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Weißer Rauch in Runde 68: Felipe Massa scheidet in Ungarn frustriert aus © imago

Den sicher geglaubten Sieg verloren, die Führung im WM-Rennen - und womöglich die große Chance auf die Nummer eins im eigenen Team verpasst?

Von Marc Ellerich

München - Was sagt man, wenn man in so einer Situation gefragt wird, wie es einem geht?

Felipe Massa, der große Unglücksrabe des Ungarn-Grand-Prix, fand nach dem spektakulären Motorplatzer seines Ferrari auf dem Hungaroring nur wenige Worte.

Dafür waren sie sicherlich ehrlich gemeint. "Ich fühle mich wirklich beschissen", antwortete Massa auf die Frage nach der Gefühlslage.

Wochenende im Rauch

Wer wollte dem kleinen Brasilianer seinen Kummer übel nehmen?

Denn zwei Runden vor Schluss des Rennens ging für ihn - ungefährdet in Führung liegend - ein eindrucksvolles Wochenende im Rauch seines zerstörten Aggregats auf.

Hartnäckig und entschlossen

Statt als Triumphator von Ungarn die WM-Führung zu übernehmen vom nach einem Plattfuß fünftplatzierten McLaren-Konkurrenten Lewis Hamilton und dem teaminternen Rivalen Kimi Räikkönen, stand danach das bittere Resultat zu Buche: Hamilton: 62 Punkte, Räikkönen: 57, Massa: 54.

Dabei war es imponierend gewesen, wie hartnäckig und entschlossen der Mann aus Sao Paulo in Budapest daran ging, die eigene Krise und die seines Teams endlich zu meistern.

Im Schlingerkurs durch die F 1

Die Roten taumeln ja seit geraumer Zeit im Schlingerkurs durch die diesjährige F-1-Saison.

Massas wie Räikkönens Auftritte schwanken seit geraumer Zeit wie Fieberkurven. Räikkönens Bilanz der letzten sechs Rennen: Neunter, Ausfall, Zweiter, Vierter, Sechster, Dritter. Und Massa? Wurde Dritter, Fünfter, Erster, Dreizehnter, Dritter, Siebzehnter.

Konstanz sieht anders aus.

Böse Worte

Doch die Kritik der Verantwortlichen traf bisher stets Massa. Räikkönen, dem finnischen Weltmeister blieben böse Worte der Verantwortlichen bislang erspart.

Massa solle endlich konstanter werden, wetterte Ferraris großer Vorsitzender Luca di Montezemolo.

Das war Anfang Juli, bevor der Brasilianer in der Regenflut von Silverstone von der Rennstrecke kreiselte wie ein Brummkreisel.

Schumachers Co-Pilot

Doch am Brasilianer, bei Ferrari bisher stets die Nummer zwei, perlten Kritik und Nackenschlägen scheinbar ab wie von einer Teflon-Pfanne.

Beim anschließenden Deutschland-GP in Hockenheim rettete er mit dem dritten Platz den Auftritt der Scuderia.

Und am Renn-Wochenende in Ungarn zeigte sich der einstige Co-Pilot des deutschen Rekord-Weltmeisters Michael Schumacher ebenfalls fest entschlossen, sich vom scheinbar unschlagbaren Lewis Hamilton nicht das Wasser abgraben zu lassen.

"Wir sind sehr stark"

Nach der Qualifikation, die er als Dritter hinter den beiden Silberpfeilen beendet hatte (Räikkönen wurde Sechster), wurde er nicht müde, die Stärke seines Rennwagens zu betonen.

"Wir haben ein gutes Auto", beteuerte Massa, und: "Wir sind sehr stark. Wir können die Jungs unter Druck setzen."

Den Beweis liefert er am Tag darauf, als er mit seinem weltmeisterlichen Raketenstart die aus Reihe eins gestarteten Silberpfeile düpierte und sich an die Spitze setzte, wo er sich 68 Runden lang problemlos behaupten konnte.

"Es ist noch alles drin"

Und sogar von der Motoren-Pleite auf dem Hungaroring will er sich nicht entmutigen lassen.

"Selbst nach diesem Worst-Case-Szenario ist noch alles drin, und es gibt einige Möglichkeiten, in den Titelkampf einzugreifen", erklärte der WM-Vierte des Vorjahres.

"Selbstvertrauen ist da"

Danach bekräftigte er, "dass ich mich nach wie vor in einer sehr starken Position befinde. Das Selbstvertrauen ist da."

Es scheint, als habe Massa die Rolle des ewigen Zweiten gegenüber dem zuletzt oft lustlos wirkenden Räikkönen innerlich bereits abgestreift.

Was die Worte wert sind, werden die nächsten neun Rennen zeigen.

Häufig unterschätzt

Glauben darf man Felipe Massa, wenn er betont, dass er nicht aufgeben wird im Titelkampf.

Man sollte jedenfalls nicht allzu erstaunt sein, wenn der häufig Unterschätzte am Ende dieser Saison für die ganz große Überraschung gut ist.

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