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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Mit seiner Stallorder beim Deutschland-GP sorgte Ferrari für einen Skandal © getty

Der Weltverband schafft das umstrittene Regie-Verbot ab - lässt sich aber ein Hintertürchen. Und es gibt 2011 weitere Neuerungen.

Monte Carlo/München - Vor vier Monaten war es ein Riesenskandal, künftig ist Teamorder in der Formel 1 erlaubt.

Der Weltrat des Automobil-Weltverbandes FIA hat beschlossen, den umstrittenen Artikel 39.1 zu streichen. Kurios: Ausgerechnet unter Präsident Jean Todt hat die FIA die Aufhebung beschlossen.

Dessen Aufforderung zur Teamorder als Ferrari-Teamchef - Rubens Barrichello musste Michael Schumacher passieren lassen - hatte 2003 für die Einführung des Verbots gesorgt. (267708DIASHOW: Die härtesten Strafen der Formel 1)

Der aktuelle Fall von Ferrari auf dem Hockenheimring zeigte jedoch, dass sich eine Teamorder letztendlich nur schwer nachweisen lässt, das freiwillige Vorbeilassen eines Teamkollegen durch die Fahrer ist nämlich nicht verboten.

Machtlosigkeit der FIA

Beim Großen Preis von Deutschland Ende Juli hatte sich der Brasilianer Felipe Massa seinen aussichtsreicher im WM-Rennen liegenden Kollegen Fernando Alonso überholen lassen.

Ferrari war mit einer Geldstrafe von 100.000 Dollar belegt worden, durfte die Punkte aber behalten. (Einwurf: Falsches Signal)

Der Fall demonstrierte die Machtlosigkeit der FIA bei der Bestrafung von Teamorder. Die Regel wurde so zum Scheinparagrafen, die Teams mussten nur "geschickt betrügen", künftig dürfen sie offen Anweisungen zu teaminternen Überholmanövern geben.

Gummi-Paragraf 151c

Vorsichtshalber wurden die Teams aber daran erinnert, dass jede Handlung, die dem Sport schadet, durch den Artikel 151c des für alle Rennserien gültigen Internationalen Sporting Code weiterhin bestraft werden kann.

Dort wird "jedes betrügerische Verhalten oder jede Handlung zum Nachteil der Interessen eines Wettbewerbs oder gegen die Interessen des Motorsports im Allgemeinen" als Regelverstoß gewertet.

Da schon mit einem Verbot kein Nachweis und keine harten Sanktionen möglich war, dürften die Teams künftig jedoch keinerlei Angst vor Strafen für Teamorder haben müssen.

Kleinere Motoren

Ab 2013 wird die Formel 1 zudem mit benzinsparenden Vierzylinder-Motoren fahren.

Die FIA beschloss die Einführung kleinerer 1,6-Liter-Triebwerke. Man folge damit den Wünschen der Automobilindustrie, heißt es in einer Erklärung der FIA.

Der Benzinverbrauch soll mit den neuen Motoren um 35 Prozent geringer sein als bisher. Im ersten Jahr des neuen Reglements stehen jedem Piloten fünf Motoren pro Jahr zur Verfügung, ab 2014 werden es nur noch vier pro Saison sein.

VW-Einstieg wird wahrscheinlicher

DIe Einführung eines Einheitsmotors lässt auch die Chancen auf einen Einstieg von VW wieder steigen.

"Wir haben noch nichts entschieden, aber wir begrüßen die FIA-Entscheidung sehr. Denn dadurch sind die Voraussetzungen für einen möglichen Einstieg des Volkswagen-Konzerns geschaffen", sagte VW-Motorsportberater Hans-Joachim Stuck.

Viele kleinere Änderungen

Zudem beschloss der FIA-Weltrat zahlreiche kleinere Änderungen, die ab der kommenden Saison greifen.

Den Rennkommissaren steht künftig ein neuer Strafenkatalog zur Verfügung, sie dürfen Geldstrafen von bis zu 250.000 Euro aussprechen. Wie angekündigt droht den Fahrern bei schwerem Fehlverhalten im öffentlichen Straßenverkehr künftig der Entzug der Rennlizenz.

Boxengasse schmaler

Erneut verändert wurden auch die Safety-Car-Regeln.

Die FIA wird eine klare Vorgabe formulieren, unter welchen Bedingungen Formel-1-Fahrzeuge in Gelbphasen am Safety-Car vorbeifahren dürfen.

Dem Renndirektor wird es ab dem kommenden Jahr erlaubt sein, die Boxengasse jederzeit aus Sicherheitsgründen vorübergehend zu schließen. Die Breite der "schnellen Spur" in der Boxengasse wird limitiert, um Beschleunigungsduelle zu verhindern.

Nach dem Streit um die laut einiger Konkurrenten zu flexiblen Frontflügel von Red Bull und Ferrari wurde die dabei wichtige "Referenzhöhe" neu definiert und eine veränderte Testmethoden verabschiedet.

Details wurden jedoch noch nicht veröffentlicht.

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