißeste Titelkandidat? (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer)

Mayländer: Wenn ich nur den Punktestand anschaue, dann ist es natürlich Fernando Alonso. Er ist bereits zweifacher Weltmeister und weiß mit dem Druck umzugehen. Mark Webber gebe ich aber auch noch gute Chancen. Auf den nächsten zwei Strecken sind Ferrari und Red Bull sicherlich gut aufgestellt, so dass selbst Sebastian Vettel zumindest nicht völlig chancenlos ist. Fakt ist, dass man voll auf Sieg fahren muss, wenn man Weltmeister werden will. Fernando Alonso hat dabei die besten Karten.

SPORT1: Gibt es jemanden, dem Sie besonders die Daumen drücken?

Mayländer: Ich bin relativ neutral. Ich möchte ein tolles und spannendes Rennen sehen. Ich würde es Fernando Alonso genauso gönnen, wie jedem anderen Fahrer. Er hat schon zwei Titel geholt und ist dieses Jahr immer drangeblieben. Trotzdem ist es doch ganz klar, dass bei mir auch ein deutsches Herz schlägt. Ich kenne Sebastian schon sehr lange, seit der Formel BMW, und habe immer verfolgt wie er sich hochgearbeitet hat. Er ist ein absoluter Sympathieträger und ein toller Typ als Mensch und Fahrer. Mark Webber war bei Mercedes mein Teamkollege in der FIA-GT-Meisterschaft. Ihm würde ich es genauso gönnen.

SPORT1: Sie haben Mercedes gerade angesprochen. Das Safety-Car kommt auch aus Stuttgart. Haben Sie eigentlich noch eine spezielle Beziehung zu Mercedes?

Mayländer: Ich bin, seit ich 2005 aufgehört habe Rennen zu fahren, als Markenbotschafter von Mercedes unterwegs. Ich kenne alle Mercedes-Leute und Fahrer, und ich würde mich freuen, wenn Schumi oder Nico Rosberg Siege einfahren würden. Das ist aber auch schon alles, denn an den Formel-1-Wochenenden geht für mich ein reibungsloses Rennen vor.

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