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Das Ferrari-Team ist mit 172 Punkten Konstrukteursweltmeister 2008 © getty

Das Energie-Rückgewinnungssystem KERS ist in aller Munde. Hat die Scuderia die technische Revolution verpasst?

Von Manuel Krons

München - Nach der Saison ist vor der Saison: Dieser Spruch gilt in diesem Jahr für Formel 1 noch mehr als ohnehin schon.

Fieberhaft tüfteln die Teams an den Neuerungen für die kommende Weltmeisterschaft. Dabei kommt der Entwicklung eines effektiven KERS (Kinetic Energy Recovery System) eine besondere Bedeutung zu.

Alle Teams versuchen einen Weg zu finden, um aus Energie die beim Bremsvorgang freigesetzt wird, zusätzliche Antriebskraft zu gewinnen. Die Suche nach dem heiligen Gral der Königsklasse läuft auf Hochtouren.

Und es scheint, als hätte ausgerechnet Ferrari dabei den Anschluss verpasst.

"Es war ein Fehler"

"Die Zukunft wird kompliziert mit diesen neuen Regelungen. Wir haben das Gefühl, KERS schon in diesem Jahr einzuführen, war ein Fehler", sagte Ferrari-Chef Luca die Montezemolo gegenüber "Autosprint".

Angesichts der bevorstehenden Revolution geht bei den Roten ganz offensichtlich die Angst um.

Zumal di Montezemolo als Kritikpunkt die hohen Kosten des neuen Antriebs anführt. Ein Punkt, der für Scuderia mit einem kolportierten Jahresbudget von 250 Millionen Euro eher eine untergeordnete Rolle spielen sollte.

Entwicklung verschlafen

Auch Ferrari-Technikchef Aldo Costa deutete bereits an, dass man infolge des harten Titelkampfes in diesem Jahr die Entwicklung für die kommende Saison verschlafen habe:

"Wir haben viele Ressourcen auf den F2008 verwendet und nun müssen wir schnell wieder aufholen. Ich kann nicht bestreiten, dass wir etwas spät dran sind", so Costa.

Ferrari der erste Verlierer?

Viele Experten erwarteten durch die vorgesehenen Neuerungen für die kommende Jagd auf die WM-Krone eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses in der Formel 1. Der erste Verlierer könnte dabei der aktuelle Konstrukteurs-Weltmeister aus Maranello sein.

Teams wie BMW-Sauber und Honda testen schon seit einiger Zeit ihre KERS-Prototypen auf der Strecke (Wie gefährlich ist KERS?). BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen sieht in der neuen Technologie eine "Riesenchance sich als ein Hochgeschwindigkeits-Entwicklungslabor zu repositionieren." Er fügt an: "Ich verstehe nicht, warum so wenige bisher auf diesen Zug aufgesprungen sind."

Bei Ferrari befinde sich die Entwicklung noch auf dem "Versuchstisch", wie Costa gestehen muss.

Auch Toro Rosso betroffen

Betroffen ist davon auch das Kunden-Team Toro Rosso. Das Ex-Team des deutschen Piloten Sebastian Vettel ist in allen Antriebsfragen von Ferrari abhängig. Ob das Team 2009 mit KERS an den Start gehen kann, steht noch in den Sternen:

"Der Einsatz ist geplant, ob er realisiert werden kann, wird die Zukunft zeigen", sagt der bei den "Professional Motor Sport Awards" als "Teamchef des Jahres" augezeichnete Franz Tost auf Sport1.de-Nachfrage.

Die Entwicklung des neuen Antriebs liege "zu hundert Prozent bei Ferrari". Bislang konnte Toro Rosso noch keine Testfahrten mit KERS absolvieren. "Das dafür vorgesehene Fahrzeug ist noch im Entstehungsprozess", so Tost zu Sport1.de.

Force India sattelt auf Mercedes um

Das Force-India-Team, das beim WM-Finale in Sao Paolo ebenfalls noch mit einem Aggregat aus der italienischen Motorenschmiede seine Runden drehte, hat in der vergangenen Woche auf die Konkurrenz von Mercedes umgesattelt (Mercedes-Motor für Sutil)

Die indische Crew scheint nicht der einzige Rennstall zu sein, der beim Thema KERS lieber auf einen deutschen Hersteller vertraut.

Bosch steigt ins Hybrid-Geschäft ein

Das Unternehmen Bosch teilte jetzt mit, ebenfalls einen "KERS-Baukasten" zu entwickeln, der laut dem Hersteller die Anforderungen von der Formel 1 bis zu Rennserien wie der DTM oder 24-Stunden-Rennen abdeckt.

"Im Vergleich zur Hybridtechnik von Serienfahrzeugen sind die Konzepte für den Rennsport deutlich leistungsfähiger und gleichzeitig kompakter", erläuterte Bosch Motorsport-Leiter Klaus Böttcher. "Wir sind bereits mit vielen Teams der verschiedenen Rennserien im Gespräch."

Vielleicht empfängt Böttcher bald einen Hilferuf aus Italien.

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