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Timo Glock gewann 2007 in seiner zweiten Saison die GP2. © getty

Er schüttelte Räikkönen souverän ab, fuhr das erste Mal aufs Podium und legte anschließend sogar seine Zurückhaltung ab.

Budapest - "Das ist unglaublich", jubelte Timo Glock nach seinem zweiten Platz beim Großen Preis von Ungarn in Budapest.

Dort nutzte er die Gunst der Stunde und sich selbst dem Angriff Raikkönens erwehrte.

"Das Auto lief einfach perfekt. Aber nach der Hälfte der ersten Saison schon aufs Podium zu fahren, ist einfach super", meinte der 26-Jährige auf der Pressekonferenz.

In der Box seines Teams wurde unterdessen "Viva Colonia" angestimmt.

Nicht nur für den dreimaligen Weltmeister Niki Lauda war das ein Befreiungsschlag der deutschen Hoffnung.

"Perfekt gemacht"

"Er hat Platz zwei souverän gegen Kimi heimgefahren und damit bewiesen, was für ein Guter er ist. Das hat er perfekt gemacht", sagte Lauda.

"Ich wusste, dass es sehr schwierig ist, hier zu überholen und musste einfach sehen, keine Fehler mehr zu machen", sagte Glock scheinbar gelassen, obwohl ich "mit meinem letzten Reifensatz unter Druck geraten bin".

Glock "saugut"

Schon nach Glocks fünftem Platz im Qualifying waren die Reaktionen geradezu euphorisch ausgefallen, wie eine Umfrage des Sport-Informations-Dienstes (sid) im Fahrerlager zeigte.

"Dass der Junge saugut ist, steht schon seit seinem ersten Punkt damals in Montreal fest.

Er hat sich seitdem seine Sporen verdient und ist ein ausgewachsener Formel-1-Fahrer. Der Junge ist erste Klasse", meinte der frühere Formel-1-Pilot Christian Danner und heute als RTL-Experte Kollege von Lauda.

Über Umwege zurück in die Formel 1

2004 hatte Glock in Montreal als Ersatzfahrer für den Italiener Giorgio Pantano gleich bei seinem Debüt zwei WM-Punkte geholt und war am Ende des Jahres noch drei weitere Rennen für Jordan gefahren.

Weil für 2005 aber kein Formel-1-Cockpit zu finden war, nahm der Hesse den Umweg über die US-Cart-Serie und die GP2, die er 2007 in seiner zweiten Saison in beeindruckender Manier gewann. Damit empfahl er sich für das Formel-1-Cockpit bei Toyota.

"Ich hatte immer gedacht, es würde für ihn schwer gegen Jarno Trulli. Der hat immerhin bei Toyota die Formel-1-Karriere von Ralf Schumacher beendet", meinte der ehemalige Formel-1-Pilot und heutige Premiere-Experte Marc Surer:

"Aber wenn man so einen Mann schlägt, dann ist man auf einem guten Weg. Und wenn man das mehrmals schafft, hat man einen festen Platz in der Formel 1."

Hilfreicher Unfall

Für Surer hat Glock dabei der schwere Unfall zwei Wochen zuvor beim Heimspiel in Hockenheim sogar geholfen.

"Leichte Schläge auf den Hinterkopf erhöhen die Schnelligkeit. Es ist typisch für Fahrer, die einen Unfall hatten, dass sie danach der ganzen Welt etwas beweisen wollen", meinte der Schweizer:

"Er war in Budapest auch in der GP2 schon schnell, die Strecke liegt ihm."

Haug: "Grandiose Leistung"

Mercedes-Sportchef Norbert Haug freute sich für seinen Landsmann. "Das war kein geerbter zweiter Platz, sondern eine absolut grandiose Leistung", sagte Haug: "Ich freue mich sehr für Timo und alle, die an ihn geglaubt haben.

Sein technisches Verständnis und seine Arbeitseinstellung bringen ihn voran. Und er war nicht zufrieden, das spricht für ihn."

Lobende Worte gab es auch von BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen, in dessen Team Glock 2007 als Testfahrer im Einsatz war.

"Das war eine Klasse-Vorstellung, das freut mich sehr für ihn", meinte Theissen, der Glock eine solch positive Entwicklung gewünscht hat.

Manager nicht überrascht

Nicht überrascht war natürlich Glocks langjähriger Manager Hans-Bernd Kamps, der weiß, dass sein Schützling "zu besonderen Leistungen fähig ist".

"Er baut seine Performance Schritt für Schritt auf, das hat er auch schon in anderen Serien gemacht", sagte Kamps:

"Es wird aber schon noch etwas dauern, bis er die nötige Konstanz erreicht oder sein gesamtes Potenzial ausgeschöpft hat."

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