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Bruno Senna, Neffe von Ayrton Senna, steht vor seinem Formel-1-Debüt © getty

Bezahlfahrer gibt es in der Formel 1 nicht mehr. Dafür greifen die Söhne und Neffen legendärer Champions nach den freien Plätzen.

Von Julian Ignatowitsch

München - Das Rennen um die letzten freien Plätze in der Formel 1 geht in die heiße Phase.

Honda und Toro Rosso haben ihre Cockpits noch nicht besetzt. Beide Teams wollen keine vorschnellen Entscheidungen fällen und warten deshalb erst einmal die Ergebnisse der Testfahrten ab.

Während in der Vergangenheit noch häufig das Geld beziehungsweise potentielle Sponsoren, die der Fahrer mit in das Team brachte, bei der Cockpit-Vergabe von Bedeutung waren, spielt dieses Phänomen in der kommenden Saison keine Rolle mehr.

"Diese sogenannten Pay Driver gibt es in der Formel 1 nicht mehr", erklärt F1-Experte Jacques Schulz im Gespräch mit Sport1.de.

"Die Teams sind über ihre Sponsoren derzeit so gut abgedeckt, dass dieses Thema keine Rolle spielt."

Senna-Neffe bald in der Formel 1?

Also zählt nur das Leistungsvermögen. Oder?

"Im Prinzip ja", meint Schulz: "Dennoch ist es sicherlich so, dass zum Beispiel ein Bruno Senna - der ohne Zweifel ein hervorragender Fahrer ist - auch von seinem Namen und den damit verbundenen Vermarktungsmöglichkeiten profitiert."

Ein neuer Trend in der Formel 1? Es scheint fast so. Denn zweifellos ist die Erwartungshaltung an die Söhne und Neffen der legendären Champions besonders hoch.

Senna gilt als hoffnungsvolles Talent und macht Rubens Barrichello und Jenson Button große Konkurrenz im Kampf um die Plätze bei Honda.

"Habe hart dafür gearbeitet"

Nächste Woche feiert er bei den Testfahrten in Barcelona sein Formel-1-Debüt.

"Ich habe hart dafür gearbeitet. Jetzt wird mein Traum wahr", freut sich Senna und fügt an: "Ich weiß, dass die Erwartungen sehr hoch sind - und ich werde alles geben, um sie zu erfüllen."

Neben Senna testet auch dessen brasilianischer Landsmann Lucas di Grassi für Honda.

Auswahl klein wie nie

"Meine Favoriten für die beiden Plätze sind aber Button und Senna", verrät Experte Schulz. "Barrichello und di Grassi könnten dann auch genauso gut bei Toro Rosso unterkommen", meint er.

Für den italienischen Rennstall testen nächste Woche zwar Takuma Sato, Sebastien Bourdais und Sebastien Buemi, die Scuderia könnte aber auf eine Fahrer-Entscheidung bei Honda entsprechend reagieren.

Denn die Auswahl an potentiellen Formel-1-Piloten ist derzeit so klein wie nie. "Es gab noch nie so wenig qualifizierte Fahrer wie im kommenden Jahr", stellt Schulz fest. "Die besten Fahrer haben bereits ihren Platz. Alternativen gibt es kaum."

Neuer Kandidat: Freddie Hunt

Dafür stehen die Söhne ehemaliger Weltmeister immer höher im Kurs. Mit Nelson Piquet jr. fährt bereits einer für Renault. Neuester Kandidat ist Freddie Hunt, Sprössling des extrovertierten James Hunt.

Auch wenn der 21-Jährige erst zwei Jahre im Rennsport aktiv ist, macht er sich Hoffnungen auf eine Formel-1-Karriere. "Das ist mein Sport", schwärmt Hunt, der nächstes Jahr in der ADAC Formel Masters für das Team Buchbinder antritt.

"Langfristig muss man ihn sicher im Auge behalten", weiß Schulz und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Irgendwann kommen fast alle Söhne und Neffen von Weltmeistern in der Formel 1 unter."

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